Die Worte wählt Vladimir Petkovic als Schlusspointe. Und sie könnten nicht besser passen zu ihm. «Manchmal ist es im Fussball wie in der Mathematik. Eins plus eins plus eins gibt vier.» Sagts und lächelt verschmitzt.

Petkovic ist ein Trainer, der gerne einmal ein wenig über den Tellerrand und das nackte Resultat hinaus schaut. Das wusste man schon, bevor einen der Taschenrechner nun belehrt. Jedenfalls erinnert Petkovic gerne daran, dass eine Zeit der Umgewöhnung manchmal Rückschläge wie die Niederlage in Slowenien zur Folge hat. Dass nackte Zahlen wie «Tor-Chancen» oder «Ballbesitz» im Fussball manchmal eben doch lügen.

Ganz klar ein Pflichtsieg

An einem ändert das freilich nichts: Nach dem mathematisch missglückten Start in die EM-Qualifikation hat die Schweiz derzeit keine Joker mehr. Nach den Pflichtsiegen gegen San Marino und Litauen (jeweils 4:0) ist am Freitag gegen Estland der nächste Erfolg gefordert. «Wir müssen, wollen und werden gewinnen», sagt Petkovic. Und fügt an: «Dieses Spiel sollte von uns abhängig sein.»

Im Klartext: Wenn die Schweiz ihre Leistung abruft, dann gewinnt sie drei Punkte. Und verliert zumindest nicht den Anschluss an das punktgleiche Slowenien, das zu Hause gegen San Marino spielen darf. Stand heute ist zu erwarten, dass sich die Schweiz und Slowenien hinter dem entrückten England um Rang zwei und die direkte EM-Qualifikation duellieren werden.

Schwache Bilanz des Gegners

Estland also heisst der Gegner. Ein Team, dessen Stärke Petkovic «irgendwo zwischen Slowenien und Litauen» glaubt. Ein einziges Tor haben die Esten in vier Spielen bislang erzielt. Es reichte zum 1:0-Sieg über Slowenien. Zuletzt kamen die Balten jedoch in San Marino nicht über ein 0:0 hinaus.

Mit Ragnar Klavan (Augsburg) gehört nur ein Spieler aus Estland einem Klub einer Topliga an. Das hindert die Mannschaft indes nicht daran, so leidenschaftlich zu verteidigen, dass jedes Team vor Probleme gestellt werden kann. Darum betont Petkovic: «Manchmal ist es Glückssache, ob man ein frühes Tor erzielt oder nicht. Wenn es nicht gleich von Beginn an läuft, müssen wir geduldig und konzentriert bleiben.» Gegen Litauen gelang dies hervorragend. Auf dem Weg zum 4:0 fiel das erste Tor erst in der 66. Minute.

Das Schweizer Team muss sich noch beweisen

Doch wie gut ist diese Schweizer Mannschaft wirklich? Es ist die Frage, die das Team auch in diesem Jahr wohl noch eine Weile begleiten wird. Denn wirklich etwas zu gewinnen gibt es für die Schweiz erst im September in England wieder. Erst dann kann sie beweisen, zu diesem «Exploit» fähig zu sein, und damit des Trainers Wunsch erfüllen. Bis dahin kann die Schweiz gegen Estland, Litauen und Slowenien nur verlieren.

Die letzten Eindrücke 2014 gegen Litauen und Polen stimmen positiv. Es waren Anzeichen dafür, die «mentale Blockade nach der WM» überwunden zu haben, wie Petkovic sagt und anfügt, dass dies vielen Top-Nationen passiert sei. Die Mannschaft für den Freitag steht weitestgehend. Im Sturm dürfte Drmic den Platz von Mehmedi wieder übernehmen. Xhaka und Rodriguez kehren nach Verletzungen zurück. Wobei es für die drei Punkte ziemlich unerheblich sein muss, wer spielt. Dafür braucht es keine Mathematik.