Test-Länderspiel
Mohamed Salah gegen Cristiano Ronaldo - ein Augenschein in Zürich zeigt: Die Unterschiede sind gewaltig

Beide schossen sie zuletzt Tore am Laufmeter, man sprach von einem Generationen-Duell, der aktuelle Weltfussballer Cristiano Ronaldo gegen den künftigen, Mohamed Salah? Ein Augenschein beim Testspiel Ägypten gegen Portugal im Letzigrund in Zürich zeigt: Die Unterschiede sind gewaltig.

Sébastian Lavoyer
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Ronaldo gegen Salah
7 Bilder
Mohamed Salah
Ronaldo trifft im Zürcher Letzigrund doppelt
Mohamed Salah bringt die Ägypter in Führung
Seltenes Bild: Cristiano Ronaldo mit der portugiesischen Nationalmannschaft im Zürcher Letzigrund
Mohamed Salah beim Einlaufen vor dem Spiel

Ronaldo gegen Salah

Keystone

Da, wo Cristiano Ronaldo seit Jahren ist, zuoberst, dort, wo das Licht am hellsten scheint; da kommt Mohamed Salah gerade an. Ronaldo war englischer und spanischer Meister, Champions-League-Sieger, nicht nur einmal, sondern viermal, nicht als Mitläufer, sondern als Leader.

Genauso an der EM 2016, wo er mit Portugal den Titel holte. Fünf Mal war CR7 Weltfussballer, er ist eine Marke, ein Unternehmen, eine One-Man-Show. Wo er hinkommt, da kreischen die Fans. Die weiblichen, die männlichen, die jungen und die alten.

Der Pokalschrank der Superstars im Vergleich

Salah hat auch ein paar Pokale in seinem Palmares. Doch dieses liest sich weit bescheidener als jenes von CR-Überflieger: Schweizer Meister, Super-League-Spieler des Jahres, dann Pokalsieger und Meister in England - allerdings als Ergänzungsspieler - bevor er letztes Jahr zu Afrikas Fussballer des Jahres auserkoren wurde. Während Ronaldo schon als Teenager zu Manchester United wechselte, einem der ganz Grossen Klubs, quasi geboren für Grosses, wuselte sich Mohamed Salah die Karriereleiter hoch. Während der Aussetzung der Meisterschaft in Ägypten in die Schweiz zum FC Basel transferiert, dribbelte, sprintete und passte sich Salah hakenschlagend von London via Florenz und Rom nach Liverpool.

Mohamed Salah

Mohamed Salah

Keystone

Die Statistiken des Ägypters sind unter dem deutschen Trainer Jürgen Klopp in neue Dimensionen emporgeschossen. Er wird als Kandidat bei den ganz Grossen gehandelt, bei Real Madrid, Barcelona, Paris Saint-Germain. Als künftiger Weltfussballer. Gar schon der Nachfolger von Ronaldo? Beide versetzen die Massen in Wallungen, das zeigt das Testspiel zwischen Ägypten und Portugal in Zürich vor fast 20’000 Zuschauern. Als ihre Namen über die Lautsprecher durch Stadion hallen, kreischen, trommeln, klatschen und jubeln die Fans auf den Rängen. Auf ihnen ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation, sie sind in ihren Teams die Stars - diskussionslos.

Erst Salah, dann zweimal Ronaldo

Sprintet Salah los, wirbelt der Jubel durch die ägyptischen Reihen, jeder Antritt eine Salve Applaus. Ronaldo kontert mit Übersteigern, Dribblings, Abschlüssen. Alles vorerst erfolglos. Bis Salah Ägypten in Führung schiesst, nach einem Doppelpass, von knapp ausserhalb des Strafraums mit einem Schlenzer. Lausbubenhaft schon fast. Dann kniet er auf den Rasen, legt die Stirn aufs heilige Grün und rennt zurück zur Mittellinie. Der kleine Pharao, angebetet von Liverpool bis Kairo, legt vor. Er hatte davor ein paar Szenen, aber verrissen hat er sich nicht. Wenig später trabt er vom Platz, knapp 80 Minuten sind gespielt.

Ronaldo trifft im Zürcher Letzigrund doppelt

Ronaldo trifft im Zürcher Letzigrund doppelt

Keystone

Portugal setzt zum Schlussspurt an - und Ronaldo dreht das Spiel. Zweimal mit dem Kopf, zweimal in der Nachspielzeit. 2:1 für den Europameister. Und Ägypten-Trainer Hector Cuper muss leicht verwunderten ägyptischen Journalisten beantworten, warum er Salah so früh vom Platz nahm.

«Natürlich ist das Resultat nicht egal, aber das ist ein Testspiel. Ich muss auch einmal etwas ausprobieren können», verteidigt sich der Argentinier. Salah ist der Heilsbringer Ägyptens, der Mann, der das Land erstmals seit 1990 wieder an eine WM schoss. In der Nachspielzeit.

Der Traumtänzer gegen die Erfolgsmaschine - der grosse Unterschied

Das Duell mit Ronaldo, würden nun böse Zungen behaupten, hat er für sich entschieden. 1:0 Salah. Aber da war ja noch mehr. Direkt nach der Pause, Portugal stürmt auf den Platz, angeführt von Ronaldo.

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Und dann müssen sie warten. Die Ägypter lassen sich Zeit. Und am meisten Zeit lässt sich, wie schon beim Einlaufen vor dem Anpfiff des Spiels Mohamed Salah.

Der Anführer dieses Teams, das ist ein anderer. Ebenfalls ein bekanntes Gesicht in Basel: Mohamed Elneny, Arsenal-Söldner und Kopf im Mittelfeld. Salah ist die Seele, das Traumtänzerische, Elneny das Hirn, das Berechnende.

Ronaldo dagegen vereint diese Qualitäten in sich. Er ist Zauberer, aber er tut dies wie ein Architekt mit Lineal und Zirkel. Durchgetaktet wie einst der Fabrikalltag. Und Ronaldo ist zwar ein Leader, einer, der vorneweg geht, antreibt, den Mund aufmacht, was ihn gleichzeitig nicht daran hindert, auf dem Platz entnervt zu reagieren, wenn ein Mitspieler nicht so spielt, wie er sich das vorstellt. Negative Körpersprache. Aber hei, es ist Ronaldo, er dreht das Spiel in der Nachspielzeit. Da ist zwar Mohamed Salah nicht mehr auf dem Platz, aber verziehen wird so einem Spieler trotzdem vieles.

Und so ist Ronaldo irgendwie mehr, weil er mehr in sich vereint. Und zugleich weniger, weil seine Magie irgendwie Strassenstaub auf sich trägt, nicht Sternenstaub wie ihn Salah versprüht. Mit dem Ball und seinen Füssen.

Denn daneben ist der ägyptische Wuschelkopf eher ein Lausbub. Mit diesem verschmitzten Lachen umgeht er fast alles, so wie er das auf dem Platz mit seinen Gegnern tut. Knapp 25 Minuten nach Schlusspfiff kommt er frisch geduscht und im Teamtrainings-Anzug aus den Kabinen des FC Zürich.

«Momo, nur zwei Fragen.» Er lacht und schüttelt den Kopf. Kein Interview. Wie so oft. Aber vielleicht ist es auch gut so, denn wie sollen seine Worte bloss mit dem mithalten können, was er auf dem Rasen veranstaltet?

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