Super League

GC unten, der FCZ zittert: Steigen beide Zürcher Mannschaften ab?

Der FCZ, im Bild Marco Schönbächler, muss zittern: «Müssen gewinnen.»

Es ist möglich, dass in der nächsten Saison beide Zürcher Klubs in der Challenge League spielen. GC kann den Abstieg nicht mehr abwenden und der FC Zürich befindet sich nach einer durchzogenen Rückrunde auf dem Barrage-Platz.

Nur gut, findet die Stadion-Abstimmung nicht jetzt statt. Man kann sich gut ausmalen, dass sich der eine oder andere Zürcher Stimmbürger anders als noch im November entscheiden und das Projekt verweigern würde. Zu schlecht sind die Auftritte und die Resultate der beiden Stadtklubs GC und FCZ seither, um bei den enttäuschten Fussballfans noch Goodwill zu haben.

Die Hoppers sind nach einer katastrophalen Spielzeit so gut wie abgestiegen. Erstmals seit 1949 und sang- und klanglos. Goalie Heinz Lindner ist eigentlich ein besonnener Kerl und der einzige der Mannschaft, der mit seinen Leistungen zufrieden sein darf. Nach dem 0:1 gegen St. Gallen am letzten Samstag aber hat auch er schwer gepatzt, als er sagte: «Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch Pech hinzu. Das trifft es wohl am besten.»

Nein, der Abstieg von GC hat zuletzt etwas mit Pech zu tun. Auf allen Ebenen wurden viel zu viele Fehler gemacht, vor allem aber von Sportchef Mathias Walther bei der Mannschaftszusammenstellung. Ausbaden darf die Misere nun Trainer Uli Forte, der, ähnlich wie vor drei Jahren beim FC Zürich, zu spät als Retter engagiert wurde, um noch die Trendwende schaffen zu können. Immerhin weiss der Zürcher, wie es funktioniert, einen Absteiger postwendend in die Super League zurückzuführen. Das hat er bereits mit dem FC St. Gallen und dann auch beim FCZ bewiesen. «Natürlich sind diese Erfahrungen ein Vorteil», sagt Forte.

Keine Ferien …

Noch ist aber völlig offen, mit welcher Mannschaft er das Unterfangen Wiederaufstieg angehen wird. Zwei Drittel des Kaders sind gemäss Forte vertraglich weiter an den Klub gebunden. Die verbleibenden vier Spiele sollen dazu genutzt werden, um herauszufinden, mit welchen Spielern Forte in die neue Saison starten möchte. «Ich habe der Mannschaft gesagt, dass jeder Einzelne gut daran tut, sich vorteilhaft zu präsentieren», sagt Forte.

Spasseshalber hat er ihr gedroht, die Ferien zu streichen und durchzutrainieren, wenn sie am Sonntag in Luzern nicht endlich den ersten Sieg im Kalenderjahr 2019 erringt. Forte hat die Spieler auch daran erinnert, dass sie den Lohn immer pünktlich erhalten haben und deshalb in der Pflicht sind, ihren Job bis zum Schluss der Saison seriös zu machen.

Natürlich interessiert Forte schon auch, was beim FC Zürich passiert. Schliesslich war er bis vor 15 Monaten dessen Trainer. Er tippt darauf, dass die Zürcher in Neuenburg gegen Xamax einen Punkt holen und den Fall auf den Barrageplatz vermeiden.

Nicht bloss mit einem Unentschieden will Marco Schönbächler die Maladière verlassen. «Wir müssen dieses wegweisende Spiel gewinnen», sagt der Offensivspieler. Nach dem 0:3 in Basel hatte der 29-Jährige im Fernsehinterview seiner Enttäuschung noch freien Lauf gelassen und bezweifelt, ob jeder FCZler begriffen habe, in welch heikler Situation sie seien.

Schönbächler ist eben ein gebranntes Kind. Er war schon beim Abstieg 2016 dabei. Er sagt: «Die guten Europa-League-Spiele haben dem einen oder anderen vielleicht etwas den Kopf verdreht. Für mich war aber früh klar, dass wir nach hinten schauen müssen.» Schönbächler steht auch ein paar Tage später noch immer zu seiner Kritik vom Samstagabend, formuliert sie indes etwas moderater. «Es war nicht allen klar, dass wir gegen den Abstieg spielen», sagt das FCZ-Urgestein.

War das nicht auch schon 2016 genauso? «Damals war ich die ganze Saison verletzt und sass auf der Tribüne», erinnert sich Schönbächler. «Aber es stimmt schon: niemand glaubte, dass es den FCZ erwischen könnte.» Genau deswegen seien nun er und andere wie Alain Nef gefragt, Gegensteuer zu geben und den Mitspielern klarzumachen, dass es von jedem 100 Prozent braucht.

(K)eine Frage des Geldes

An ein Szenario mit GC und dem FCZ in der Challenge League mag Schönbächler gar nicht denken. «Für mich wäre ein Abstieg noch viel schlimmer als vor drei Jahren.» Weshalb der Zürcher Fussball aber derart in der Krise steckt, vermag er nicht zu sagen. Nur so viel: «Die finanzielle Schere geht auch national auseinander.»

Dies aber ist nur der eine Teil der Wahrheit. Dass die Zürcher Klubs mit je 20 Millionen Franken über ein Budget verfügen, von dem andere Super-League-Klubs nur träumen können, der andere. Die Tragödie ist, dass sie unter diesen Voraussetzungen nicht viel besser dastehen.

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