Beide Seiten taten sich schwer, eine Erklärung für das zu finden, was sich während 93 Minuten zuvor abgespielt hatte. Während Kosova-Trainer Enver Osmani entgeistert dasass und grübelte, wie sich seine Mannschaft derart hatte gehen lassen können, lautete die Frage auf Dietiker Seite: Wie war man zu einem so klaren Sieg gekommen?

Es war nicht so, dass die Limmattaler den Kontrahenten an die Wand spielten. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten die Gäste, die sich selbst als Aufstiegskandidaten sehen, mehr von der Partie. Zwingende Aktionen waren allerdings Fehlanzeige. Das galt auch für den Aufsteiger. Einzige Ausnahme war die 44. Minute. Nach einem Abschlag von Torwart Markus Würsten tankte sich Zivko Cajic durch, bediente Pascal Wimer, der zur 1:0-Pausenführung einschob.

Wie ein Kartenhaus zusammengefallen

Dass es am Ende 6:1 heissen würde, hätte zu diesem Zeitpunkt wohl keiner gedacht. Stefan Kohler narrte per Freistoss den schwachen Torwart Besnik Zukaj (52.), nur eine Minute später traf Cajic nach einem Patzer des Schlussmanns zum 3:0.

Jetzt fielen die Kosovaren wie ein Kartenhaus zusammen. Es war teilweise peinlich, wie aufreizend lässig sie Bälle verschenkten, indem sie sich offenbar absichtlich einen Pass nicht oder ungenügend zuspielten. Cajic (62.), der in der zweiten Halbzeit starke Raphael Candreia (68.) und Widmer (89.) bedankten sich mit drei weiteren Treffern.

Das 6:1, in der Nachspielzeit per Elfmeter erzielt, wurde von Speaker Peter Ardielli als «Anschlusstreffer» bezeichnet - eine unbeabsichtigte Verhöhnung der Gäste.

Genüsslicher Blick von der Tabellenspitze

Zurück zur Frage, wie es so leicht zu diesem Sieg kommen konnte. Der «verlorene Sohn» Stefan Kohler, der nach 20 Jahren den Weg wieder auf die Dornau fand und wie alle Zuzüge überzeugte, sagte nur: «Es werden auch andere Spiele kommen, das darf man nicht überbewerten.»

Trainer Goran Ivelj führte das Resultat auf «den grösseren Willen» seiner Mannschaft zurück. Dass sein Team wieder an der Tabellenspitze befindet, entlockte ihm ein Lächeln und den Kommentar, dass er es geniesse, «mindestens eine Woche von oben auf die anderen schauen zu können».

Einen besonderen, vom Traumstart losgelösten Grund zur Freude hatte Adnan Mustafi. Der Dietiker Ausnahmespieler bestritt gestern nach auskurierter Knieverletzung zum ersten Mal nach fast neun Monaten wieder einen Ernstkampf. Er deutete in seiner ureigenen spektakulären Art an, dass die an sich schon starke Dietiker Offensivabteilung um eine Attraktion reicher wird.