«Die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern ist im Fussball ja offensichtlich. Das Argument, weshalb die Männer so viel mehr verdienen als wir, ist ja häufig, dass sie viel mehr Geld generieren als wir Frauen. Das stimmt natürlich. Aber in Lyon, wo ich gespielt habe, hatten die Frauen einen extrem positiven Einfluss auf das Image des Klubs. Das ist ja auch wichtig für das Geschäft.

Als Frau muss man in unserem Sport immer extrem um alles kämpfen, damit man etwas bekommt. Und meistens bekommt man dann nicht das, was man wollte, und gibt sich dann trotzdem damit zufrieden. Ich möchte die Leistungen der Männer keinesfalls schmälern.

Aber sie müssen in unserem Sport auf höchstem Level um nichts kämpfen. Klar wird auch verhandelt. Aber grundsätzlich ist es doch so, dass sie grössere Stadien, bessere Trainings-Infrastrukturen etc. erhalten – vom Lohn wollen wir gar nicht erst sprechen.

Letztlich hat doch alles mit Wertschätzung zu tun. Wenn ich sehe, wie viel wir Frauen in unseren Sport investieren, daneben noch arbeiten und trotzdem kaum Unterstützung erhalten, dann stimmt mich das traurig.

Gerade in der Schweiz hinken wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gewaltig hinterher. Dabei hätten wir in unserem Land ja die Mittel dazu. Es wäre schön, wenn wir mal eine Vorreiterrolle einnehmen würden.

Und zwar nicht nur, damit am Ende die Bilanz aufgeht, sondern aus Prinzip, aus Überzeugung. Auf so ein Zeichen warte ich in der Schweiz vergebens. Ich finde es sehr traurig, wie der Frauenfussball in unserem Land immer noch belächelt wird. Man muss doch nur in unser Nachbarland nach Frankreich schauen, wo derzeit die WM stattfindet. Schauen Sie sich mal an, was dort abgeht. Auch in anderen Ländern wie Deutschland. Das ist kein Vergleich.

Was es in der Schweiz bräuchte? Jemanden, der einfach mal Geld in unseren Sport investiert, der ein Profiteam gründet, das auch international mithalten kann. So gehen unsere besten Spielerinnen alle ins Ausland. Ich persönlich könnte nie in der Schweiz spielen.

Nicht wegen des Niveaus, sondern schlicht und einfach, weil ich meinen Sport nicht professionell ausüben könnte. Das ist letztlich ein Teufelskreis. Ohne die besten Spielerinnen, wird auch die Attraktivität der Liga nicht besser. Jetzt muss mal jemand einen Schritt machen. Und zwar einen grossen. Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen und kosmetischen Eingriffen bleiben.» (Aufgezeichnet: ku)