Fussball
Warum Yann Sommer in der Nati der perfekte Benaglio-Nachfolger ist

Yann Sommer ist die neue Nummer 1 im Tor der Schweizer Nati. Der 25-Jährige muss hoffentlich nicht mehr gegen altes Klischee ankämpfen: Dass er nämlich zu klein sei.

Etienne Wuillemin
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Der neue Nationaltorhüter gibt Tipps. Yann Sommer beim Kinder-Training am letzten Montag. key

Der neue Nationaltorhüter gibt Tipps. Yann Sommer beim Kinder-Training am letzten Montag. key

Es ist Abend geworden in Freienbach. Yann Sommer spricht nach vollbrachter Trainingseinheit in die Mikrofone. «Eigentlich ist alles wie immer», beginnt er. Und merkt gleich selbst, dass dies natürlich nicht ganz stimmt. Also präzisiert er: «Die Freude, ins Nationalteam einzurücken, ist jedes Mal dieselbe.»

Ansonsten aber ist alles anders. Diego Benaglio, die langjährige Nummer 1, fehlt jetzt. Er entschied sich für einen Rücktritt. Und verabschiedete sich auch mit diesen Worten: «Immerhin muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Denn hinter mir kommen ja viele Schweizer Goalies mit Riesenpotenzial.»

Gewiss. Wobei Sommer und Potenzial? Das ist eigentlich massiv untertrieben. Natürlich fehlen Sommer Erfahrungen im Nationalteam. Dafür hat er in der Champions League viele Schlachten geschlagen. Mit dem FCB absolvierte der mittlerweile 25-Jährige 32 Fussball-Trips quer durch Europa. Sein prägendstes Erlebnis? «Viele – aber die Abende gegen englische Spitzenklubs wie Manchester, Chelsea oder Tottenham bleiben unvergesslich.» Und jetzt endlich: Nationaltorhüter! Am kommenden Montag beim Start der EM-Qualifikation beginnt die neue Ära im Tor. Gegner: England. Sommer lächelt.

«Zu klein, zu klein, zu klein!»

Als der neue Nationaltrainer Vladimir Petkovic letzten Freitag sein erstes Aufgebot bekannt erklärte, da gab es viele Themen und Fragen. Ändert Petkovic das System? Wer bekommt eine neue Chance? Welchen Spielern rät er zu einem Klubwechsel? In welcher Rolle sieht er Shaqiri? Nur eines blieb lange unerwähnt: Dass ein langjähriger Nationaltorhüter zurückgetreten ist. Nichts beschreibt das Vertrauen der Nation in Sommer besser.

Christian Gross, langjähriger FCB-Trainer, hat den Ausdruck geprägt: «Yann Sommer im Tor rettet jedem Verein pro Saison mindestens zehn Punkte.» Pierluigi Tami, Sommers Trainer in der U21, mit der er immerhin im EM-Final stand, hat einmal gesagt: «Sommer im Tor, das ist wie wenn man im tiefsten Winter einen Mantel trägt und es einem trotzdem immer warm ums Herz ist.»

Lohn: 8,4 Millionen Euro bis 2019

Pascal Zuberbühler, einer von Sommers Vorgängern als Nationaltorhüter, fasst Sommers Qualitäten so zusammen: «Seine Stärke ist, dass er keine Schwäche hat. Er ist sackstark auf der Linie. Er ist fussballerisch hervorragend. Er beherrscht den Strafraum.» Zuberbühlers Worte überschlagen sich fast, als er zur einzigen Eigenschaft kommt, für die sich Sommer immer wieder rechtfertigen muss: Seine Körpergrösse. Er misst «nur» 1,82 Meter. Auch bei seinem neuen Klub in Gladbach haben sich die Medien mit dieser Frage beschäftigt. «Zu klein, zu klein, zu klein», echauffiert sich Zuberbühler, «Yann ist das perfekte Beispiel dafür, wie verjährt diese Diskussion ist.»

Wie es ist, aus dem Schatten eines prägenden Vorgängers zu treten, weiss Sommer. Beim FCB hielt er als Nachfolger von Franco Costanzo dem Druck vom ersten Tag an stand. Jetzt muss er dasselbe erneut beweisen. Im Nationalteam. Und in Gladbach, wo er auf ter Stegen folgt.

Knapp sieben Millionen Euro musste der Verein, der mit Favre und Xhaka bereits zwei Schweizer beschäftigt, nach Basel überweisen. Sommer seinerseits erhielt als Bonus für die Unterschrift bereits einmal 300’000 Euro. Bis 2019 läuft der neue Vertrag. Knapp 140’000 Euro verdient er monatlich – ohne Prämien. «Wer so viel Geld für einen Spieler zahlt, der will Leistung sehen, dessen bin ich mir bewusst», sagt Sommer. Er sieht nicht danach aus, als würde ihn das stressen. Nur etwas ist ihm wichtig: «Ich mag keine Vergleiche, ich möchte als eigenständiger Torhüter wahrgenommen werden, der seine eigenen Spuren hinterlässt.»

Was Sommer aber kaum verhindern kann, sind Vergleiche mit sich selbst. Den Ersten hat er schon bestanden. Als Penaltykiller bekannt, kam es vergangenen Sonntag zum Duell mit Nati-Kollege Mehmedi (Freiburg). Prompt verschoss dieser.

So trainiert die Schweizer Nati