Coronavirus

Kurzarbeit oder Training – das machen die Schweizer Fussballklubs

Ruht der (Fuss-)Ball noch länger? Die Klubs der Super- und der Challenge League müssen sich gedulden.

Ruht der (Fuss-)Ball noch länger? Die Klubs der Super- und der Challenge League müssen sich gedulden.

Weil das Seco bei Trainingsbeginn die Anmeldung für Kurzarbeit nicht mehr erlaubt, verzichten fast alle Klubs auf den Start.

Ab Montag wäre es den Klubs der Swiss Football League erlaubt, mit dem Mannschaftstraining zu beginnen. Weil am Donnerstag das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) aber verlauten liess, mit Aufnahme des Trainings könne Kurzarbeit höchstwahrscheinlich nicht mehr geltend gemacht werden, dürften die Trainingszentren am 11. Mai weitgehend verwaist bleiben.

Der FC Zürich zum Beispiel nimmt das Training erst am 28. Mai wieder auf. Einen Tag nach dem definitiven Entscheid des Bundesrats, ob die Saison mit Geisterspielen fortgeführt werden darf. Und einen Tag, bevor die Liga an einer ausserordentlichen GV darüber abstimmt, ob die Klubs überhaupt weiterspielen wollen. Dies wäre zwar schon ab dem 8. Juni erlaubt, doch weil so vieles noch in der Schwebe ist, wurde der Re-Start nun um zwei Wochen auf das Weekend vom 19./20./21. Juni verschoben.

Den Seco-Entscheid mochte Liga-CEO Claudius Schäfer nicht gross kommentieren. «Er wurde auf gesetzlicher Grundlage getroffen, auch wenn der Betrieb mit Geisterspielen nicht mit dem regulären vor der Coronakrise verglichen werden kann», sagte Schäfer.

St.Gallens Zeichen an die solidarischen Anhänger

So haben sich als Folge des negativen Kurzarbeitentscheids bis am Donnerstagabend lediglich der FC St.Gallen und GC dafür entschieden, am Montag das Training aufzunehmen. YB und Luzern könnten noch folgen. «Nach dieser langen Pause ist die Wiederaufnahme des Trainings für das Team als Gruppe wichtig. Was wir uns jetzt wieder erarbeiten, ist nicht für die Katz», sagt St.Gallens Präsident Matthias Hüppi. «Wir tun alles dafür, um bereit zu sein, sollte die Meisterschaft wieder losgehen.»

Zudem sei es auch ein Zeichen an die Anhänger, die sich in den vergangenen Tagen mit dem Club solidarisch zeigten. Mehr als 3000 Saisonabonnenten haben auf die Rückzahlung des Betrags für die ausstehenden sechs Heimspiele verzichtet und gar schon eine neue Saisonkarte gekauft – ohne zu wissen, wann sie wieder ins Stadion dürfen. «Das bewegt und beflügelt uns alle», sagt Hüppi.

Nicht überrascht hat den früheren TV-Mann die Mitteilung des Seco, dass ab dem Moment des Trainingsstarts keine Kurzarbeit mehr möglich ist. «Wir haben immer betont, dass wir in der Gesellschaft keine Sonderstellung in Anspruch nehmen können.»

Der FC Basel startet in einer Woche mit dem Training

Beim FC Basel wurde intern lange diskutiert, wann das Mannschaftstraining wieder aufgenommen werden kann. Zunächst war der Trainingsstart für die kommende Woche vorgesehen. Am Donnerstagabend vermeldete der Verein dann, dass der offizielle Trainingsstart nicht am kommenden Montag, sondern erst am 18. Mai stattfindet. Da der FCB als einer der wenigen Schweizer Klubs für seine Spieler keine Kurzarbeit angemeldet hat, hat der Entscheid des Seco wohl kaum einen Einfluss auf die Verschiebung um eine Woche. Laut Nacho Torreno, dem Leiter der FCB-Fitnessabteilung, reicht die Vorbereitungszeit von knapp fünf Wochen, um seine Spieler auf fussballerische Ernstkämpfe vorzubereiten.

Captain Valentin Stocker sagt: «Es war für uns Spieler eine sehr lange Zeit ohne Fussball und ohne den persönlichen Kontakt mit unseren Teamkollegen. Niemand wusste, wie lange die Pause andauert und darum ist die Freude umso grösser, dass wir nun bald wieder zurück auf den Platz dürfen.»

«Dieser Entscheid des Seco hat unmittelbar keine Auswirkungen beim FC Luzern. Wir werden in den nächsten Tagen entscheiden, ob wir am Montag mit dem Training beginnen oder nicht. Vorher sind noch Abklärungen zu treffen», sagt FCL-Medienchef Markus Krienbühl.

Philipp Bonorand, designierter Präsident des FC Aarau, bestätigt, dass finanzielle Überlegungen bei der Verschiebung des Trainingsstarts eine Rolle spielen. «Falls am 29. Mai die 20 Profiklubs den Saison-Abbruch beschliessen, wäre der durch den Trainingsstart entstehende Aufwand nutzlos.»

Bonorand, CEO Roland Baumgartner, Sportchef Sandro Burki und Chefcoach Patrick Rahmen werden in Rücksprache mit dem Verwaltungsrat Anfang Woche entscheiden, wann der FC Aarau das Mannschaftstraining aufnimmt. An der grundsätzlichen Absicht, weiterzuspielen, hat sich aber nichts geändert.

Wiler Enttäuschung über die Politik

FC-Wil-Präsident Maurice Weber ist enttäuscht vom Seco-Entscheid. Am Montag werde die Mannschaft damit mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht ins Training zurückkehren. «Es wird wohl kein Klub mit dem Training beginnen und damit auf Kurzarbeitgelder verzichten.» Theoretisch sähe er eine Weiterführung der Saison noch immer als Möglichkeit, sollten nach dem SFL-Entscheid von Ende Mai bis zur Saison-Wiederaufnahme einige Wochen Training möglich sein. Ganz grundsätzlich zeigt er sich sehr enttäuscht von der Politik, die den gesellschaftlichen Wert des Fussballs verkenne.

Werner Baumgartner, der Präsident des SC Kriens, ist enttäuscht, aber akzeptiert den Entscheid. «Meiner Meinung nach wäre eine teilweise Entschädigung auch vertretbar gewesen, zumal verschiedene Aktivitäten nicht erlaubt sind und die definitive Erlaubnis zu spielen gar nicht vorliegt. Das macht unsere Situation nun noch ein bisschen schwieriger. So müssen wir uns überlegen, ob wir am Montag mit dem Training starten können. Das entscheiden wir am Freitag.»

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Autor

Markus Brütsch

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