Kommentar

Schweizer Helden im Sturm: Je enger man zusammensteht, umso leichter trotzt man ihm

Gegen Nordirland stand eine Kür gar nie auf dem Programm.

Gegen Nordirland stand eine Kür gar nie auf dem Programm.

Blenden wir zwei Jahre zurück. Im Fussball-Nationalteam tobt ein ähnlicher Sturm wie am Sonntag, 12. November in vielen Regionen der Schweiz.

Die Mannschaft ist zerstritten. Man gönnt sich nichts, man rennt nicht füreinander. Die Ambiance ist von Misstrauen und Missgunst geprägt. Nichts deutet daraufhin, dass aus dieser heterogenen Ansammlung von überaus talentierten Fussballern eine homogene Einheit würde.

Nicht das Talent allein ist massgebend für die WM-Qualifikation. Es ist der positive Geist, der Zusammenhalt, die Lust auf gemeinsame Abenteuer, die Empathie. Die Schweizer Fussballer lösen auch dank ihrer emotionalen Intelligenz das Ticket für die WM.

Balkan-Graben

Damals, vor zwei Jahren, entzieht das Publikum dem Team die Liebe. Und wir schreiben vom Balkan-Graben. Aber das Team knickt im Sturm nicht ein. Im Gegenteil. Nationaltrainer Vladimir Petkovic sagt sich wohl: Nur wer das Steuer loslässt, ist im Sturm verloren. Und die Mannschaft verinnerlicht: Je enger man zusammensteht, umso leichter trotzt man dem Sturm.

Gewiss ist die Zitterpartie gegen Nordirland keine berauschende Vorstellung. Eine Kür stand aber gar nie auf dem Programm. Es ging einzig darum, Widerstände zu überwinden, sich für die WM zu qualifizieren. Das hat die Schweiz geschafft. Auf eindrückliche Weise, wenn man bedenkt, wie fragil das Team noch vor zwei Jahren war.

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

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