Mladen Petrics Telefon stand in den letzten Tagen kaum einmal still. Der 45-fache Internationale, der seine Karriere 2016 bei Panathinaikos Athen beendet hat, ist ein viel beschäftigter Mann. Seine Meinung zu Kroatiens Höhenflug an der WM in Russland ist gefragt, dazu überlegt er sich, zusammen mit seinem Bruder kurzfristig eine Reise nach Moskau zu organisieren.

Das Telefon bleibt aber auch darum nicht stumm, weil Petric noch immer in Kontakt mit dem Team steht. "Mit Ivan Rakitic habe ich mich ungefähr jeden zweiten Tag ausgetauscht. Ich will wissen, wie es ihm und den Kollegen geht, wie die Stimmung ist und was es sonst zu erzählen gibt." Petric hatte im Februar 2013 sein 45. und letztes Länderspiel bestritten, mit den meisten der kroatischen WM-Teilnehmern spielte er noch zusammen.

«Wir gehören immer noch dazu»

Aus dem EM-Team von 2008, das im Viertelfinal im Penaltyschiessen in Wien an der Türkei gescheitert ist, sind neben Rakitic noch Luka Modric und Vedran Corluka dabei. Petric schwärmt vom "unglaublichen Zusammenhalt", die Mannschaft sei mehr als eine Familie. "Bist du einmal in der Nationalmannschaft, bist du für immer dabei. Wir gehören immer noch dazu."

Der Finaleinzug ist für Petric die "Krönung der letzten zehn bis zwölf Jahre Arbeit". Kroatien sei immer ein Geheimfavorit gewesen. Nun mache es den Anschein, als seien die Talente gereift, als greife ein Rädchen ins andere. "Die Mannschaft ist konstanter geworden. Das Gerüst besteht aus Top-Einzelspielern." Eine wichtige Beobachtung Petrics betrifft den Teamgeist. "Der Zusammenhalt ist nochmals grösser geworden. Das sieht und hört man in den Interviews, alle reden von einer Familie."

Der grosse Anteil des Trainers

Es scheint, als habe Kroatiens Goldene Generation die vermutlich letzte Chance bislang resolut genützt, etwas ganz Grosses zu reissen. Dass die "Vatreni" überhaupt die Möglichkeit erhalten, um den WM-Titel zu spielen, schreibt Petric zu einem gewissen Teil auch Trainer Zlatko Dalic zu. "Mit solchen Einzelspielern ist vieles ein Selbstläufer. Dalic hatte keinen grossen Namen und er übernahm, als die Stimmung nicht optimal war." Am Spielstil habe er nicht viel geändert. "Aber ich denke, es ist sein Verdienst, dass das Team an einem Strick zieht."

Dazu kommt die körperliche und mentale Verfassung der Mannschaft. Kroatien hat durch die drei Verlängerungen gegen Dänemark, Russland (jeweils mit Penaltyschiessen) und England 90 Minuten mehr in den Beinen als Frankreich und hat dazu einen Tag weniger Ruhepause. Für Petric mag das ein Nachteil sein, den er aber nicht gelten lässt. "Der Final ist eine einmalige Chance, es geht ein Bubentraum in Erfüllung. Man vergisst die Müdigkeit und rennt, bis man nicht mehr kann."

Rebic und sein Selbstvertrauen

Das zeigte sich für den ehemaligen HSV- und Dortmund-Stürmer am Beispiel von Mario Mandzukic. Petric war beeindruckt, welch weite Wege der Angreifer von Juventus Turin (nicht nur) gegen England ging - und dann noch das entscheidende Tor erzielte. "Er ist ein Kilometer-Fresser. Wir haben vielleicht das beste Mittelfeld der Welt. Aber in der Abwehr fehlt es an grossen Namen. Für uns ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle defensiv mitarbeiten."

Begehrte Matrjoschka? Jene mit Mario Mandzukic.

Begehrte Matrjoschka? Jene mit Mario Mandzukic.

Petric fällt es schwer, aus dem aktuellen Team einen Namen herauszupicken, der über allem steht. Natürlich ist Luka Modric aufgrund seiner vier Champions-League-Titel mit Real Madrid Kroatiens bester Spieler aller Zeiten und natürlich hat Goalie Danijel Subasic im Penaltyschiessen des Viertelfinals gegen Russland Geschichte geschrieben. "Aber wir haben keinen Goalgetter wie Harry Kane." Der Fakt, dass Kroatien nach Belgien die meisten verschiedenen Torschützen stellt, zeigt für Petric die Geschlossenheit auf.

Einen Spieler nennt der 13-fache Länderspiel-Torschütze gleichwohl noch als Überraschung: Ante Rebic. "Er hat in der WM-Qualifikation kaum eine Rolle gespielt, kam selten zum Einsatz. Sein Doppelpack im deutschen Cupfinal gegen Bayern München scheint ihm unendlich viel Selbstvertrauen verliehen zu haben. Nun ist er aus dem Team nicht mehr wegzudenken."