Matthias Hüppi, während der letzten Saison haben Sie beim FC St. Gallen das Amt des Präsidenten übernommen. Wie ist Ihnen der Wechsel vom Sportreporter / Moderator bei SRF zum Fussballpräsident gelungen?

Matthias Hüppi: Die ganze Sache ist blitzschnell gegangen. Es war ein spannender „Transfer“ innert kürzester Zeit und ich habe bislang keine Sekunde davon bereut. Es ist eine grosse Herausforderung, sehr intensiv und abwechslungsreich. Vor allem zu Beginn war ich wie ein Lehrling und konnte viel Neues lernen.

Schneller Transfer: Innert kürzester Zeit wechselte Matthias Hüppi vom Fernsehstudio ins Fussballstadion.

  

Was sind Ihre ersten Eindrücke?

Dass der FCSG in der Bevölkerung eine riesige Bedeutung hat. Fussball ist in der Ostschweiz sehr wichtig. Deshalb ist aber auch eine Erwartungshaltung da, die nicht immer einfach zu erfüllen ist. Wichtig ist mir, dass wir als Führung Entscheide gemeinsam fällen und so auch zusammen Verantwortung tragen. Ich habe ein tolles, neues Team im Rücken und wir haben das bisher ganz gut hingekriegt.

Kurz nach Ihrer Einsetzung als Präsident hat das Team eine Siegesserie hingelegt, welche zum Saisonende aber von einer längeren Niederlagenserie abgelöst wurde. Wie erklären Sie sich diese Inkonstanz?

Die sportlichen Schwankungen sind beim FC St. Gallen  zu einer Art „Markenzeichen“ im negativen Sinn geworden. Die Gründe für diese Schwankungen sind schwierig zu erklären. Schlussendlich konnten wir den Schaden aber in Grenzen halten und uns mit Platz 5 für das europäische Geschäft qualifizieren.

Wenn Sie nach vorne schauen, was wollen Sie beim FC St. Gallen verändern?

Sportlich geht es natürlich darum, dass wir konstanter werden und wirtschaftlich die Situation im Griff haben. Mit unserer Crew stehe ich in der Verantwortung unserem Publikum mit dem FC St. Gallen Freude zu bereiten. Natürlich passiert das alles nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit, Geduld und viel Engagement. Wichtig ist, dass wir als Team agieren. Es ist kein Sololauf.

Matthias Hüppi (mitte) will als Team agieren und keinen Sololauf hinlegen.

  

Was erhoffen Sie sich vom neuen Trainer Peter Zeidler und weshalb hat gerade er diesen Trainerjob erhalten?

Peter Zeidler hat sehr viel Erfahrung in der Arbeit mit jungen Spielern. Er bringt eine gute Mischung von Bescheidenheit und Selbstbewusstsein mit und er lässt einen mutigen, dynamischen und offensiven Fussball spielen, welcher sicherlich Freude bereiten wird.

Und was erhoffen Sie sich vom bei GC in Ungnade gefallenen Routinier Milan Vilotic, welcher nun beim FC St. Gallen angekommen ist?

Ich vertrete die Meinung, dass jeder Spieler eine zweite Chance verdient hat, wenn er sie nutzen will. Und dies haben wir in den Gesprächen mit Vilotic gespürt. Und sportlich bin ich überzeugt, dass er uns verstärken wird, unsere Abwehr stabilisieren kann und besonders die jungen Spieler viel von seiner Erfahrung profitieren werden.

Milan Vilotic spielt künftig für St. Gallen. Matthias Hüppi gibt ihm eine zweite Chance.

  

Wo sehen Sie den FC St. Gallen in der Tabelle nächste Saison?

Vor allem geht es uns wie gesagt darum, so schnell wie möglich eine gewisse Konstanz über einen längeren Zeitraum zu finden. Und wir wollen zu Hause eine Macht werden, sodass auch Spitzenteams wie YB und Basel Mühe haben hier im Kybunpark Punkte mitzunehmen. Ganz allgemein gesagt haben wir aber aufgrund des Stadions, des Spielerkaders, dem Zuschaueraufmarsch und der Bedeutung in der Ostschweiz schon den Anspruch uns in den Top 5 der Liga festzusetzen. Auch wenn das bei der Ausgeglichenheit der Liga keine Selbstverständlichkeit ist. Und auch im Cup wollen wir in der nächsten Saison ein Ausrufezeichen setzen.

St. Gallen hat die Möglichkeit in dieser Saison europäisch zu spielen. Was erwarten Sie vom Team international?

Zuerst folgt in der zweiten Runde ein schwieriges Spiel gegen die norwegische Mannschaft aus Sarpsborg. Das Ziel ist es dann, die eine oder andere Runde zu überstehen und wenn wir schliesslich sogar im Playoff vor der Gruppenphase der Europa League auch noch einen happigen Gegner aus dem Weg räumen würden, wäre das natürlich ein Traum. Davon ausgehen können wir aber nicht.

Wie ist die Vorbereitung auf die neue Saison verlaufen?

Gut, wir führten das Projekt „Espen on tour“ ein und waren so in den Regionen der Ostschweiz unterwegs und hielten dort Trainingseinheiten ab. So war der Kontakt zur Bevölkerung gegeben. In Bad Ragaz waren wir im Trainingslager. Da ging es hart zur Sache; denn jeder Spieler wollte sich für den endgültigen Kader aufdrängen.

Mit dem Projekt "Espen on tour" war Matthias Hüppi (links) mit der Mannschaft in der Ostschweiz unterwegs.

  

Sie scheinen als Präsident nahe an der 1. Mannschaft zu sein.

Das kann man schon so sagen. Es ist mir wichtig einen guten Kontakt zu pflegen. Aber nicht nur zur Mannschaft, sondern zu allen Personen in diesem Verein. Aber es geht nicht soweit, dass ich dem Trainerteam dreinreden würde.

Noch ein Ausblick in die untere Tabellenhälfte für die anstehende Saison: Für welche Teams wird’s eng?

Erstens ist das schwierig zu sagen und zweitens möchte ich auch nicht despektierlich sein und da gewisse Teams aufzuzählen. Vor allem hoffe ich, dass wir nichts mit dem Kampf um den Ligaerhalt zu tun haben werden. Wir haben andere Ansprüche.

Und gelingt YB die Titelverteidigung?

Wiederum wird der FCB und YB mit den grössten Ansprüchen in die nächste Saison starten. Bis Ende August kann ja auch noch an der Transferfront einiges passieren, denn bisher konnten die Berner ihr Team gut zusammenhalten. So traue ich ihnen wiederum eine hervorragende Saison zu und auf die Reaktion der Basler darf man gespannt sein. Es wird bestimmt spannend.