Kolumne
«Ich plädiere auf vorzeitigen Jahresabbruch!»

«Es kann nur besser werden», schreibt Steffi Buchli in ihrer letzten Sportkolumne.

Steffi Buchli
Steffi Buchli
Merken
Drucken
Teilen
Kolumnistin Steffi Buchli.

Kolumnistin Steffi Buchli.

CH Media

Normalerweise wären wir Journalist*innen im Moment daran, unsere euphorisch-nostalgischen Sportjahresrückblicke zusammenzustellen. Wir würden mit Ihnen die Helden noch einmal hochleben lassen, zu dieser epischen Musik, die bei jedem Sportfan Hühnerhaut erzeugen würde.

Im Dezember schaut man traditionell zurück. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber «iiiiiii, i mag aifach nümma», um den Bündner Komiker Rolf Schmid zu zitieren. Ich plädiere deshalb auf vorzeitigen und sofortigen Abbruch des Jahres 2020. Fangen wir neu an. Es kann nur besser werden!

Ich habe die letzten Monate wegen meines anstehenden Jobwechsels aus der Medien-Konsumentinnen-Perspektive mitverfolgen können. Ich genoss nach meinem Abgang bei MySports einen längeren Urlaub. Ehrlich gesagt: Zum Glück. Ich machte allerhand lustiges und herzerwärmendes und war froh, nicht regelmässig über Geisterspiele, Schutzkonzepte und die heranrollende Konkurswelle im Sport schreiben und berichten zu müssen.

Allerdings habe ich bei weitem nicht nur solch betrübliche Inhalte gelesen in den Schweizer Zeitungen. Die sonst sehr aktualitätsgesteuerten Sport-Journalist*innen haben Kreativität bewiesen und haben Storys «ausgegraben», die uns fast so gut unterhalten haben wie Wettkämpfe. Respekt dafür! Aber eben, jede Sidestory ist eben nur FAST so gut wie der eigentliche Sport. Oder andersrum: Wenn der Sport der Braten ist, dann ist die Sidestory der Kartoffelgratin. Gut gebrüllt für eine Vegetarierin, oder?

Klar. Einige hübsche Bratenstücklein wurden uns schon serviert – selbst in diesem eigenartigen virusgeprägten Jahr. Unvergessen: Wir haben mit Marc Hirschi einen Stern am Rad-Himmel aufgehen gesehen. Wir waren wieder die Nummer eins im Skizirkus – oder anders formuliert: Wir haben in der Nationenwertung endlich mal wieder die «cheiben» Österreicher geschlagen. Und, mit Urs Fischer hat sich ein weiterer Schweizer Trainer-Export in der Deutschen Bundesliga etabliert. Etc. etc. Aber 2020 sind uns wegen des Virus gleichzeitig auch soooo viele emotionale Highlights durch die Lappen!

Hoffen wir nun also, dass uns 2021 in dieser Hinsicht wieder mehr verwöhnen wird. Es muss kein Rekordjahr der Superlative werden, nein nein. Wäre es einfach nur «normal», würde uns dies, seien wir ehrlich, schon genügen.

Dies ist meine letzte Kolumne an dieser Stelle. Es war ein kurzes aber tolles Gastspiel im Kolumnistinnen-Team von CH-Media. Vielen Dank den Chefs fürs Vertrauen, vielen Dank Ihnen, den Leserinnen und Lesern, für Ihre Aufmerksamkeit – ab Januar melde ich mich aus dem anderen Verlagshaus bei Ihnen. Bis dann.

PS: Gestern habe ich übrigens einen Haken auf meiner Bucket-List machen können. Ich habe zum ersten Mal im Leben ein Lied veröffentlicht. Produziert von Profis, von mir geschrieben und vertont. Es ist ein Lied für eine Charity-Aktion zur Förderung der psychischen Gesundheit. Ein wichtiges Thema, nicht nur aber besonders in Zeiten von Covid-19.

Suchen Sie mich auf der Streaming-Plattform Ihres Vertrauens und ich krieche Ihnen ins Ohr. Wetten? Und bitte tanzen Sie mit. Tanzen macht nämlich glücklich und Glücksgefühle können wir brauchen, nicht nur aber besonders in Zeiten von Covid. Mal schauen, ob diese Schleichwerbung rausgestrichen wird. Schade wär’s. Ist ja für einen guten Zweck und schliesslich ist schon bald Weihnachten.