Als Miroslav Klose mit seinem 16. Tor WM-Geschichte geschrieben hatte, verzichtete er auf seinen berühmten Salto. Nach seinem zwischenzeitlichen 2:0 (23.) im Halbfinale in Belo Horizonte gegen Gastgeber Brasilien streckte der 36-Jährige erst beide Arme von sich, dann rutschte er auf den Knien, ehe ihn seine Mitspieler herzten.

Den Salto liess er zuvor bewusst weg. "Man hat aber gesehen, dass ich aus der Übung bin", hatte er schon nach seiner verunglückten Flugeinlage nach seinem Tor zum 2:2 gegen Ghana in der Vorrunde erklärt. 

Dass er ausgerechnet durch ein Treffer gegen Brasilien alleiniger WM-Rekordtorschütze wurde und damit auch noch Ronaldo, der als Augenzeuge für das brasilianische Fernsehen im Stadion weilte, hinter sich liess, interessierte den Angreifer von Lazio Rom in diesem historischen Moment nicht. "Das ist nicht das Wichtigste", hatte Klose schon vor der Begegnung erklärt.

Gegen Brasilien spielte er wie immer: lauffreudig, immer anspielbar und den Gegner unter Druck setzend. 5,18 km lief Klose allein in den ersten 45 Minuten. In der 58. Minute wurde der Routinier ausgewechselt, für ihn kam André Schürrle.

Kloses zweiter Rekord ging am Dienstagabend fast unter. Als erster Profi bestritt der Torjäger sein viertes WM-Halbfinale. Er ist der einzige Spieler im Kader von Bundestrainer Joachim Löw, der bereits 2002 in der Runde der letzten Vier gegen Südkorea (1:0) dabei war. Bei der Heim-WM 2006 gegen Italien (0:2 n.V.) und vor vier Jahren in Südafrika gegen Spanien (0:1) folgten allerdings Niederlagen. Jetzt hat Klose, der nun 71 Tore im Nationaltrikot erzielt hat, diese Bilanz ausgeglichen.

Ronaldo, der im WM-Finale 2002 beide Treffer gegen Deutschland erzielt hatte, nahm Kloses 16. WM-Tor, das er im Nachschuss gegen Torhüter Julio Cesar erzielte, gelassen hin. "Es macht mir keine Angst, den Rekord zu verlieren", hatte die brasilianische Ikone vor dem Anpfiff erklärt: "Ich werde nicht leiden, wenn Klose ein Tor erzielen würde."

Klose will nun in einer seiner Lieblingsstädte seine glanzvolle Karriere im Finale gegen Argentinien oder die Niederlande krönen. An der weltberühmten Copacabana hat er mit seiner Familie schon mehrmals den Urlaub verbracht. "Rio ist eine traumhafte Stadt. Die Jesus-Statue muss man ebenso gesehen haben wie den Zuckerhut oder den Tijuca-Regenwald", schwärmte er von den vielen Sehenswürdigkeiten der Millionen-Metropole. Dass es sein letzten Länderspiel sein wird, daran denke er nicht, so Klose.

Ein weiterer Rekord wird ihm allerdings verwehrt bleiben. Mit seinem Einsatz am Dienstag hat Klose sein 23. WM-Spiel bestritten und in der "ewigen" Rangliste den Italiener Paolo Maldini eingeholt. Den deutschen Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus, der 25 WM-Begegnungen absolvierte, wird Klose aber nicht mehr einholen. Wenn er am Sonntag Weltmeister wird, wird er es verschmerzen können. (sid)