FC Biberist

Vincenzo Salerno beendet seine Arbeit beim FC Biberist: «Wie wenn man seine Traumfrau verlässt»

Vincenzo Salerno führte den FC Biberist 2017 zum Solothurner-Meister-Titel.

Vincenzo Salerno führte den FC Biberist 2017 zum Solothurner-Meister-Titel.

Zum Ende der laufenden Meisterschaft werden sich die Wege von FC Biberist und Trainer Vincenzo Salerno trennen. Nach vier äusserst erfolgreichen Spielzeiten. In den ersten zwei Jahren führte Salerno die Wasserämter in der 2. Liga jeweils auf den dritten Schlussrang. Die Krönung folgte 2016/17 mit dem Solothurner-Meister-Titel und dem Aufstieg in die 2. Liga inter. In dieser überwintern die Biberister momentan auf dem zweitletzten Rang. Der Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz beträgt drei Punkte. Am 11. März beginnt die zweite Saisonhälfte mit dem Heimspiel gegen den FC Blue Stars.

«Der Peak ist erreicht mit dem FC Biberist», begründet Vincenzo Salerno seinen während der Winterpause gefällten Entscheid. Hätte er nur auf sein Herz gehört, dann würde er noch ewig Trainer beim FC Biberist bleiben, sagt er: «Es war eine sehr schwierige Entscheidung, die Zeit gebraucht hat. Es kommt mir vor, wie wenn man seine Traumfrau verlässt. Ich werde wohl nie mehr eine so tolle Mannschaft trainieren.» Doch der 37-Jährige, der im Frühling, wenn alles gut geht, das Trainer-A-Diplom in der Tasche hat, will seine Trainer-Karriere vorantreiben.

Wartet auf das richtige Angebot

Wohin ihn sein Weg am Ende der laufenden Saison führt, weiss Salerno im Moment noch nicht. Im Optimalfall will er nahtlos weitermachen ab Sommer. Die Voraussetzung dafür sei ein Angebot, «das Hand und Fuss hat, es muss etwas Seriöses sein».

Er lässt durchblicken, dass ihn vor allem ein Engagement bei einem Klub aus der 2. Liga inter, oder einer höheren Spielklasse, interessieren würde. Oder eine Aufgabe im Junioren-Spitzenfussball. «Es ist alles möglich, sogar eine Pause», lässt sich Salerno nicht in die Karten blicken. «Wenn ich zusage, muss ich hundertprozentig überzeugt sein.»

Und wer hat wem nun mehr zu verdanken? Salerno dem FC Biberist, weil ihm der Klub als ideales Sprungbrett diente. Oder der FC Biberist Vincenzo Salerno, weil dieser den Verein erstmals in die 2. Liga inter gebracht hat? «Ich habe dem FC Biberist sicher sehr viel zu verdanken», antwortet Salerno. «Der Verein hat mich vor vier Jahren als Nobody aus der 4. Liga verpflichtet. Ich hatte das Glück, dass für die Verantwortlichen des FC Biberist die Erfahrung nicht die wichtigste Komponente war und ich diese Chance erhielt.»

Wie gross sein Anteil am Erfolg in den vergangenen vier Jahren sei, könne er nicht abschätzen. «Am meisten beigetragen zum Erfolg hat definitiv die Mannschaft», stellt er klar. «Die Chemie hat einfach gepasst. Es war die perfekte Mannschaft für mich, und ich war wohl der perfekte Trainer für diese Spieler. Ich glaube nicht, dass ich mit einer anderen Zweitliga-Mannschaft so erfolgreich gewesen wäre.»

Letztes Ziel heisst Ligaerhalt

Ein letztes Ziel, quasi die Kirsche auf der Torte, bleibt Salerno noch: «Momentan steht für mich an erster Stelle, mit dem FC Biberist den Klassenerhalt in der 2. Liga inter zu schaffen.» Da sich mit Roman Rüegsegger vor rund zwei Wochen ein wichtiger Leistungsträger das Kreuzband gerissen hat, sei die Aufgabe nun noch einmal schwieriger geworden. «Es wird eine grosse Herausforderung für mich und die Spieler. Doch wir werden versuchen, in der zweiten Saisonhälfte das zu schaffen, was uns niemand zutraut.» Gelingt der Ligaerhalt, erreicht Salerno endgültig den Legendenstatus beim FC Biberist.

Auf seinen Entscheid, den Klub Ende Saison zu verlassen, habe das Team nicht schockiert reagiert, «aber sie waren schon enttäuscht», so Salerno. «Mir war wichtig, dass sie meine Beweggründe verstehen. Es ist eine sehr intelligente Mannschaft. Alle Spieler konnten meinen Entscheid nachvollziehen.»

Dass sich sein Abgang negativ auf die zweite Saisonhälfte auswirken könnte, glaubt Salerno nicht. Im Gegenteil, das Teambuilding läuft gerade auf Hochtouren. Der FC Biberist befindet sich nämlich seit letztem Samstag im Trainingslager auf Malta. «Es ist super hier, alles läuft wie geschmiert», dies Salernos Wasserstandsmeldung von der Mittelmeer-Insel.

Ein grosser Verlust

«Ich war zuerst etwas überrumpelt. Denn ich hatte gehofft, dass er noch eine Saison dranhängt», kommentiert Biberists Vizepräsident Iwan Bucher Salernos anstehenden Abgang. «Für den FC Biberist ist dies ein grosser Verlust, aus menschlicher und fachlicher Sicht. Er hatte eine ganz spezielle Beziehung zum Vorstand und zu den Spielern.» So sei denn auch die Verkündung des Entscheids vor der Mannschaft sehr emotional abgelaufen.

Für den Vorstand des FC Biberist gehe es nun darum, Vincenzo Salerno adäquat zu ersetzen. Im Verlauf der letzten Tage seien schon einige Bewerbungen eingetroffen. «Von der Mannschaft oder auch der Infrastruktur her ist es sicher kein uninteressanter Job», weiss Iwan Bucher. «Der neue Trainer muss einfach zu uns respektive zu unserem Team passen und mit jungen Spielern arbeiten können.» Und er müsste für beide Ligen bereit sein: die 2. Liga inter oder im Falle eines Abstiegs auch für die Solothurner 2. Liga.

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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