Sein Sohn Enzo Gattuso trägt die Haare ebenso schön wie der weltbekannte Papa: Sturmfrisur ist angesagt, passend zum wilden Stil der beiden auf dem Rasen. Marcelo jr. füllt mit seinen Toren für die U10-Auswahl der Madrilenen bereits ganze Filmbeiträge. Sein Vater besitzt inzwischen den Status einer Real-Ikone. Dreimal in Folge gewann er die Champions-League-Trophäe, viermal triumphierte er gesamthaft.

Der Carioca ist längst ein Madridista. Seit 2007 trägt Marcelo Vieira da Silva Junior die königliche Uniform des erfolgreichsten spanischen Vereins. Zwölf Saisons auf höchstem Niveau, im Fokus, unter der Lupe der Weltpresse. Eben erst hat der 30-jährige Linksverteidiger seinen Vertrag bis 2022 verlängert. Vor sieben Jahren erhielt der Südamerikaner den spanischen Pass, sein Engagement für Real könnte eine Verbindung für die Ewigkeit sein.

Doch das Quartier Catete in Rio de Janeiro hat der Mann, der inzwischen pro Monat gegen eine halbe Million Franken verdient, nicht vergessen. Seinen Freunden von einst gewährt er weiterhin Zugang. Und auf seinem tätowierten rechten Unterarm ist der Name von Pedro verewigt. Sein Grossvater führte ihn zu Beginn durchs Leben; der Vater löschte Brände, die Mutter unterrichtete an einer Schule - und der Opa chauffierte den begabten Enkel mit seinem VW-Käfer ins Training.

Für die Klub-Gebühren von Fluminense kam Don Pedro auf. In einem Interview erinnerte sich Marcelo, wie sein grosser Mentor einst einen Geldspielautomaten aufsuchte, um die nötigen Reais-Münzen zusammenzukratzen. "Er hat mich immer ermutigt, er stand mir immer zur Seite, er gab mir immer Kraft. Pedro ist für mich eine Institution."

Marcelo im Training von Real Madrid

Marcelo im Training von Real Madrid

Im Januar vor 11 Jahren veränderte sich der Lebenslauf. Marcelo unterschrieb nicht wie von der Chefetage seines Stammklubs vorgesehen beim FC Sevilla, er entschied sich für die Vertragsofferte von Real Madrid. Seine Intuition zahlte sich aus, im Umfeld der Galaktischen konnte er seine Spielkunst vollumfänglich entfalten. Im Estadio Santiago Bernabeu fand Marcelo die passende Showbühne vor.

"O número doze", die Nummer zwölf - im Fall des Linksaussen weit mehr als eine nackte, profane Zahl, das Publikum verehrt den Zwölfer mit dem spielerischen Volumen einer klassischen Nummer 10. Marcelo interpretiert seine Rolle noch kreativer als Carlos Alberto, der legendäre Captain und Offensiv-Verteidiger der Weltmeister-Seleção von 1970.

Diverse Fachmagazine und Coaches haben sich schon mit dem Phänomen Marcelo beschäftigt. Der frühere Futsal-Spieler ist in kein Schema zu pressen. Taktisch bewegt er sich nahe an der Grenze zur Anarchie. Auch nach weit über 300 La-Liga-Spielen überrascht der Südamerikaner seine Kontrahenten immer wieder aufs Neue; die Platzfläche reizt er regelmässig aus.

Brazil's Marcelo's tattoos are seen as he speaks during a press conference after a national soccer squad training session at the training facilities of Tottenham Hotspur football club in Enfield, England, Thursday, June 7, 2018. (AP Photo/Matt Dunham)

Extravagante Persönlichkeit: Die Tattoos von Marcelo sind nicht zu übersehen

Brazil's Marcelo's tattoos are seen as he speaks during a press conference after a national soccer squad training session at the training facilities of Tottenham Hotspur football club in Enfield, England, Thursday, June 7, 2018. (AP Photo/Matt Dunham)

Innerhalb der Equipe wird Marcelo nicht nur seiner unzähligen Assists, Tore und Tacklings wegen hoch geschätzt. Seine positive Art, sein Charisma, seine Sozialkompetenz kommen gut an. Der Mann hat den Teamrhythmus im Blut. Enge Begleiter von Real und dem Nationalteam schätzen seinen Einfluss als erheblich ein: Zusammen mit Neymar und Thiago Silva gehört Marcelo zu den unumstrittenen Leadern.

In einer mehrteiligen Serie von Video-Beiträgen lässt der erfrischend zugängliche Real-Professional seine Fans an seinem Alltag teilhaben. Für die teilweise privaten Youtube-Sequenzen interessieren sich die Anhänger massenhaft. Und ihm liegt der Part des Entertainers, Marcelo schottet sich nicht ab. Fussball ist pure Unterhaltung - und so spielt er auch.