Langlauf

Langläuferin Nadine Fähndrich ist plötzlich Hauptdarstellerin

Nadine Fähndrich startet heute Freitag in Ruka zum ersten Weltcup-Sprint der Saison.

Nadine Fähndrich startet heute Freitag in Ruka zum ersten Weltcup-Sprint der Saison.

Auf Langläuferin Nadine Fähndrich ruhen nach dem Rücktritt von Nathalie von Siebenthal noch mehr Hoffnungen.

Der Rückzug aus der Welt des Langlaufweltcups hatte sich bei Nathalie von Siebenthal schon im vergangenen Winter angedeutet. Im Herbst machte die 26-jährige Berner Oberländerin ernst – die Motivation fürs Training fehlte, und das Hamsterrad Spitzenlanglauf war der leidenschaftlichen Bäuerin schon länger verleidet.

Die Luzernerin Nadine Fähndrich, in der vergangenen Saison neben von Siebenthal die Schweizer Leistungsträgerin, nahm den Entscheid mit Bedauern auf. «Nathalie fehlt, ihr Rücktritt ist sehr schade für das Team.»

Für die um zwei Jahre jüngere Athletin ist der Entscheid nicht so einfach nachvollziehbar – zumal sie das Drumherum im Langlaufweltcup und die Trainings nicht als Hamsterrad wahrnimmt, sondern sich vielmehr hoch motiviert fühlt. Sie habe aber nie versucht, von Siebenthal zu beeinflussen. «Wir haben darüber gesprochen – ich wollte ihr aber sicher keine Tipps geben. Das ist ihr ganz persönlicher Entscheid.»

In der WM-Saison ging Fähndrichs Stern auf

Sicher ist: Mit von Siebenthals Rückzug hat Fähndrich eine neue Rolle inne im Schweizer Frauen-Langlaufteam. Der Erfolgsdruck auf die Luzernerin steigt: Zwar will auch die Davoser Sprinterin Laurien van der Graaff nach einer verkorksten Saison wieder angreifen.

Aufgrund der Resultate in der starken WM-Saison ist aber Fähndrich zweifellos die erste Schweizer Hoffnungsträgerin geworden. Sechs Top-Ten-Plätze erreichte sie 2018/19 im Weltcup, einmal schaffte sie es im italienischen Cogne sogar über 10 km klassisch auf den zweiten Platz. An der WM scheiterte Fähndrich im Sprint nur knapp im Halbfinal und erreichte über 10 km klassisch den starken fünften Rang.

Im Training suchte die Luzernerin früh nach neuen Lösungen, da sich von Siebenthals Rückzug abzeichnete. Mit Läuferinnen aus dem B-Kader wie Lydia Hiernickel und den U23-Läuferinnen Alina Meier, Désirée Steiner sowie Giuliana Werro bildete sie eine neue Trainingsgruppe, die perfekt harmoniert habe. Dass ihr die beste Sparringpartnerin abhanden kam, sieht auch Disziplinenchef Hippolyt Kempf nicht als Nachteil.

«Sie hat klare Vorstellungen, trainiert extrem fokussiert und hat sich im Sommer weiter hervorragend entwickelt», sagt er. Er bedauert aber, dass die Schweizer Staffel durch von Siebenthals Abgang stark geschwächt wurde.

Wird Fähndrich zur Distanzläuferin?

Fähndrichs Paradedisziplin wird der Sprint bleiben, wo sie vor allem in den Qualifikationen vor den Ausscheidungsrennen immer wieder ganz nach vorne lief. Hier sieht sie bei sich in diesem Winter das Potenzial für Podestplätze. Vielleicht ja in der Schweiz, wo zwei Sprintrennen stattfinden werden: Mitte Dezember in Davos und am 29. Dezember anlässlich der Tour de Ski in der Lenzerheide.

Ein gutes Zeichen ist, dass sie das FIS-Sprint-Rennen im schwedischen Gällivare vom vergangenen Wochenende gewinnen konnte – auch wenn ihr ein Massensturz vor ihr laufender Athletinnen in die Karten spielte.

Nach den Erfolgen über 10 Kilometer im vergangenen Winter will sich die Athletin aus Eigenthal nun aber auch an längere Distanzrennen heranwagen. «Ich absolvierte im Sommer mit dem Team generell längere Einheiten.» Das 30-km-Rennen in Oslo im März ist, in der Zwischensaison ohne Grossanlass, eines der grossen Ziele von Fähndrich.

Langfristiges Ziel aber bleibt Peking 2022. Auf das Höhentraining in der Sierra Nevada im Sommer habe sie gut reagiert – was ihr auf die Olympiarennen in zwei Jahren, die ebenfalls in der Höhe stattfinden, ein gutes Gefühl gebe. Nun aber gilt die Gegenwart – und da gibt sich Fähndrich ebenfalls zuversichtlich. «Ich denke, die Resultate der letzten Saison bestätigen zu können.» – «Mindestens», scheint sie anfügen zu wollen. Aber: alles zu seiner Zeit.

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