Die grössten Zürcher Sportklubs kriseln. Die Grasshoppers ganz besonders und der FC Zürich nach einem Zwischenhoch auch wieder. Hat der FCZ seine Talsohle mit dem Abstieg 2016 durchschritten, manövrieren sich die Grasshoppers von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Immer, wenn man dachte, es gehe nicht mehr schlimmer, bewiesen Klub und Fans zuletzt das Gegenteil. Inzwischen steuert der Rekordmeister ungebremst auf die Challenge League zu.

Der 27-fache Meister ist zum grossen Sanierungsfall des Schweizer Fussballs verkommen. Trainer werden verschlissen, interne Machtkämpfe ausgetragen, Spieler geholt und alsbald wieder aussortiert. Die Fans provozieren einen Spielabbruch, es setzt eine Forfaitniederlage ab. Der Ruf des Klubs ist ramponiert, die Mannschaft am Tabellenende angelangt.

Seit November ohne Sieg

Seit November ist GC ohne Sieg. Es gibt viele Verletzte, aber das ist nur einer von vielen Gründen für das inzwischen chronische Scheitern. Es fehlt an Qualität, vor allem aber an Mentalität und Zusammenhalt. Die Mannschaft ist verunsichert und vermittelt nach einer Serie von Tiefschlägen nicht den Eindruck, den Abstieg noch verhindern zu können - zumal der eben erst genesene Schlüsselspieler Marko Basic erneut ausfällt. Stephan Anliker hat sein Präsidenten-Amt niedergelegt, CEO Manuel Huber räumt seinen Sessel Ende Saison.

Drei Trainer haben sich in den letzten zwei Jahren erfolglos versucht im GC-Sumpf. Sie traten mit teils grossen Worten und Erwartungen an, zerbrachen aber in relativ kurzer Zeit an der Realität. Der vierte, Tomislav Stipic, konnte die Talfahrt bislang nicht stoppen. Er sortierte unter anderem den im letzten Sommer als vermeintlichen Leader und Leistungsträger verpflichteten Raphael Holzhauser aus, dazu Shani Tarashaj und vier weitere Spieler. Nach zwei Unentschieden spricht er von "zwei kleinen Schritten in die richtige Richtung". Der Rückstand auf Neuchâtel Xamax, den Vorletzten, wuchs auf sechs Punkte an.

Harmloser FCZ

Den unrühmlichen Vorgängen beim Derby-Gegner hat es der FC Zürich zu verdanken, dass es bislang um ihn selbst erstaunlich ruhig geblieben ist, obwohl er selbst in eine Krise gerutscht ist. Anfang November noch die Nummer 3 der Liga und im europäischen Geschäft die positive Schweizer Überraschung, droht auch der FCZ noch in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Mit acht Punkten aus neun Spielen ist der Cup-Halbfinalist die zweitschlechteste Mannschaft der Rückrunde, nur GC schnitt noch schlechter ab. "Wir spielen nicht den Fussball, den wir uns vorstellen. Uns fehlt das Selbstvertrauen und deshalb auch die Emotionen", stellt Trainer Ludovic Magnin fest.

Auch der FCZ beklagt gewichtige Absenzen. Auch bei ihm gibt es aber weitere Gründe für den Sinkflug. Einer ist, dass die Mannschaft keine funktionierende Achse mehr hat, ein anderer die erschreckende Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor. Noch bewahren sie beim FCZ Ruhe, eine Niederlage gegen GC könnte das ändern. "Wir sind nicht zufrieden mit der Entwicklung", sagt Sportchef Thomas Bickel. Für das dritte Zürcher Derby der Saison im Letzigrund lässt sich also ableiten: Ein Sieg täte diesmal beiden Mannschaften besonders gut.

Die Super-League-Spiele vom Samstag im Überblick:

Grasshoppers - Zürich (bisherige Duelle der Saison: 1:3, 0:2, 0:2). - Samstag, 19.00 Uhr. - SR Erlachner. - Absenzen: Arigoni, Basic, Kastrati und Sigurjonsson (alle verletzt); Maxsö (gesperrt), Aliu, Guenouche, Kololli, Winter und Odey (alle verletzt). - Fraglich: -; Nef und Marchesano. - Statistik: Das Zürcher Derby ist auch das Duell der beiden schlechtesten Mannschaften seit dem Jahreswechsel. Die seit Ende November sieglosen Grasshoppers holten nach der Winterpause aus neun Spielen drei Punkte, der FCZ acht. Am Ursprung der GC-Durststrecke stand Anfang Dezember der Stadtrivale. Das 0:2 war die zweite von drei Derby-Niederlagen der Hoppers in dieser Saison.

Neuchâtel Xamax - St. Gallen (0:3, 2:3, 2:3). - Samstag, 19.00 Uhr. - SR Delerue. - Absenzen: Kamber (gesperrt); Quintilla (gesperrt), Itten und Wiss (beide verletzt). - Fraglich: Serey Die; Wittwer. - Statistik: Xamax verzeichnet seine beste Phase der Saison. Dank vier Siegen und einem Unentschieden hat sich die Mannschaft von Trainer Stéphane Henchoz in den letzten acht Runden vom Tabellenende abgesetzt. Bei St. Gallen ist es umgekehrt. Drei Niederlagen und ein Remis gegen GC warfen die Ostschweizer zuletzt vom 4. auf dem 7. Platz zurück. Aus den bisherigen drei Duellen mit dem Aufsteiger holte St. Gallen das Punktemaximum.

Rangliste: 1. Young Boys 26/69 (70:25). 2. Basel 27/51 (51:38). 3. Thun 27/38 (51:42). 4. Luzern 26/33 (39:45). 5. Zürich 27/33 (35:39). 6. Sion 26/32 (39:41). 7. Lugano 27/32 (37:40). 8. St. Gallen 27/32 (39:49). 9. Neuchâtel Xamax FCS 27/26 (36:55). 10. Grasshoppers 26/20 (25:48).