Drama. Der SCB macht den Jalonen bis er verliert. Biel gewinnt in Bern 2:0 und kann mit einem Sieg am Samstag vor eigenem Publikum den grössten Erfolg seit dem Meistertitel von 1983 feiern. Den Einzug ins Finale gegen den EV Zug.

Siege haben viele Väter. In diesem Falle sind es zwei. Torhüter Jonas Hiller bei Biel und Kari Jalonen beim SC Bern. Mit dem besten Spiel seit seiner Rückkehr in die Schweiz im Sommer 2016 ermöglicht der ehemalige NHL-Titan den Bielern diesen überraschenden Sieg.

Das Merkmal grosser Torhüter ist es, wieder aufzustehen: Die Niederlage am letzten Dienstag (2:5) hatte Jonas Hiller mit dem kuriosen ersten Gegentreffer eingeleitet und mitverschuldet. Jetzt hat er sich im Stile eines ganz, ganz grossen Torhüters revanchiert. Berns Welttrainer Kari Jalonen ist der zweite Vater dieses Bieler Sieges.

Eishockey ist ein Spiel

Als Bandengeneral spielt er natürlich nicht mit. Aber er gehört zu jenen grossen Trainern, die auf dieses unberechenbare Spiel grossen Einfluss nehmen und dazu in der Lage sind, eine Taktik, eine Spielphilosophie einzuüben und durchzusetzen und die eine Mannschaft in eine «Hockey-Maschine» zu verwandeln vermögen, die unbeirrbar, wie der Zamboni, dem Sieg entgegenrollt.

An einem guten Abend ist der SCB so eine unerbittliche Sieges-Maschine. Unter Kari Jalonen haben die Berner 2017 den Titel und inzwischen dreimal hintereinander die Qualifikation gewonnen. Wer den SCB-Trainer kritisiert, muss immer auch diese Erfolge erwähnen. Aber Eishockey ist ein Spiel.

Zu einem Spiel gehören Risikobereitschaft, Unberechenbarkeit, Kreativität, Emotionen und immer auch ein bisschen taktischer Ungehorsam. Gestern war ein solcher Abend, an dem beim SCB zu viel Maschine und zu wenig auf Spiel und Spektakel war. Im Normalfall reicht es trotzdem zum Sieg.

Strafe der Hockey-Götter

Zu einem 2:1 gegen die Miserablen aus Rapperswil oder eben auch zu Erfolg gegen Biel. Aber je weiter die Playoffs fortschreiten, je öfters gibt es den Normalfall nicht mehr. So wie gestern. Jonas Hiller war kein normaler Torhüter.

Und damit das Hauptproblem für die Berner: Wer das Risiko scheut und ganz auf Spielkontrolle, Spielverwaltung, Spielverlangsamung setzt, erzielt selbst gegen einen durchschnittlichen Torhüter selten mehr als drei Treffer, gegen einen guten vielleicht zwei und gegen einen grossen keines.

Dieses 0:2 ist die Strafe der Hockey-Götter für die Verwandlung eines wunderbaren Spiels in reine taktische Arbeit. Auch den Zuschauern missfällt diese Art von Eishockey immer mehr – Europas grösste Arena war trotz vollem Gästesektor nicht ausverkauft.

Riesige Chance für Biel

Biel hat gestern nie den Fehler gemacht, das Spiel nur verwalten, den Vorsprung über die Zeit retten zu wollen. Die Bieler blieben immer auf den Zehenspitzen stehen, gerieten zwar manchmal unter Druck, blieben aber aufrecht wie ein Boxer in den Seilen und nützten jede Gelegenheit zum Konter.

Nun stehen sie vor der grössten Chance, aber auch der grössten Herausforderung, seit dem Wiederaufstieg von 2008. Auf eigenem Eis können sie mit einem einzigen Sieg über den Titanen SC Bern ins Finale einziehen. Diese riesige Chance kann lähmen oder beflügeln, zu einer Kanterniederlage oder einem rauschenden Hockeyfest führen.

Wenn der SCB an Biel scheitert, dann wird in Bern der Sport-Wortschaft bereichert. Jahrelang sagte man in Bern «Veryoungboysen», wenn es um selbst verschuldetes, sportliches Scheitern ging. Das gilt natürlich nicht mehr. YB ist meisterlich. Wenn der SCB nicht ins Finale kommt, dann wird es künftig «verjalonen» heissen.