Lauberhornabfahrt
Für Odermatt gelten keine skifahrerischen Gesetze – sein Geheimnis? Schnell lernen

In seiner ersten Abfahrt am Lauberhorn fährt Marco Odermatt als Zweiter gleich auf das Podest. Wie er die Schlüsselszenen ohne Erfahrung meistert, ist begeisternd. Wo andere verzweifeln, brilliert er.

Martin Probst
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Marco Odermatt auf dem Weg zu Rang zwei in seiner ersten Lauberhornabfahrt.

Marco Odermatt auf dem Weg zu Rang zwei in seiner ersten Lauberhornabfahrt.

KEYSTONE

Da verzweifeln viele, darunter selbst gestandene Abfahrer, ein Skifahrerleben lang am Brüggli-S, an dieser einzigartigen Passage im Weltcup – und dann kommt Marco Odermatt.

Und eigentlich sollte es einen ja schon gar nicht mehr erstaunen. Aber trotzdem: Da fährt dieser 24-Jährige zum ersten Mal eine Lauberhornabfahrt – und am zweitschnellsten aller Starter durch diese Schlüsselstelle. Und am Ende auf Rang zwei.

Christof Innerhofer, der die Strecke zwischen der ersten und der zweiten Zwischenzeit noch neun Hundertstel schneller absolviert hat als Odermatt, sagt zwar: «Wir Alten, also Janka und ich, haben nochmals gezeigt, wie man da fahren muss.»

Christof Innerhofer.

Christof Innerhofer.

Luciano Bisi / AP

Aber auch Innerhofer ist nicht entgangen, dass für Marco Odermatt offenbar keine skifahrerischen Gesetze gelten, er auch bei der Premiere fast so fahren kann, wie der 37-jährige Italiener, der die Schlüsselstelle mit geschlossenen Augen fahren könnte.

Janka erklärte Odermatt, wie es geht, schnell zu sein

Carlo Janka wurde in der mittlerweile nach Bruno Kernen benannten Passage mit der drittschnellsten Durchfahrtszeit gestoppt. In seinem zweitletzten Rennen seiner Karriere fuhr der 35-Jährige auf den starken elften Rang.

Der 37-jährige Innerhofer klassierte sich auf Platz 13. Das Kernen-S allein führt noch nicht auf das Podest. Doch wer dort zu grosse Fehler macht, hat schon verloren.

Carlo Janka.

Carlo Janka.

Luciano Bisi / AP

Janka sagt, auf die Schlüsselstelle angesprochen: «Das war immer noch gut. Aber die Jungen zeigen schon, dass sie das auch können.» Er hätte auch Marco Odermatt sagen können.

Wenn's läuft, dann läuft's

Der Nidwaldner hatte sich bei Janka, der im Kernen-S nur sehr selten nicht zu den Schnellsten gehört, erkundigt – und schon in der zweiten Trainingsfahrt mit der drittbesten Abschnittszeit bewiesen, dass er sehr schnell lernt. Odermatt sagt: «Wenn’s läuft, dann läuft’s einfach. Dann gelingt auch das Brüggli-S ohne Erfahrung.»

Aber eben nicht nur. Einzig Aleksander Aamodt Kilde war gesamthaft noch 19 Hundertstel schneller als der Schweizer. Der Norweger, im Super-G am Freitag noch Zweiter hinter Odermatt, verhinderte mit seinem ersten Lauberhornsieg also das Double.

Odermatt auch auf Slalomskis schnell?

Und Kilde ist es auch, der Odermatt im Gesamtweltcup noch einigermassen folgen kann. Mit Betonung auf einigermassen. Nach 19 Rennen in dieser Saison, von denen Odermatt 14 bestritt, zehnmal auf das Podest fuhr und sechsmal gewann, hat der Schweizer die Marke von 1000 Punkten bereits überschritten.

Mit 1025 Punkten liegt er schon 376 Punkte vor Kilde und 478 vor dem Österreicher Matthias Mayer. Aufgrund dieser Dominanz gibt es bereits solche, die witzeln, Odermatt könnte in seiner derzeitigen Form auch die Slalom­skis montieren und würde auch dort überzeugen. Er selbst sagt:

«Jeden Seich mache ich dann schon nicht mit.»

Odermatt weiss selbst, dass er sich in einer beneidenswerten Form befindet. Beat Feuz sagt: «Marco kann derzeit machen, was er will – und es ist schnell. Diesen Flow muss er geniessen und ausnützen. Weil auch er wird, wenn er in ein paar Jahren wieder hier steht, gemerkt haben, dass das nicht immer so bleibt.»

Mit dem Helikopter pünktlich zur Geburt

Feuz, der bei der Einfahrt ins Kernen-S einen Bremsschwung einbaute («Im Training hat sich das ergeben, im Rennen wäre es wohl ohne gegangen.»), fuhr auf Rang drei und zum sechsten Mal in einer Lauberhornabfahrt auf das Podest.

Zum sechsten Mal in der Lauberhornabfahrt auf dem Podest: Beat Feuz.

Zum sechsten Mal in der Lauberhornabfahrt auf dem Podest: Beat Feuz.

KEYSTONE

«Diese solide Fahrt war wichtig für mich», sagt der 34-Jährige, dem zuletzt ungewohnt viele Fehler passierten. «Das hat mich geärgert – und beschäftigt», sagt Feuz, der bald zum zweiten Mal Vater wird und darum einen Helikopter für den schnellen Flug nach Hause bereits organisiert hat. «Wenn das Handy klingelt, kann ich sofort los.»

Protest von Swiss-Ski von der FIS abgewiesen

Doch zurück zu seinem Winter. Feuz sagt: «Die Saison war bisher nicht schlecht. Aber in der Abfahrt etwas durchzogen.» Bei ihm, der zuletzt viermal in Serie die Kristallkugel für den besten Abfahrer einer Saison gewann, heisst das: Er stand in fünf Abfahrten zwar dreimal als Dritter auf dem Podest. In der Gesamtwertung liegt er mit 225 Punkten aber nur auf Rang fünf. 44 Punkte hinter Leader Kilde – und einen Punkt hinter Odermatt. Was ein weiterer Beweis dafür ist, wie schnell sich der Überflieger des Winters auch unter den besten und routinierten Abfahrern behauptet.

Am Samstag findet eine weitere Abfahrt in Wengen statt. Dieses Mal mit Start von oben. Erneut dabei ist Vincent Kriechmayr (am Freitag auf Rang 12). Der Protest der Schweizer gegen seinen Start – er hatte aufgrund von Corona beide Trainings verpasst – wurde von der FIS abgewiesen.

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