Leichtathletik SM

Jedes Los ein Treffer: Die Schweizerinnen und Schweizer erfüllen im Sprint jeden Wunsch – die EM kann kommen

Jason Joseph (rechts) glänzte im Halbfinal über 110 Meter Hürden mit Schweizer Rekord.

Jason Joseph (rechts) glänzte im Halbfinal über 110 Meter Hürden mit Schweizer Rekord.

Wo hätten Sie es denn am liebsten – über 100 Meter, 200 Meter oder über die Hürden? Die Schweizer Leichtathletik erfüllt im Sprint derzeit jeden Wunsch. An den Schweizer Meisterschaften in Zofingen fallen gleich drei Rekorde.

Und während die nationale Konkurrenz in den Wurfsportarten nach wie vor meilenweit von Weltruhm entfernt ist, gehört sie auf den Kurzdistanzen inzwischen zum europäischen Tafelsilber. Hier gilt: Jedes Los ein Treffer. Den Hauptpreis zu gewinnen gibt es allerdings erst in knapp vier Wochen an den

Europameisterschaften in Berlin.

Die Aussichten sind goldig. Mujinga Kambundji mit ihrem Durchbruch der 11-Sekunden über 100 m (10,95) und Alex Wilson mit seinem vierten Schweizer Rekord im vierten 200-m-Rennen der Saison (20,14) katapultieren sich dank den Zeiten von Zofingen jeweils zur Nummer zwei auf Europas Tartanbahnen.

100-m-Rekord von Mujinga Kambundji.

  

Damit dürfen sie in Berlin im Bett bleiben, wenn die Gegnerschaft die Vorläufe bestreitet, und erst im Halbfinal ins Geschehen eingreifen. Dies zudem auf den bevorzugten mittleren Bahnen, gerade in der Kurve über 200 m ein Vorteil.

Arbeiten am mentalen Profil

Die Kurve will Alex Wilson in Berlin deutlich schneller laufen. Er ist überzeugt, dass dies möglich ist. Erst im nun folgenden zweiwöchigen Trainingslager in London werde so richtig an der Schnelligkeit gearbeitet, erklärt der 27-jährige Basler. Sein extra nach Zofingen gereister Trainer Clarence Callender sieht für das Feintuning indes andere Prioritäten. «Wir arbeiten an seinem mentalen Profil», sagt der Brite.

200-m-Rekord von Alex Wilson.

200-m-Rekord von Alex Wilson.

«Dieser Rekord ist nettes Beigemüse, aber wir müssen unser Ziel im Auge behalten.» Bisher verkrampfte Wilson regelmässig, wenn die Gegner neben oder vor ihm und nicht wie an den Schweizer Meisterschaften hinter ihm herrennen. Das von langer Hand geplante und vom Athleten laut herausposaunte Titelziel für die EM ist laut Callender vor allem eine Frage des Kopfes. In den Beinen hat es Wilson.

Ein zukünftiger Weltstar

Zu den beiden Medaillenkandidaten gesellt sich in Berlin das Kücken der schnellsten Schweizer Leichtathleten. Der Baselbieter Jason Joseph holt in Zofingen nicht nur seinen ersten Meistertitel über 110 m Hürden bei den Aktiven, der 19-Jährige krallt sich bereits im Halbfinal mit 13,39 den zehn Jahre alten nationalen Rekord von Andreas Kundert. Im Final verhindert einzig der zu starke Rückenwind die Anerkennung einer noch schnelleren Zeit. Experten sehen in Joseph einen zukünftigen Weltstar – wegen seiner Gardemasse (1.92 m), seiner Athletik, seiner Einstellung und seiner Bescheidenheit. Gefragt, ob er zu Beginn des Jahres unterschrieben hätte, jetzt zur internationalen Spitze zu gehören, sagt Joseph: «Nein, und das würde ich auch jetzt noch nicht.»

Zwar platziert er sich mit seinem Schweizer Rekord in der europäischen Bestenliste auf Position zehn, bei seinem Diamond-League-Debüt in Lausanne vor zehn Tagen wurden ihm aber die aktuellen Grenzen von den Weltbesten aber klar aufgezeigt. «Ich war ziemlich beeindruckt», sagt Joseph und betont, dass er ohne allzu grosse Erwartungen nach Berlin reise. Schliesslich hat er in seinem Alter nach wie vor das «L» auf dem Rücken. Die EM wird zur ersten Prüfung.

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