Europa-League-Gruppenphase

Von Zombies, Supermarkt-Millionen und einem Mini-Starensemble – das sind die Gegner des FCB

Der FC Basel trifft in der Gruppenphase der Europa League auf Krasnodar, Trabzonspor und Getafe (im Uhrzeigersinn).

Der FC Basel trifft in der Gruppenphase der Europa League auf Krasnodar, Trabzonspor und Getafe (im Uhrzeigersinn).

Krasnodar, Getafe, Trabzonspor – so heissen die drei Basler Gegner in der Gruppenphase der Europa League. Keine europäischen Schwergewichte, dafür Klubs mit spannenden und skurrilen Geschichten und ein paar bekannten Namen.

Doppelaufstieg ohne Aufstiegsplatz

  FK Krasnodar Ohne Sergej Nikolajewitsch Galizki gäbe es den FK Krasnodar nicht. Und ohne seinen Supermarkt wäre Galitzki nicht das, was er heute ist: Milliardär und Präsident eines russischen Spitzenvereins. 1998 eröffnete Galizki im Alter von 31 Jahren seinen ersten Laden. Innert kürzester Zeit wuchs die Marke «Magnit» zu einem der grössten Unternehmen Russlands heran. Heute macht Magnit Milliardenumsätze und bietet knapp 300 000 Arbeitskräften einen Job. Das ist in etwa dreimal so viel wie die Migros in der Schweiz.

Galizki gönnte sich in der Folge nicht nur die Luxusjacht Quantum Blue sondern 2008 auch einen Fussballklub: den FK Krasnodar. In den ersten beiden Spielzeiten stieg das neu gegründete Team zweimal auf, ohne dabei zu Saisonende einen Aufstiegsplatz belegt zu haben. Das macht den Russen so schnell keiner nach. Der FK Krasnodar profitierte jeweils von den finanziellen Schwierigkeiten anderer Teams. Und so enterte Galizki mit seinem Klub nur zwei Jahre nach der Vereinsgründung die Russische Premier Liga.

Auf den ersten Titel wartet Krasnodar noch. International gehört das Team vom Schwarzen Meer aber mittlerweile zum festen Bestandteil der Europa League. 2013 schnupperten die Russen ein erstes Mal internationale Luft. Seitdem waren sie jedes Jahr wieder dabei, 2017 und 2019 trug es Krasnodar sogar bis in den Achtelfinal.

In diesem Sommer wären die Russen dann beinahe in der Champions League gelandet. Den FC Porto warf Krasnodar aus der Qualifikation. Erst in den Playoffs war gegen Olympiakos Piräus dann doch Endstation. Nun also wieder Europa League. Und was macht Galizki? Der hat seine Anteile an Magnit mittlerweile verkauft, seinem Fussballklub ein eigenes Stadion mit Platz für 34 000 Zuschauer geschenkt und auch in der Region zahlreiche Fussballschulen gebaut.

Spiele: 19.9. (H), 28.11. (A)

 

Weitergeben des «blauen Gefühls»

 Getafe C.F. Bei einem sind sich alle einig: Getafe ist der spannendste Gegner. Der Klub aus dem Madrider Vorort hat den klingendsten Namen, spielt in der besten Liga aller drei FCB-Kontrahenten und hat bei den Spielern die grösste Reaktion ausgelöst: «Auf Madrid freuen wir uns riesig», sagt Valentin Stocker stellvertretend. Die Spanier haben sich mit dem fünften Rang den Platz in der Europa League gesichert. 1983 gegründet, schaffte der Klub in der Saison 2003/04 erstmals den Aufstieg in die Primera División.

Den ersten Grosserfolg feierte man 2007 unter Bernd Schuster. Der «blonde Engel» führte Getafe ins Finale der Copa del Rey. Auf dem Weg wurde gar das grosse Barcelona eliminiert. 2007/08 war Getafe erstmals europäisch dabei und scheiterte erst im Viertelfinale an Bayern München. Die Erfolge lockten Investoren an. Als erst drittes Team in der Primera División wurde Getafe von der «Royal Emirates Group of Companies» aus Dubai aufgekauft.

Nur: Alledem zum Trotz hielt sich das Interesse für den Klub in Grenzen. Um dies zu ändern, lancierte der Klub 2011 ein äusserst skurriles Werbevideo im spanischen Fernesehen. «Wir sind zu wenige», steht gross über einem Bild des leeren Stadions. «Die Lösung ist einfach, und sie ist in dir», sagte eine Stimme im Video und schwenkt auf die Lendengegend eines Mannes und deutet damit an, dass mehr Babys produziert werden sollen. Die Fans sollen in Samenbanken gehen, sich dort den Film «Zombies Calientes de Getafe» – ein weiblicher Fanklub, dessen Mitglieder sexwillige Zombies sind – anschauen und diesen Zombies «das blaue Gefühl» weitergeben, also die dunkelblauen Farben des Klubs vermehren.

Denn, wie der Film schliesst: «Wenn wir mehr sind, werden wir grösser sein.» Und immerhin: Saisonkarten wurden in der Folge tatsächlich mehr verkauft. Langweilig wird es mit diesem Klub nicht.

Spiele: 24.10. (A), 7.11. (H)

 

Aufrüsten mit grossen Namen

 Trabzonspor Kulübü Wer an den türkischen Fussball denkt, kommt schnell auf die drei Grossmächte aus Istanbul: Fenerbahce, Besiktas und Galatasaray. Dahinter hat sich jener Klub festgesetzt, den der FC Basel als drittes und letztes zugelost bekommen hat: Trabzonspor. Der sechsfache Meister ist die Nummer vier des türkischen Fussballs und wird trotz Titellosigkeit in der Liga seit 1984 stets als Meisterschaftskandidat – oder zumindest als Herausforderer gehandelt.

Zu verdanken hat dies der Klub aus der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer seiner glorreichen Zeit zwischen 1976 bis 1984, als gleich alle sechs Meistertitel errungen werden konnten. Neben Bursaspor ist der FCB-Gegner damit einer von nur zwei nicht in Istanbul beheimateten Klubs, welche die türkische Liga für sich entscheiden konnten. Doch seit neun Jahren warten die Fans im Nordosten der Türkei auf einen Exploit. Damals gewann Trabzonspor den Cup und den Supercup.

Um die Durststrecke zu beenden, wurde aufgerüstet. 2017 kam der aus der Benfica-Jugend stammende, 40-fache portugiesische Nationalspieler João Pereira sowie José Ernesto Sosa, der einst das Trikot Bayern Münchens, Atlético Madrids, Besiktas’ aber auch das der argentinischen Nati trug. In diesem Sommer wurden zwei noch grössere Namen in die Hafenstadt gelockt: Chelsea- und Nigeria-Altstar John Obi Mikel sowie Daniel Sturridge. Letzterer gewann noch diesen Frühling mit dem FC Liverpool die Champions League – und bekam danach aufgrund seines auslaufenden Vertrages die Freigabe. Statt zu Eintracht Frankfurt zu gehen, wechselte er zum Vierten der Süper Lig.

Er soll Trabzonspor helfen, die grossen Istanbuler Klubs wieder anzugreifen. Ein weiterer bekannter Name ist Donis Avdijaj. Der ehemalige Schalker will seiner ins Stocken geratenen Karriere auf der europäischen Bühne mit Trabzonspor neuen Schwung verleihen.

Spiele: 3.10. (A), 12.12. (H)

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