Schwingen

Gemeinsam ist es am schönsten: Andreas und Lukas Döbeli feiern ihre Erfolge am liebsten zusammen

Andreas Döbeli hat seinen Gegner stets gut im Griff.

Haben starke Männer immer Hunger? Wir haben die Hoffnungsträger der Nordwestschweiz für das Eidgenössische Schwingfest in Zug (24. und 25. August) in ein Restaurant ihrer Wahl zum Essen eingeladen und dabei auch die Frage gestellt, wie wichtig die Ernährung im Spitzensport Schwingen ist.

Ein bisschen eifersüchtig ist Andreas Döbeli schon auf seinen gut zwei Jahre jüngeren Bruder Lukas. Zumindest in einem Bereich. «Ich musste für jedes Kilogramm Muskelmasse trainieren wie blöd», erzählt Andreas. «Luki hingegen hat eine gewaltige Natur-Kraft in sich.»

Lukas lacht und beisst herzhaft in ein Stück Schweinehalssteak. 500 Gramm Fleisch liegen auf seinem Teller. Sein kräftiger Körper braucht viel Energie. Doch sein Bruder hat nicht weniger Appetit. Längst hat Andreas kraftmässig aufgeschlossen.

Die Brüder Döbeli sind zusammen mit Joel Strebel, dem diesjährigen Sieger des Solothurner Kantonalschwingfests, verantwortlich dafür, dass der Schwingklub Freiamt nach Jahren aus dem Dornröschenschlaf erwachte und zu einem der stärksten in der Nordwestschweiz wurde. Den drei Freiämtern wird zugetraut, Ende August in Zug zu Eidgenossen zu werden, indem sie am Eidgenössischen den Kranz gewinnen.

Fünfmal gemeinsam den Kranz gewonnen

Brüder, die gemeinsam auf dem Schwingplatz stehen, gibt es immer wieder. In der Nordwestschweiz denkt man sofort an Guido und Mario Thürig. An David Schmid, den Gewinner des Nordwestschweizerischen Fests 2018, und seinen Bruder Samuel. In der Innerschweiz haben die drei Brüder Laimbacher in jüngerer Vergangenheit überzeugt. Aktuell tun es Armon und Curdin Orlik, wenn auch für zwei verschiedene Teilverbände – Armon in der Nordostschweiz, der Bruder für Bern.

Auch Lukas Döbeli befördert wie sein Bruder seine Gegner gut und gerne ins Sägemehl.

Auch Lukas Döbeli befördert wie sein Bruder seine Gegner gut und gerne ins Sägemehl.

Beispiele gäbe es weitere, eines aber bleibt gleich: Einer ist erfolgreicher. Ein Problem? Andreas und Lukas winken ab. «Am schönsten ist es, wenn wir am gleichen Fest den Kranz gewinnen», sagt Lukas. Fünfmal hat das bisher geklappt. Insgesamt hat Andreas 14 und damit 5 Kränze mehr als Lukas gewonnen.

Die gemeinsame Leidenschaft für das Schwingen verbindet die Brüder. Beruflich gehen sie eigene Wege. Der 21-jährige Andreas hat eine KV-Lehre abgeschlossen und sich zum Geflügelfachmann weitergebildet. Heute arbeite er in einer Kükenbrüterei und ist für das Qualitätsmanagement verantwortlich. Zudem hilft er zu Hause auf dem Hof. Sein 19-jähriger Bruder ist im letzten Lehrjahr als Zimmermann.

Daneben trainieren beide drei- bis viermal pro Woche im Schwingkeller und privat mit einem Krafttrainer. Es ist ein happiges Programm, wie es im professionell betriebenen Amateursport Schwingen viele kennen. «Dass die meisten Schwinger über 80 Prozent arbeiten, ist mit ein Grund, warum es so viele Unfälle gibt», sagt Andreas. «Die Erholung kommt zu kurz. Irgendwann macht der Körper nicht mehr mit.»

Keine Spaghetti mehr zum Frühstück

Nur gibt es kaum Alternativen. Wer im Schwingen erfolgreich sein will, muss viel tun. Umso wichtiger ist der Energiehaushalt. «Ein Ernährungsberater gibt mir Tipps», sagt Andreas. So verzichtet er mittlerweile auf Spaghetti zum Frühstück, die er, weil das Sportler gemäss der gängigen Meinung so tun, am Schwingfest-Tag zu essen begann.

Die Gebrüder Döbeli und ihr Essen im Steakhaus Bahnhof.

Die Gebrüder Döbeli und ihr Essen im Steakhaus Bahnhof.

«Es ist wichtig, dass der Körper Dinge erhält, die er gewohnt ist. Kohlenhydrate kann man auch anders zu sich nehmen.» Darum gibt es jetzt Weissbrot zum Frühstück, dazu Bündnerfleisch, Müesli und Früchte.

Und sein Bruder? «Wenig Gemüse, viel Fleisch.» Er sagt es und lacht. Am Eidgenössischen Schwingfest (24. und 25. August) wollen sie dann gemeinsam lachen. Am liebsten aus Freude über den Gewinn des Kranzes.

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