«Hau ab, du Sau!» So steht es in den Kommentarspalten von Steven Zubers Instagram-Account. Oder: «Niemand in Hoffenheim braucht ehrenlose Bastarde!» Einer schreibt an die Adresse von Zubers Frau, Mirjana: «Lass dich von dem Judas scheiden! Der kennt das Wort Treue nicht!» Die Anhänger seines Ex-Vereins sind erbost, aber so richtig.

Steven Zubers Jubel sehen Sie ab ca. 3:10 Minuten.

«Ihr» Steven Zuber hat gegen Hoffenheim das 1:1 geschossen, den so wichtigen Ausgleich für den abstiegsbedrohten VfB und dann wagt er es doch tatsächlich zu jubeln.

Und zwar nicht irgendwo, sondern direkt vor dem Gästesektor. Zu allem Übel lässt er sich von den Emotionen so weit tragen, dass er auch noch das Maskottchen umarmt. «Nicht ganz so glücklich», fand sein Ex-Trainer Julian Nagelsmann diese Aktion. 

Zuber hatte vor dem Spiel angekündigt, dass er jubeln würde, falls er träfe. «Ich habe grossen Respekt vor Hoffenheim, aber falls ich ein Tor schiesse, werde ich das Tor bejubeln, weil in unserer Situation jedes Tor sehr wichtig ist», sagte der Zürcher gegenüber den «Stuttgarter Nachrichten».

Dies ausgerechnet vor dem Sektor der Hoffenheim-Fans zu tun, war mit Sicherheit nicht schlau. Denn Zuber ist nur auf Leihbasis in Stuttgart. Eine Kaufoption haben die Schwaben nicht. Zuber dürfte also im Sommer zurückkehren. 

Das wird ihm wohl auch bewusst geworden sein, als der Rausch der Gefühle mal nachliess. Direkt nach dem Spiel sagte er im Sky-Interview noch: «Ich stand einfach da.» Später dann meldete er sich auf Instagram mit einem längeren Kommentar zu Wort.

Zahlreiche Hoffenheim-Fans finden das bloss heuchlerisch. Sie enervieren sich über Zuber, einige Kommentare sind von tiefstem Niveau. Aber es gibt auch andere: «Entschuldigung angenommen!», schreibt einer.

Ein anderer: «Kritik ist okay, aber die Beileidigungen hier sind unter aller Sau.» Oder: «Julian (Nagelsmann, der Trainer; d. Red.) ist selber schuld. Stevie will es ihm halt einfach beweisen. Wir haben ihn zur Ausleihe freigegeben, also müssen wir auch damit leben.»

In Stuttgart sind sie von Zuber hellauf begeistert. VfB-Trainer Markus Weinzierl sagte nach dem 1:1: «Er ist ein Top-Profi, der uns belohnt mit seinen guten Leistungen.»

Für Sportvorstand Thomas Hitzlsperger ist der Exploit von Zuber kein Zufall: «Wenn ich auf den Trainingsplatz schaue, ist Steven Zuber der, der am längsten trainiert. Ich glaube, dass er ein sehr, sehr gutes Beispiel dafür ist, was man erreichen kann, wenn man an sich arbeitet.»