Handball
Torhüter auf dem Vormarsch: Darum sind die regionalen Goalies so gut

Die HSG Nordwest hat ihre Goalie-Ausbildung professionalisiert und feiert bereits Erfolge. Das weckt auch Interesse aus dem Ausland.

Tobias Gfeller
Merken
Drucken
Teilen
U17-Goalie David Setalo aus Birsfelden ist froh, dass er in jedem Training speziell beobachtet wird.

U17-Goalie David Setalo aus Birsfelden ist froh, dass er in jedem Training speziell beobachtet wird.

Bild: Kenneth Nars

«Tempo, Tempo, Tempo!», ruft Ramon Morf quer durch die Halle. Der Cheftrainer des regionalen Handball Leistungszentrums will, dass die Torhüter bei der Übung für Tempogegenstösse den Ball schnell abwerfen. Nicht nur Morf ist mit vollem Elan bei der Sache, auch die Spieler der U17 der HSG Nordwest, dem Zusammenzug der talentiertesten Handballer der Nordwestschweiz, die an diesem Mittwochabend in der Muttenzer Kriegackerhalle trainieren, geben Vollgas. Die fünf Torhüter haben alle Hände und Füsse voll zu tun. Von den Schüssen können sie aber nur wenige halten. «Das ist das Los des Handballtorhüters, der vor allem mit Negativerlebnissen umgehen muss», erklärt Torhütertrainer Matthias Küng.

«Ein guter Torhüter kann im Handball fast im Alleingang Partien gewinnen», betont Ramon Morf und fügt an:

«Der Torhüter ist im Handball die wichtigste Position. Torhüter sind Einzelsportler in einer Mannschaftssportart.»

Dieser Bedeutung hat die HSG Nordwest, die neben der U17 auch eine U15 und U19 Mannschaft und in Pratteln die U13 Elite betreibt, in den vergangenen Jahren verstärkt Rechnung getragen und die Torhüterausbildung intensiviert. Die von Matthias Küng und HSG-Sportchef Michael Santeler vor einem Jahr ins Leben gerufene Goalieschule war da nur der logische Schritt in Richtung weiterer Professionalisierung.

Das Programm wurde zwar durch Corona zu Beginn ausgebremst, doch langsam aber sicher hat es Fahrt aufgenommen. Alle drei U-Mannschaften der HSG Nordwest haben einen festen Torhütertrainer. Neben diesen erfahrenen Handballgrössen geben auch die jungen Spieler selber ihr Wissen weiter, in dem zum Beispiel U19-Torhüter die Torhüter der U13 von Pratteln NS, der U15 der HSG und Junioren von anderen Vereinen in der Region an speziellen Goaliemörgen betreuen. Das helfe nicht nur fachlich, meint Matthias Küng, sondern sorge bei den Jüngeren auch für zusätzliche Motivation, wenn sie sehen, wie weit sie es schaffen können.

Die HSG-Goalies erobern die Tore der NLA

Der Fokus auf die Torhüterausbildung hat sich für die HSG Nordwest bereits ausgezahlt. Der prominenteste Name ist natürlich der Sissacher Leonard Grazioli, der sich zuletzt als Ersatztorhüter in der A-Nationalmannschaft mit starken Leistungen einen Namen gemacht hat. Mit Dennis Wipf bei Pfadi Winterthur und Yasin Kühner beim RTV Basel haben es zwei weitere HSG-Torhütersprösslinge bereits in die Nationalliga A geschafft.

Dahin wollen auch der Birsfelder David Setalo und Andrin Leo Virisario aus Pratteln, beide Torhüter der HSG U17-Auswahl. «Es hilft uns sehr, dass jedes Mal mindesten eine Person gezielt zu uns schaut», schwärmt Setalo. Es helfe vor allem, schon in jungen Jahren die Grundlagen des Torhüterspiels zu erlernen, ergänzt Virisario. Das intensivere, auf sie konzentrierte Training habe sich leistungsmässig bereits ausbezahlt, sind beide überzeugt.

Das Torhüterspiel wird vielseitiger

Dass man als junger Torhüter oder auch als Torhüterin von einer solchen Ausbildung nur profitieren kann, hat sich über die Nordwestschweiz hinaus herumgesprochen. Die HSG-Verantwortlichen erhalten bereits Anfragen von jungen Torhütern aus dem grenznahen Ausland, ob sie nicht Teil dieser Ausbildung sein dürften.

Mit dieser Torhüterausbildung auf Juniorenstufe setzt die HSG Nordwest schweizweit und wohl auch international Standards. Denn die gezielte Torhüterausbildung steht im Handball vielerorts noch in den Kinderschuhen.

«Das Torhüterspiel entwickelt sich rasant»

, erinnert Trainer Matthias Küng. Das Spiel werde grundsätzlich immer schneller und mit der schnellen Mitte – dem direkten Anspiel ab dem Mittelpunkt nach einem Gegentor – wurde das Torhüterspiel noch einmal um ein Element erweitert. Sich nach einem Gegentor ärgern und Gedanken machen, ob man den Schuss womöglich hätte halten können, liegt nicht mehr drin. Denn im Handball zählt für Torhüter mehr denn je: «Tempo, Tempo, Tempo». Das können sie allesamt morgen beweisen, wenn in Birsfelden hintereinander die U15, U17 und die U19 der HSG Nordwest spielen.