Kommentar
0:1 gegen Brasilien: Sind die Schweizer Angsthasen? Nein, ihr Trainer Murat Yakin ist ein Taktik-Fuchs

82 Minuten hält der Schweizer Riegel. Dann trifft Casemiro zum 1:0 für Brasilien. Die Nati braucht nun am Freitag gegen Serbien ein Remis, um in die Achtelfinals einzuziehen. Es ist durchaus Zuversicht angebracht. Ein Kommentar.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Murat Yakin hat vieles richtig gemacht gegen Brasilien.

Murat Yakin hat vieles richtig gemacht gegen Brasilien.

Freshfocus

Wenn man während der gesamten Spielzeit zu keinem gefährlichen Abschluss kommt, lautet der Vorwurf schnell mal: Angsthasenfussball. Aber wenn der Gegner Brasilien heisst, muss man etwas relativieren. Brasilien, fünfmaliger Weltmeister, 214 Millionen Einwohner, ein Land übersät von Quellen, aus denen unentwegt Ballkünstler der Extraklasse sprudeln. Brasilien, eine Fussball-Grossmacht, für die nur der WM-Titel gut genug ist. Allein die beiden Wunderstürmer von Real Madrid, Vinicius und Rodrygo, haben einen Marktwert so hoch wie fast das gesamte 26-Mann-Kader der Schweizer.

Im Vergleich mit den Brasilianern sind wir ziemlich klein. Und wenn Noah Okafor und Xherdan Shaqiri kurzfristig verletzt ausfallen, sogar noch etwas kleiner. Aber wir haben mit Murat Yakin einen Trainer, der aus klein schon häufig gross gemacht hat. Beispielsweise den FC Basel im Europacup mit Siegen gegen Chelsea und Tottenham.

Yakin macht gegen Brasilien auch die Nati gross. Mit einem taktischen Masterplan, der den Ballvirtuosen kaum Raum zur Entfaltung bietet. Einziger Kritikpunkt: In den seltenen Szenen, in denen die Schweiz offensiv etwas hätte ausrichten können, fehlen Mut, Präzision und Klasse. 82 Minuten hält der Schweizer Riegel, ehe er durch Casemiro geknackt wird.

Nico Elvedi wehrte sich bis zur 83. Minute und dem Geniestreich von Casemiro erfolgreich gegen die hochbegabten Ballkünstler aus Brasilien.

Nico Elvedi wehrte sich bis zur 83. Minute und dem Geniestreich von Casemiro erfolgreich gegen die hochbegabten Ballkünstler aus Brasilien.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Deshalb wird es noch einmal knifflig für die Schweiz. Am Freitag, wenn der Gegner Serbien heisst und das Spiel emotional aufgeladen wird. Wir erinnern uns an die WM 2018, als Granit Xhaka und Shaqiri ob den serbischen Provokationen der Kragen platze. Aber Xhaka und Shaqiri wirken derzeit derart abgeklärt, dass eine Wiederholung der Ereignisse schwer vorstellbar ist.

Schweiz - Serbien ist auch ein Spiel, das darüber entscheidet, ob Yakin in der öffentlichen Wahrnehmung als brillanter Nati-Trainer gilt. Gut waren die Serben bislang nicht. Weil Yakin schon schwierigere Aufgaben gelöst hat, ist Zuversicht angebracht.