FC Basel

Wenn alle sich selbst am nächsten sind – Ein Kommentar zum Lohn-Verzichts-Chaos beim FC Basel

Die FCB-Spieler Zdravko Kuzmanovic (1. v.l.) und Silvan Widmer (4.vl.) diskutieren mit Trainer Marcel Koller (2. v.l.) und Präsident Bernhard Burgener (3.vl.).

Die FCB-Spieler Zdravko Kuzmanovic (1. v.l.) und Silvan Widmer (4.vl.) diskutieren mit Trainer Marcel Koller (2. v.l.) und Präsident Bernhard Burgener (3.vl.).

Der FC Basel teilt am Mittwochabend mit, dass die Geschäftsleitung und die Spieler der ersten Mannschaft in der Thematik des Lohnverzichts nicht einigen konnte. Die Spieler wollen nicht auf 17,5 Prozent ihres Lohnes verzichten. Dass der FCB dies aktiv kommuniziert, lässt tief blicken.

Die Mail, die am Mittwochnachmittag ins Postfach flattert, ist bemerkenswert. Der Inhalt: Spieler und Trainer verzichten auf einen beträchtlichen Teil ihres Geldes, welches sie im Jahr 2020 erhalten würden. Man wolle sich solidarisch zeigen in Zeiten, in denen aufgrund von Spielausfällen Verluste in Millionenhöhe drohen. Und vor allem wolle man ein Zeichen setzen. Eines von Verbundenheit.

Die Mail, die am Mittwochabend ins Postfach flattert, ist noch bemerkenswerter. Der Inhalt: Die Geschäftsleitung habe aufgrund des eingestellten Spielbetriebs und den damit einhergehenden Einnahmeverlusten Massnahmen zur Kostenreduktion geprüft. Dazu gehört auch der Vorschlag, dass die Mannschaft vorläufig auf 17,5 % des Jahreslohnes verzichtet. Dies entspricht in den Monaten April, Mai und Juni 2020, in denen der Spielbetrieb voraussichtlich nicht oder nicht in gewohntem Masse durchgeführt werden kann, einem Lohnverzicht von 70%. Der Vorschlag der Geschäftsleitung wurde in einer ersten Stellungnahme durch den Mannschaftsrat abgelehnt.

Kaum unterschiedlichere Symbolik möglich

Die erste Mail stammt vom Schweizerischen Fussballverband SFV und betrifft das A-Nationalteam der Herren. Die zweite Mail stammt vom FC Basel und dreht sich um die 1. Mannschaft der Herren. Selbstredend ist es nicht zu vergleichen, wenn Nationalspieler auf ihren Zustupf vom nationalen Verband verzichten und wenn Akteure des FC Basel auf (einen Teil) des Haupteinkommens verzichten sollen. Und dennoch sind diese beiden Meldungen in ihrer Symbolik dermassen unterschiedlich, dass sie Einiges aufzeigen.

Denn die Kommunikation des FC Basel löst ein Erdbeben aus – und wirft enorm viele Fragen auf. Wieso kommuniziert der Verein proaktiv eine Nicht-Einigung zwischen Geschäftsleitung und den Spielern? Um 22.10 Uhr abends? Via dem Medienchef, der eigentlich im Urlaub weilt? Wieso behält er nicht einfach alles unter Dach und Fach, bis es geregelt ist? Und natürlich auch: Wieso sind die Spieler nicht bereit, Abstriche zu machen, während Angestellte auf der Geschäftsstelle schon am Anfang der Coronakrise in Kurzarbeit geschickt wurden? Wieso verstehen sie nicht, dass ihr Marktwert durch die Krise rapid gesunken ist (siehe unten) und der FCB daher bei dereinstigen Weiterverkäufen massive Einbussen machen muss, die er nun vorzukompensieren versucht?

Der FCB und sein internes Chaos

Antworten liefert der FCB nicht. Er will erst wieder etwas melden, wenn die Situation geklärt ist. Damit hat er sich wie so oft in der Vergangenheit ins eigene Fleisch geschnitten. Erneut lässt er durch Nicht-Kommunikation wichtiger Details Raum für Kritik und Spekulation. Er vermittelt ein Bild von Zerrüttung, von Uneinigkeit und vor allem davon, dass alle ihr eigenes Süppchen kochen. Den Spielern scheint die Identifikation und ebene jene Verbundenheit, welche der SFV vermittelt, zu fehlen. Das ausgerechnet zu dem Klub, der ihnen ihr stattliches Honorar zahlt. Und der Klub stellt seine Angestellten öffentlich bloss – wohl um Druck auf sie auszuüben. In der Krise scheinen sich alle am nächsten. Auch wenn nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Profis in der Vorwoche gespendet haben.

Doch die positive Wirkung dieser Aktion ist verpufft. Genau so wie die Glücksgefühle verflogen sind, die CEO Roland Heri in dieser Woche via Instagram mit seiner Glückssau Trudi versendet hat. Stattdessen hat es der FCB geschafft, auch in einer Zeit, in der man mit angebrachter Solidarität beinahe nur punkten kann, für negative Schlagzeilen zu sorgen. In einer Zeit, in welcher der FC Liverpool vorgelebt hat, wie ein Nicht-Lohnverzicht ausgeschlachtet und kritisiert wird. Und er hat es geschafft, einmal mehr sein internes Chaos – welches durch sportliche Erfolge zuletzt kaschiert wurde – ans Licht zu bringen.

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