Pedro Lenz
Früher war alles strenger, einfacher, anständiger und besser

Wie es nun eben viele Fussballexperten und alte Leute tun, idealisiert auch Graeme Souness die Zeit, in der er noch aktiv im Fussballgeschehen mitmischte. Mit einer Aussage über Granit Xhaka sorgte er neulich für aufsehen.

Pedro Lenz
Pedro Lenz
Drucken
Teilen
Graeme Souness, hier als Trainer von Newcastle, 2005

Graeme Souness, hier als Trainer von Newcastle, 2005

Keystone

Wie wir alle wissen, haben alte Leute die Tendenz, den jungen Leuten zu sagen, früher sei alles strenger, einfacher, anständiger und besser gewesen. Alte Leute lieben es halt, frühere Zeiten zu idealisieren. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass sie ihrer verlorenen Jugend nachtrauern.

Ähnlich verhält es sich mit den Fussballexperten. Auch sie haben die Tendenz, frühere Zeiten zu erhöhen. Bei den Fussballexperten hat es damit zu tun, dass vergangene Spiele immer besser werden, je länger man darüber spricht. Ausserdem sind Fussballexperten oft ehemalige Spieler, die ihre eigene Zeit für die jeweils beste halten.

Da sich nun dieses Verklären der Vergangenheit besonders bei alten Leuten und bei Fussballexperten beobachten lässt, dürfen wir uns nicht wundern, wenn es bei alten Fussballexperten besonders gehäuft vorkommt. So zum Beispiel bei Graeme Souness (64), einem ehemaligen schottischen Fussballstar, der beides ist, ein alter Mann und ein Fussballexperte.

Als Spieler hatte Souness seine besten Jahre mit dem FC Liverpool, mit dem er zwischen 1978 und 1984 fünf Meistertitel und drei europäische Meistercups gewann. Als Trainer sorgte er 1996 für Furore, als er nach dem Cupsieg mit Galatasaray Istanbul im Stadion des Stadtrivalen Fenerbahçe eine grosse Glatasaray-Flagge in den Mittelkreis steckte. Die Aktion überlebte er nur, weil er die sekundenlange Schockstarre der Fenerbahçe-Fans zur Flucht nutzte.

Seit einigen Jahren arbeitet Graeme Souness als Experte beim TV-Sender «Sky Sports». In dieser Funktion kritisierte er neulich den Schweizer Arsenal-Spieler Granit Xhaka für ein missglücktes Tackling an Manchester-Star Paul Pogba.

Früher, erklärte Souness und meinte mit früher seine Zeit bei Liverpool, da wäre man für ein solches Tackling aus dem Kader gestrichen worden. So einfältig wie Xhaka in den Zweikampf gestiegen sei, spiele nicht einmal ein Elfjähriger im Park.

Wir wissen nicht, ob Graeme Souness mit seinen Qualitäten im heutigen Profifussball auf Premier-League-Niveau mithalten könnte. Fest steht aber wieder mal, dass früher alles strenger, einfacher, anständiger und besser gewesen sein muss. Wir danken dem alten Graeme Souness für diese nicht ganz neue Erkenntnis.

Aktuelle Nachrichten