Goldmedaille im Riesenslalom
Olympiasieger Marco Odermatt kommt in Zürich an und sagt: «Ich habe noch viel zu tun in dieser Saison»

Ein Empfang vor Publikum gibt es wegen der Pandemie nicht am Flughafen Zürich. Doch die Emotionen sind bei der Ankunft von Riesenslalom-Olympiasieger Marco Odermatt gross. Der Nidwaldner sagt: «Der Stellenwert dieser Medaille ist riesig.»

Claudio Zanini, Zürich
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Marco Odermatt ist der Bodenständige aus Nidwalden, aufgewachsen in Buochs, direkt am Vierwaldstättersee liegend. Dort werde er immer «der Marco» bleiben, sagte er kürzlich. Und wenn er nach den Olympischen Spielen zurückkehre in die Heimat, würde er gerne etwas Urchiges essen, zum Beispiel Bratwurst mit Rösti.

Mag sein, dass er wegen seiner Herkunft für immer die Bodenhaftung bewahren wird. Ganz egal, ob er nun Olympiasieger ist oder Gesamtweltcupsieger wird. Doch die Reise nach Peking hat diesem Ausnahmekönner Glanz verliehen. Das zeigt dieser Dienstagmorgen am Flughafen Zürich.

Videointerview mit Marco Odermatt nach seiner Ankunft in der Schweiz.

Video: Melissa Schumacher

Sein Renommee ist gestiegen. Aus dem ganzen Land kommen Medienschaffende am Morgen an den Flughafen, zu Uhrzeiten, zu denen Redaktionen gewöhnlich erst richtig erwachen, machen sie sich auf den Weg. In einem Hinterzimmer neben den Gepäckbändern warten sie fast eine Stunde lang. Auf einen öffentlichen Empfang wird wegen der Pandemie verzichtet. Odermatts Eltern sind da, die Schwester ebenso, der Manager sowieso. Vater Walter sagt etwas ungläubig:

«Es ist schon speziell für mich .... dass alle diese Journalisten nur wegen Marco hier sind.»
Interview mit SRF-Mann Paddy Kälin.
8 Bilder
Odermatt muss immer wieder die Medaille in die Kameras halten.
Der Nidwaldner hatte eine 24-stündige Reise hinter sich.
«Einen riesigen Stellenwert» habe das Edelmetall.
Entpannt wie eh und je: «Hallo zämme», sagt Odermatt.
Die Müdigkeit ist Odermatt nach der langen Reise etwas anzusehen.
Er habe während der Reise Zeit gehabt, um die Emotionen etwas sacken zu lassen.
In einer Lounge des Flughafens stehen diverse Shootings an.

Interview mit SRF-Mann Paddy Kälin.

Martin Meienberger/Freshfcous

Der Medienbeauftragte von Swiss Olympic gibt die Rahmenbedingungen durch. «Ich habe gehört, Marco Odermatt ist gut drauf», sagt er mit gedämpfter Stimme, als wolle er den schlafenden Hund nicht wecken. Und dann steht Odermatt plötzlich im Raum. «Hallo zämme», sagt er. Geschmückt zwar mit Olympiagold, doch unkompliziert im Umgang.

«Der Stellenwert dieser Medaille ist riesig»

Seine Augen sehen nach der langen Reise müde aus. 24 Stunden war er unterwegs. Von Peking ging es via Istanbul nach Zürich, in der Business Class. Odermatt steckt im Olympiatrainingsanzug, die Kappe verkehrt rum aufgesetzt, die Goldmedaille um den Hals. Der Flug war angenehm, das Flugzeug praktisch leer. «Ich hatte Zeit, um das Ganze ein wenig zu verarbeiten», sagt Odermatt etwa. Oder auch: «Der Stellenwert dieser Medaille ist riesig.»

Marco Odermatt mit der Goldmedaille in einer Lounge am Flughafen Zürich.

Marco Odermatt mit der Goldmedaille in einer Lounge am Flughafen Zürich.

Ennio Leanza/Keystone

Doch so richtig scheint dieses Edelmetall den 24-Jährigen tatsächlich nicht aus dem Konzept zu bringen. Er sagt:

«Ich habe noch genug tun in den nächsten Jahren. Mein grosses Ziel ist und bleibt der Gesamtweltcup. Und dafür will ich alles tun.»

Energie sei noch vorhanden. «Ich habe das Glück, dass mir in dieser Saison gar nichts wehtut. Eine Woche reicht mir derzeit, um wieder voll erholt zu sein.»

Odermatt wird erst am übernächsten Wochenende wieder einen Renneinsatz haben. Dann stehen die Speedrennen im norwegischen Kvitfjell auf dem Programm. In dieser Woche gehe er es gemütlich an. «Ich werde sicher Zeit finden, um im kleineren Rahmen mit Kollegen anzustossen. Ein grosses Fest liegt aber noch nicht drin.» In der nächsten Woche schiebt er dann einen Block Konditionstraining ein.

In den Minuten nach der Ankunft ist das aber alles weit weg. In den nächsten Tagen wird der Spitzensport etwas in den Hintergrund rücken. «Ich bin froh, wenn der Rummel wieder etwas abnimmt», sagt er noch. Wahrscheinlich werde er eine Skitour machen. Im Gebiet der Klewenalp, dort wo er einst Skifahren gelernt hat. Er wird den einen oder anderen bekannten Gesichtern begegnen. Und einfach wieder «der Marco» sein.