Die Fussball-Weltmeisterschaft in Katar und insbesondere deren Gastgeberland gerät in den letzten Tagen immer mehr unter Beschuss.

Vor zwei Wochen zeigte eine Dokumentation des deutschen Senders WDR, wie schlecht die Bedingungen für die «Gastarbeiter» aus Nepal in Katar sind. «Wir sind 125 Arbeiter, die hier festsitzen. Wir sind Gefangene», sagte einer der Interviewten.

Am Dienstag folgte die nächste Hiobsbotschaft: Der frühere UEFA-Präsident Michel Platini wurde wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der WM nach Katar vorübergehend in Gewahrsam genommen und befragt. Mittlerweile ist Platini wieder auf freiem Fuss und streitet die Vorwürfe ab.

Der frühere Spitzenfussballer unterstützte die Vergabe in den Wüstenstaat öffentlich. Nun soll aber auch Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy in die Sache verwickelt sein.

So viel schlechte Presse hat dem Weltfussballverband offenbar Stoff zum Nachdenken gegeben. Laut Informationen des US-Sportsenders TNT (der in den Vereinigten Staaten unter anderem die Champions League überträgt), will die FIFA sich in Meetings über mögliche Ersatz-Gastgeber unterhalten.

«Sie prüfen, ob es nicht besser wäre, Katar die WM zu entziehen und allenfalls sogar die Qatar Airways als Sponsor zu entfernen», erklärt ein Reporter. Das sei natürlich kein einfacher Prozess, aber er würde zumindest geprüft.

Besonders in Europa gäbe es Länder, die für eine Ersatz-Kandidatur in den Startlöchern stehen würden. England hat seit 1966 keine Weltmeisterschaft mehr ausgetragen und hätte eine hervorragende Stadion-Infrastruktur. Wettanbieter im «Mutterland des Fussballs» rechnen ebendiesem jedenfalls hervorragende Chancen aus, sollte Katar die WM tatsächlich verlieren. Nachdem die vorübergehende Festnahme Platinis bekannt wurde, sank die Quote von England als WM-Gastgeber 2022 von 1/10 auf 1/6. (abu)