Vielleicht kommen heute Nachmittag ein paar Neugierige mehr, wenn der FCD mit der Vorbereitung auf die neue Saison beginnt. Das «D» statt des «B» im Vereinsnamen hat er sich redlich verdient und steht für «Desavouieren». Noch selten hat ein Klub sich selber und seine Protagonisten durch eine katastrophale (Nicht-)Kommunikation öffentlich so blossgestellt wie der 20-fache Schweizer Meister aus Basel. Da könnte es doch ganz interessant sein, dem zwischenzeitlich von Sportchef Marco Streller freigestellten Trainer zuzuschauen. Um zu sehen, wie euphorisch ein dergestalt desavouierter Übungsleiter sein zweites Basler Jahr in Angriff nimmt und wie freudig ihm die Spieler zuhören. 

Man könnte jetzt sagen: Alles halb so schlimm! Schliesslich haben sich Team und Trainer Marcel Koller nach dem Spieleraufstand im Dezember professionell zusammengerauft und in der Rückrunde gute Resultate bis hin zum Cupsieg geliefert. Ob dies allerdings noch einmal gelingt, ist fraglich. Sich zusammenzuraufen, mag für eine Weile gehen, eine gute Basis für eine langfristig gedeihliche Arbeit ist es nicht.

Die Basler haben sich durch ihre ungenügende Kommunikation intern wie extern selber in diese Situation hineinmanövriert. Intern muss, so ist zu vermuten, Eiszeit herrschen. Dass es den Medien wert war zu vermelden, es habe am Vorabend des letzten Meisterschaftsspiels ein Telefongespräch zwischen Koller und Streller stattgefunden, macht stutzig. Man fragt sich: Haben die denn sonst nie miteinander geredet? Aber auch der Draht zwischen Präsident Bernhard Burgener und Streller kann nicht so gut gewesen sein, wie der Sportchef noch an der GV Anfang Juni weismachen wollte. Als er davon sprach, sie seien auf einem guten Weg. Dass Streller mit seinem Wunschtrainer Patrick Rahmen vom FC Aarau – hinter Burgeners Rücken? – verhandelte, ist ein Indiz dafür.

Natürlich ist es legitim, innerhalb einer Klubführung einen Trainer unterschiedlich zu bewerten. Doch es darf von einem Profiklub erwartet werden, dass er nach Saisonschluss nicht wochenlang rumeiert, sondern die Differenzen ausdiskutiert, zügig einen Entscheid trifft und diesen kommuniziert. Denn was nützt es dem Klub, mit einem angeschlagenen Trainer in eine neue Spielzeit zu gehen? Von aussen erweckt Rot-Blau den Eindruck, es würden nicht alle in der Führung am selben Strick ziehen und die Kompetenzen seien nicht klar abgesteckt. Es scheint, als führe Burgener sein Personal an der langen Leine und übertrage ihm Verantwortung, um dann doch seinen Willen durchzusetzen: Wer zahlt, befiehlt.

Als Burgener vor ein paar Wochen bei Teleclub über die Investitionen in Indien sprach, räumte er ein, die Fans ungenügend informiert zu haben, und gelobte Besserung. Als dann aber am letzten Freitag Streller den Bettel hinwarf, war die Kommunikation nach aussen erneut ein Desaster. Mit keiner Silbe wurde erwähnt, weshalb der Sportchef zurückgetreten sei. Miserabel war auch, dass das Communiqué erst abgeschickt wurde, als Strellers persönliches internes SMS bei «Blick» bereits online war. Wer immer auch diese Nachricht dem Boulevard zugespielt hatte.

Damit nicht genug. Weil in der Medienmitteilung auch stand, der Klub werde sich in der Causa bis zur Pressekonferenz am Dienstag nicht mehr äussern, war in vielen Redaktionen das Unverständnis gross, dass Burgener dem «SonntagsBlick» exklusiv ein Interview gewährt hatte. Selbst wenn dieses inhaltlich wenig hergab, ist dieses Verhalten ein No-Go. Hat es doch seine eigene Kommunikationsabteilung desavouiert. Burgener hat einmal gesagt, er betrachte den FC Basel als Unternehmen in der Unterhaltungsindustrie. Er hält Wort und sorgt dafür, dass über seinen Klub in der Sommerpause so viel geschrieben und gesprochen wird wie über keinen anderen. Leider nur negativ.

Burgener will nicht in der Öffentlichkeit stehen. Das muss er auch nicht. Den Präsidenten von YB oder jenen von Mönchengladbach kennt auch niemand. Doch die Sportchefs Christoph Spycher und Max Eberl geben diesen Klubs ein Gesicht. Mit Streller haben die Basler ihr Gesicht verloren. Es ist kaum zu glauben, wie schnell aus einem langjährigen Vorzeigeklub ein Chaosverein werden kann. Mit Verlierern an allen Ecken und Enden.

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