WM- Qualifikation
In Andorra sind nur die Gastarbeiter im Portugal-Fieber

Portugal bestreitet in der WM-Ausscheidung das zweitletzte Spiel in Andorra. Dank den portugiesischen Gastarbeitern wird es ein Heimspiel für Cristiano Ronaldo und sein Team.

Markus Brütsch
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Hofft auf einen Sieg Portugals: César Gomes, Sportdirektor des FC Lusitanos, in der kleinen Bar «Nou».

Hofft auf einen Sieg Portugals: César Gomes, Sportdirektor des FC Lusitanos, in der kleinen Bar «Nou».

Zur Verfügung gestellt

Gebannt blicken die Gäste in der kleinen Bar auf den Bildschirm. Der portugiesische Sender Sport TV überträgt live vom Militärflughafen Figo Maduro. Das Ereignis: Die Nationalmannschaft fliegt zum WM-Qualifikationsspiel nach Andorra.
Wer in den Zwergstaat reisen will, muss gewöhnlich nach Barcelona fliegen und danach mit dem Bus in drei Stunden kurvenreich hinauf in die Pyrenäen fahren. So, wie es die Schweizer Nati vor einem Jahr auch getan hatte, bevor sie beim 2:1-Zittersieg mit dem Schrecken davonkam.

Zu kompliziert und zu anstrengend sei das vor dem grossen Showdown am Dienstag gegen die Schweiz, findet aber Fernando Santos. Der Trainer der Seleção hat darauf gedrängt, für den Trip eine extrakleine Armeemaschine zu nehmen, welche eine Landung im Mini-Flughafen La Seu d’Urgell (Katalonien) erlaubt. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung bis nach Andorra.

Dort scheint, ausser in der Bar «Nou», niemanden zu interessieren, dass der Europameister zu Besuch kommt. Die vielen Einkaufstouristen schon gar nicht. Diese hasten mit ihren Taschen und Tüten wie eh und je durch die Ladenstrasse. Auch den Medien ist ein Ligaspiel der lokalen Basketballmannschaft wichtiger. Vor allem aber berichten sie in diesen Tagen umfassend über die Krise im benachbarten Spanien. Die so nahe ist, weil Andorra zur Hälfte von Katalonien umschlossen wird und die Amtssprache Katalanisch ist.

Ambitionierter FC Lusitanos

«Wir verfolgen den Konflikt natürlich, aber er beunruhigt uns nicht. Andorra ist Andorra und ein sicheres Land», sagt César Gomes da Cunha. Der 28-Jährige sitzt in der Bar «Nou», welche auch das Klublokal des Futebol Club Lusitanos ist und an der Avinguda Dr. Mitjavila no 10 in Andorra la Vella liegt. Ein paar Schritte weiter befindet sich das kleine Klubsekretariat, das mit Pokalen und Trophäen vollgestopft ist.

Später deutet Gomes dort voller Stolz auf den Wimpel, den die Delegation des FC Lusitanos vor zwei Jahren vom Europa-League-Spiel bei West Ham United mitgebracht hat. «0:1 zu Hause, 0:3 auswärts im ausverkauften Upton-Park. Wir haben uns gut verkauft», sagt Gomes.

Er selber hat auch viele Jahre mitgespielt, ist sogar für die Nationalmannschaft Andorras aufgelaufen, bis ihn eine schwere Knieverletzung zum Aufhören zwang. «Jetzt bin ich Sportdirektor und versuche mit Ehrgeiz, unseren Klub wieder auf die internationale Bühne zu führen.» 2012 und 2013 ist dieser jeweils Landesmeister geworden.

Die Bar «Nou»

Wenn in Andorra noch kaum über die samstägliche Partie gesprochen wird, so ist es wenigstens im «Nou» das alles beherrschende Thema. Der Präsident des FC Lusitanos muss für eine portugiesische Fernsehstation ein Interview geben, und die extra angefertigten Schals für 15 Euro das Stück verkaufen sich glänzend.

Dass die Bar den ganzen Tag über gut frequentiert ist, rührt daher, dass in Andorra mehr als 11 000 Portugiesen leben, gekommen als Gastarbeiter. Dies entspricht 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Kein Wunder, sind für das erste Gastspiel Portugals seit 16 Jahren die 3300 Plätz im Estadi Nacional blitzartig vergriffen gewesen. «Portugal wird ein Heimspiel haben», sagt Gomes. Er glaubt, dass auch Ronaldo, der am Mittwoch wegen einer kleinen Blessur nicht mit der Mannschaft trainiert hatte, trotz einer drohenden Gelbsperre am Samstag dabei sein wird: «Portugal braucht ihn.»

Die grosse Frage: Spielt CR7 oder nicht?

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Keystone

Gomes, in der Nähe von Porto geboren und als Vierjähriger nach Andorra gekommen, sagt, er sei hin und her gerissen, wem er die Daumen drücken soll. «Ich habe Andorra viel zu verdanken, bin aber nun einmal Portugiese. Deshalb wünsche ich mir schon eher, dass Portugal gewinnt.» Und dann natürlich auch gegen die Schweiz. «Aber sie ist gut. Der junge Embolo ist sogar bärenstark. Das sage ich nicht einfach, um Ihnen eine Freude zu machen», sagt Gomes und zählt wie zum Beweis problemlos die halbe Schweizer Mannschaft auf.

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