Analyse

Kein Geld für Fussballer, die nur trainieren – weshalb der Entscheid des Bundesrats Klubs in den Ruin treibt

François Schmid-Bechtel
Allein schon mit der Aussicht, ab 8. Juni den Spielbetrieb wieder zuzulassen, hat der Bundesrat dem Fussball wirtschaftlich eher geschadet als geholfen.

Allein schon mit der Aussicht, ab 8. Juni den Spielbetrieb wieder zuzulassen, hat der Bundesrat dem Fussball wirtschaftlich eher geschadet als geholfen.

Keine Kurzarbeitsentschädigung für Schweizer Fussballprofis, die lediglich trainieren, aber nicht spielen dürfen. So will es das Staatssekretariat für Wirtschaft. Und treibt damit einige Klubs in den Ruin. Die Analyse.

Firma X beantragt Kurzarbeit, weil Krankenhäuser kaum mehr Operationen durchführen, der Produzent medizinaltechnischer Geräte dadurch keinen Absatz mehr hat und er deshalb keine Batterien mehr von der Firma X kauft. Firma X wird Kurzarbeit genehmigt. Denn im Bundesgesetz über die Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung steht: Mit Kurzarbeitsentschädigungen können Arbeitsausfälle entschädigt werden, die auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar sind.

Selbst Restaurants, die ab Montag wieder öffnen, aber das Platzangebot wegen der Sicherheitsmassnahmen reduzieren müssen, können Kurzarbeit beantragen. Aber beim Fussball sagt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco): Njet! Selbst wenn die Kicker nur trainieren, fliesst kein Geld mehr vom Bund zu den Profiklubs. Und wie ist es bei einem Zirkusartisten oder einem Musiker? Wird ihnen auch die Kurzarbeit verwehrt, wenn sie nur üben, aber nicht auftreten? Nein. Der Seco-Entscheid ist nicht nachvollziehbar. Und er ist von enormer Tragweite für den Fussball.

Gewiss fehlt dem Fussball die Lobby in der Politik. Wofür er zu grossen Teilen – mangelnde Transparenz, Fanproblematik, abgehobene Attitüde – selbst verantwortlich ist.

Aber so, wie ihm der Bund derzeit in die Beine grätscht, hat er es nicht verdient.

Das Damoklesschwert schwebt weiter

Allein schon mit der Aussicht, ab 8. Juni den Spielbetrieb wieder zuzulassen, hat der Bundesrat dem Fussball wirtschaftlich eher geschadet als geholfen. Erstens: Die TV-Gelder decken nicht die Ausgaben für die Geisterspiele. Zweitens: Mit einem bundesrätlichen Beschluss, die Fussballsaison abzubrechen, hätte die Liga gegenüber ihren Partnern (TV-Stationen, Sponsoren) in den Verhandlungen um Restzahlungen eine rechtliche Grundlage.

Und nun das Nein zur Kurzarbeitsentschädigung.

Da macht es einerseits keinen Sinn, am Montag das Training wieder aufzunehmen. Und da macht es auch keinen Sinn, über Geisterspiele ab 19. Juni nachzudenken. Das einzig Sinnvolle ist jetzt: Übung abbrechen und weiter Kurzarbeitsentschädigung zu beziehen. Denn das Damoklesschwert schwebt auch so schon über etlichen Klubs. Die meisten Schweizer Fussballunternehmen halten sich neben dem volatilen Transfergeschäft mit Einnahmen aus dem Spielbetrieb über Wasser. Diese Quelle versiegt noch für Monate.

Es geht nicht darum, dem Fussball Sonderrechte zuzugestehen. Aber der Seco-Entscheid wirkt diskriminierend. Er legt entweder den Spielbetrieb für Monate lahm. Oder er treibt einige Klubs in den Ruin. Oder beides.

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