Champions League
YB ist bereit für neue Sternstunden: Es brauchte drei Stangen Bier bis zur Wende

Da das Champions-League-Playoff-Spiel der Young Boys nicht im Free TV zu sehen war, versammelten sich YB Fans, lasen Teletext und tranken zusammen Stangen. Bis klar wurde, dass die Berner qualifiziert sind.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
YB's Thorsten Schick, Steve von Bergen, Marco Woelfli, Kevin Mbabu, Loris Benito und Guillaume Hoarau, L-R, bei ihrer Ankunft am Flughafen Bern

YB's Thorsten Schick, Steve von Bergen, Marco Woelfli, Kevin Mbabu, Loris Benito und Guillaume Hoarau, L-R, bei ihrer Ankunft am Flughafen Bern

Keystone

Im Kopfkino ist alles viel grösser, schöner, aufregender. Auch YB. Wer hat YB in Zagreb intensiver erlebt als wir? Niemand. Ausgangspunkt ist ein Skandal: Unser staatstragendes Fernsehen hat das grosse Schauspiel nicht übertragen. Wir haben uns beim «Hotel Bahnhof» ins Gartenrestaurant unter die alten Bäume gesetzt. Als Informationsquelle auf dem Hosentelefon den guten alten Teletext.

Mit dabei natürlich unser Juniorentrainer mit allen Diplomen. Er ist jetzt auch Meistertrainer und hat mit seinem Team die «Coca Cola Junior League» des bernisch-jurassischen Verbandes gewonnen – dank der Fairplay-Wertung vor dem punktgleichen YB-Stadt-Breitenrain.

Weil deren Trainer, ein hoch angesehener Fussball-Instruktor und ehemaliger YB-Star, im letzten Match vom Schiedsrichter wegen ungebührlichen Benehmens auf die Tribüne verbannt werden musste. Aber das ist eine andere YB-Geschichte.

YB-Spieler feiert den Führungstreffer.
9 Bilder
Petar Stojanovic (links) im Duell mit YB's Miralem Sulejmani,
Guillaume Hoarau nimmt den Ball an.
Mbabu um Kopfballduell
Duell im Spiel
Dinamo Zagreb's Amer Gojak gegen Young Boys' Moumi Ngamaleu.
Guillaume Hoarau im Duell.
Gerardo Seoane nach dem Tor gegen YB.
YB's Mbabu am Boden.

YB-Spieler feiert den Führungstreffer.

Keystone

Wir stehen also in diesen grossen YB-Stunden nicht im Banne von laufenden Bildern. Vielmehr regt das Resultat unsere Fantasie an. Endlich wieder behaupten, fabulieren, einfach «liire». Unser Juniorentrainer findet nach dem 1:0 für Zagreb tröstende Wort: YB sei in der Europa League sowieso besser aufgehoben.

Bald wird philosophiert über die Gefahr des grossen Geldes aus der Champions League, das doch schon der Seele des FC Thun geschadet habe. Vielleicht sei es besser, wenn YB nicht an dieses grosse Geld herankomme. Einer aus unserer Runde weist genüsslich darauf hin, dass uns erst Thun Champions-League-Spiele im Stade de Suisse beschert habe.

Dann melden die eckigen Teletext-Zahlen die Wende. Wir verlassen den provinziellen Rahmen und schwelgen in europäischen Fantasien. 60 Jahre nach den magischen Europacup-Nächten gegen Stade Reims ist YB wieder eine europäische Macht.

Bayern München statt Lugano, Barcelona statt GC. Von der Depression nach dem 0:1-Rückstand bis zur Euphorie nach der 2:1-Führung hatte es ziemlich genau drei Stangen Bier gedauert. Drei Stangen und YB in der Champions League – mehr braucht es nicht zum Glück.

Aktuelle Nachrichten