Das Wort zur Champions League
Geburt des Titelfavoriten: Juve wird heute Barcelona aus der Königsklasse werfen

Sebastian Wendel
Sebastian Wendel
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Juventus Turin gewann das Hinspiel mit 3:0.

Juventus Turin gewann das Hinspiel mit 3:0.

Keystone

Wissen Sie noch, was am 8. März passiert ist? Vor 42 Tagen? Ja – schon 42 Tage ist es her, seit der FC Barcelona das Unmögliche möglich machte und gegen Paris St-Germain die 0:4-Hypothek aus dem Hinspiel wettmachte. 6:1. Ein sporthistorisches Ereignis, gerade auch wegen der Art und Weise des Zustandekommens: ein Mix aus Schiedsrichter-Versagen, Pariser Naivität und katalanischer Fussballkunst.

Der denkwürdige Abend im Camp Nou bewies in aller Deutlichkeit: Im Fussball ist alles möglich. Also auch, dass Barcelona heute Abend, 42 Tage nach dem Wunder gegen Paris, erneut von den Toten aufersteht. 0:3 verloren die Spanier das Hinspiel in Turin, müssen sogar ein Tor weniger aufholen als gegen Paris. Und trotzdem: Heute wird Barça ausscheiden.

Trainer Luis Enrique will das zwar nicht wahrhaben, sagt: «Wir können in drei Minuten drei Tore schiessen. Niemand sollte das Stadion vor dem Schlusspfiff verlassen.» Nochmals eine Aufholjagd in der Dimension von vor 42 Tagen? Möglich ja, vorstellbar nein.

Schiedsrichter Björn Kuipers weiss um die besondere Beobachtung, unter der er steht. Der Holländer ist gewarnt und wird nicht auf die plumpen Täuschungsversuche der Barça-Profis reinfallen wie Deniz Aytekin am 8. März. Mit Juventus Turin stellt sich Barça das defensivstärkste Team entgegen – mickrige zwei Gegentore kassierte Goalie Gianluigi Buffon in bisher neun Champions-League-Spielen.

Gianluigi Buffon ist eine wichtige Stütze seines Teams.

Gianluigi Buffon ist eine wichtige Stütze seines Teams.

KEYSTONE/EPA ANSA/PAOLO MAGNI

Und gegen die mit allen Wassern gewaschenen Recken der Turiner wird Barcelona nicht aus der Sinnkrise finden, in der es seit Monaten steckt. Der Umbruch wurde verpasst, seit Ewigkeiten besteht das Gerüst aus Piqué, Busquets, Iniesta und Messi. Brillante Fussballer, übersättigt vom Erfolg.

Ganz anders Juventus Turin. Die Mischung aus Routine und jugendlicher Souplesse (Dybala!) stimmt. Die Lust von Teamsenior Buffon, seine Karriere mit dem Champions-League-Pokal zu krönen, steckt alle an.

Dazu spielt den Italienern das Tableau in die Karten: In dieser Saison schwebt anders als in früheren Jahren keiner der Top-Five-Klubs über allen anderen, einige sind gar nicht dabei, andere bereits ausgeschieden, zuletzt gestern Abend in Madrid. Juventus Turin wird heute das Aufbäumen von Barça im Keim ersticken und das Camp Nou als Titelfavorit verlassen.