Die Grasshoppers fühlen sich in der Stadt Zürich nicht mehr willkommen und suchen deshalb auf die kommende Saison hin eine neue Heimat (az berichtete).

Dieser Gedanke ist für den ehemaligen GC-Präsidenten Fritz Peter unerträglich (siehe Box). Deshalb versucht er mit einem neuen Konzept Bewegung in die blockierte Stadion- und Mietzinssituation zu bringen.

Stadion auf dem Hardturm

Wie der ehemalige GC-Chef gegenüber der az sagt, hat er gemeinsam mit dem Thurgauer Stadion- und Messebauer Nüssli ein Konzept erarbeitet, welches den Umzug des einstigen Nobelklubs nach Aarau oder Emmenbrücke noch in letzter Sekunde verhindern würde. Demnach soll die Stadt Zürich als Bauherrin zusammen mit Nüssli innert sechs Monaten ein reines Fussballstadion in Form einer Stahlrohrkonstruktion errichten (siehe Bildergalerie). Stadionstandort: Die Bauruine des abgerissenen Hardturm-Stadions.

Die Arena soll zwischen 15 000 und 25 000 Zuschauern Platz bieten und würde bis zu 25 Millionen Franken kosten. «Diese Kosten könnte die Stadt mit einem Leasing-Vertrag auffangen. So müssten die Behörden jedes Jahr lediglich zwei Millionen Franken für das Stadion aufbringen». Geht es nach dem ehemaligen GC-Boss, würden die beiden Zürcher Klubs spätestens in der Saison 2013/14 das neue Stadion ohne Mantelnutzung, aber mit einem VIP-Bereich, beziehen.

Verhandlungen laufen

Peter betont nicht im Auftrag der aktuellen GC-Führung zu handeln. Allerdings seien der GC-Zentralpräsident Andres Iten und GC-Präsident Urs Linsi über seine Lobbyarbeit informiert. Zudem führt Peter aus, dass ein «erstes, gutes» persönliches Gespräch mit dem Sportamt der Stadt Zürich stattgefunden habe. Diesen Vorgang bestätigen auch die Verantwortlichen der Stadt.

Das zuständige Sportamt reagiert indes vorsichtig auf die Vorschläge des ehemaligen GC-Präsidenten. Fussballstadien mit einer Stahlröhrenkonstruktion sind in der Schweiz untersagt. Das sieht die Swiss Football League auf Anfrage ähnlich. «Die FIFA und UEFA untersagt per Weisung Stadion mit provisorischen Stahlröhrentribünen», sagt Christian Moroge, Präsident der Sportplatzkommission des Fussballverbandes.

Swiss Football League würde GC entgegenkommen

Das Reglement der Swiss Football League sieht jedoch die Möglichkeit einer Ausnahmebewilligung vor. GC kann auf eine solche Sondergenehmigung hoffen, wenn der Verein gleichzeitig mit dem Lizenzgesuch ein Baugesuch für ein neues, eigenes Stadion eingereicht hat oder sich an einem anderen, sich im Bau befindenden Stadion, vertraglich gebunden hat. In diesem Fall könnte sich die Liga vorstellen, ein Stahlröhrenstadion als Übergangslösung zu akzeptieren. «Ein solches Stadion mit einer befristeten Laufzeit von einigen Jahren wäre gangbar», sagt Moroge.

Dieses «Schlupfloch» im Regelwerk der Swiss Football League möchte der ehemalige GC-Präsident nutzen. Schliesslich hätten andere Fussballverbände und die FIFA selbst bereits Ausnahmebewilligungen in Deutschland und Österreich erteilt. Darüber hinaus zeigen Recherchen der az: Die Stadt Zürich könnte für eine solche Lösung Hand bieten. In diesem Zusammenhang bestätigt das Sportamt der Stadt Zürich denn auch, dass das Konzept der Task-Force «Stadion Zürich» weitergeleitet wird. Das von der Stadt Zürich eingesetzte Gremium befasst sich mit der Frage, wie es mit dem bewilligten, aber durch Einsprachen blockierte Stadion auf dem Hardturm-Areal weitergehen soll. Aus dem Umfeld der Stadt ist zu hören, dass die Arena frühestens 2016 realisiert werden kann.

Peter will GC in Zürich halten

Derweil betont Peter, dass die Auflagen der Swiss Football League zu bewältigen wären. Zunächst könnte der Neubau als «Provisorium» und zwei Jahre danach als «Definitivum» deklariert werden. Es gebe für alles eine Lösung - Hauptsache GC bleibt Zürich treu. Spiele GC einmal fünf bis zehn Jahre auf dem Brügglifeld oder in Emmenbrücke, sei es schwierig den Verein jemals wieder zurückzuholen. Auch vor den finanziellen Konsequenzen fürchtet sich Peter. «In Aarau oder Emmenbrücke würden noch weniger GC-Fans anwesend sein. «Ganz zu schweigen vom Imageschaden, der immer grösser wird».

Überdies weiss Fritz Peter um die Gefahren bei diesem ehrgeizigen Vorhaben. So sind Einsprachen bei einem Baugesuch auf dem Hardturmareal gegeben. Ausserdem ist sich Peter bewusst, dass mit dem Neubau die Mietkosten weit höher wären. «Aber durch die Vermarktungsmöglichkeiten, dem eigenen Catering und den VIP-Logen wären die Einnahmequellen höher».

Chance mit Gaydoul verspielt

Rückblickend teilt Peter aber die Auffassung, dass GC an der finanziellen und sportlichen Misere selbst die Verantwortung trage. «Die Kontinuität hat in den vergangenen Jahren gefehlt». Zudem ärgert ihn noch heute die verpasste Chance zwischen GC und Financier Philippe Gaydoul. «Wenn ich sehe, was Gaydoul heute für das Schweizer Eishockey leistet, dann blutet mir das Herz».

Mitte 2009 führte GC intensive Gespräche mit dem ehemaligen Denner-Chef Philippe Gaydoul. Die Verhandlungen über eine finanzielle Beteiligung am Klub scheiterten jedoch in letzter Minute. Sowohl GC wie auch Gaydoul selbst schweigen über die Gründe. Aus dem Umfeld der Grasshoppers ist aber zu vernehmen, dass Gaydoul keine alten Schulden des Vereins übernehmen wollte und deshalb die Gespräche abgebrochen wurden.