Die Verlängerung der erfolgreichen Zusammenarbeit war nur eine Frage der Zeit. Seit Favres Ankunft im Ruhrpott im letzten Sommer hat sich der BVB wieder zu einem seriösen Herausforderer des zeitweise entrückten Serien-Champions Bayern München entwickelt. Favre gelang in Dortmund, was er seit seinem internationalen Durchbruch in Berlin geschafft hatte: Er machte seine Auswahl besser.

In der vergangenen Saison spielten die Westfalen erstmals seit ihrem letzten Titelgewinn vor sieben Jahren bis zur 34. Runde um die Meister-Trophäe. Erst im Finish erlitt der zweitklassierte BVB einen Teileinbruch. 76 Punkte, 2,2 im Schnitt, und ein Torverhältnis von 81:44 resultierten. An guten Tagen hob sich Favres Auswahl mit Spektakel, Raffinesse und taktischer Struktur vom Rest der Liga deutlich ab.

Derweil der deutsche Boulevard nach den empfindlichen Fehltritten gegen München (0:5) und im Derby gegen Schalke (2:4) Mentalitätsprobleme suggerierte, blieb Favre gelassen. Vor kurzem blickte der 61-Jährige in einem Gespräch mit der Agentur Keystone-SDA in St-Barthélemy entspannt auf die letzten zwölf Monate zurück. "Es kamen verschiedene Dinge zusammen, Ausfälle verursachten Schwankungen. Im ersten halben Jahr reizten wir das Limit aus. Mit etwas Abstand werden alle zum gleichen Schluss kommen: Es war eine gute Saison."

Auf der Dortmunder Kommandobrücke zweifelte keiner ernsthaft an Favre. Klubchef Hans-Joachim Watzke und Sportchef Michael Zorc hatten bereits im Frühling ihr hohes Interesse signalisiert, mit dem Westschweizer Coach längerfristig zu planen. "Die Entwicklung der Mannschaft ist sehr gut. Das ist in erster Linie das Verdienst von Lucien", betonte Watzke.

Dortmunds Commitment zum Strategen an der Linie passt zur Aufbruchstimmung der Schwarz-Gelben. Rund zwei Wochen vor dem Trainingsauftakt hat der ambitionierte Bundesligist an der Transferfront gepunktet und für gegen 75 Millionen Euro eingekauft: Thorgan Hazard (von Borussia Mönchengladbach), Nico Schulz (Hoffenheim) und Julian Brandt (Bayer Leverkusen) verstärken das Team - und in Kürze dürfte das Comeback von Weltmeister Mats Hummels (Bayern) offizialisiert werden.