DFB-Pokal

Hertha-Spieler sieht nach rassistischer Beleidigung Rot: «Er hat auf dem Platz geweint»

Jordan Torunarigha (ganz links, Nr. 25) fliegt nach einem Ausraster vom Feld. Zuvor ist er aber mutmasslich rassistisch beleidigt worden.

Jordan Torunarigha (ganz links, Nr. 25) fliegt nach einem Ausraster vom Feld. Zuvor ist er aber mutmasslich rassistisch beleidigt worden.

Im Achtelfinale des DFB-Pokals zwischen Schalke 04 und Hertha BSC hat sich offenbar ein rassistischer Vorfall ereignet. Der Berliner Jordan Torunarigha soll von einzelnen Schalke-Fans rassistisch beleidigt worden sein.

Trotz 2:0-Führung ist Hertha BSC im Achtelfinal des DFB-Pokals bei Schalke 04 gescheitert. 2:3 nach Verlängerung verloren die Berliner, in der 115. Minute lief man in den fatalen Konter. Zu diesem Zeitpunkt spielte die Hertha nur noch zu zehnt. Jordan Torunarigha flog in der 100. Minute mit Gelb-Rot vom Platz, weil er nach einem Foul von Mascarell neben Schalke-Coach David Wagner eine Getränkekiste wutentbrannt auf den Boden schmiss.

Hertha-Captain erklärt die Situation

Erst nach dem Spiel wurde der wahre Grund für den Ausraster des 22-jährigen Deutschen mit nigerianischen Wurzeln bekannt. Torunarigha wurde von vereinzelten Schalke-Fans mit Affenlauten rassistisch beleidigt. Mit Tränen in den Augen verliess der Herthaner das Spielfeld.

«Es gab rassistische Beleidigungen von der Tribüne», klärte Hertha-Captain Niklas Stark nach dem Schlusspfiff auf. «Jordan ist ein emotionaler Spieler, der war heulend auf dem Platz. Wenn so etwas passiert, wäre ich wahrscheinlich auch ausgerastet. So etwas geht nicht. Das ist menschlich abstossend.»

Ein geschlossenes Verlassen des Spielfelds hat man sich bei Hertha offenbar nicht überlegt. Stark stellt jedoch klar: «Wenn das Signal gekommen wäre, wäre ich mitmarschiert. Ich weiss nicht, was man dagegen machen soll. Man will ja trotzdem Fussball spielen. Der erste Schritt ist einfach, dass wir als Mannschaft hinter Jordan stehen und die Stimme erheben. So was geht nicht.»

Klinsmann schützt seinen Spieler

Schalkes Siegtorschütze Benito Raman sah die Tränen in Torunarighas Augen ebenfalls: «Er hat auf dem Platz geweint und wollte aufhören. Ich habe die Rufe nicht gehört, habe ihm aber Mut zugesprochen und gesagt, dass er weitermachen soll.»

Auch Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann merkte, dass mit Torunarigha etwas nicht stimmt. «Der Junge wurde beleidigt, hat emotional reagiert», so Klinsmann. Weiter sagte der 55-Jährige:

Schiedsrichter Harm Osmers liess aber nicht Gnade vor Recht walten und machte so aus einem Opfer einen Täter. Auch David Wagner flog mit Rot vom Platz, dabei wollte er Torunarigha nach dessen Harass-Wurf wohl bloss beruhigen. Der Schalke-Trainer zeigte nach dem Spiel Verständnis für Torunarigha: «Wenn der Junge rassistisch beleidigt wurde, möchte ich mich bei ihm und Hertha entschuldigen.»

Zur Roten Karte sagte er: «Ich habe mir die Bilder angeschaut, meine Hand war an seinem Hals, ja. Ich versuche aber mehr, dass alle die Balance halten. Der Spieler wirft dann die Wasserkiste hin.»

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