Es war ein frustrierender Abend für den FC Liverpool. Er machte vieles richtig und war nach der Pause eine halbe Stunde lang überlegen, drängte den FC Barcelona in die eigene Platzhälfte und hatte seine Möglichkeiten, das 0:1 von Luis Suarez aus der 26. Minute wettzumachen. Dreimal rettete Barças Keeper Marc-André ter Stegen, bevor Lionel Messi wie aus dem Nichts heraus in der 75. und 82. Minute auf 3:0 erhöhte. Der Argentinier traf nach einer glückhaften Aktion zum 2:0 ins leere Tor. Der dritte Treffer kam durch einen herrlichen Freistoss zustande.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp konnte nur die Hände verwerfen angesichts des brutalen Szenarios. Zum Spiel passte eine Szene aus der 84. Minute. Liverpool scheiterte zunächst am auf der Torlinie rettenden Ivan Rakitic und dann am Pfosten. Zum Schluss der Aktion schoss Mohamed Salah am Tor vorbei. Dabei hätten die Engländer, die ohne Xherdan Shaqiri spielten, für ihren Aufwand und ihre spielerische Überlegenheit mehr als bloss einen Treffer verdient gehabt.

Wie rasch und scheinbar unkompliziert der FC Barcelona auch ohne anhaltende spielerische Dominanz eine Abwehr aus den Angeln heben kann, hatte sich aber schon nach einer knappen halben Stunde gezeigt. Ein Seitenwechsel und ein brillanter Pass in die Tiefe von Jordi Alba ermöglichten Luis Suarez das 1:0. Es war nicht nur der wichtige Führungstreffer von Barcelona, sondern auch das 500. Tor in der Champions-League-Geschichte des Klubs. Nur Real Madrid hat diese Marke ebenfalls schon erreicht.

Es ist ein wohl entscheidender Vorteil, mit dem Barcelona nun am kommenden Dienstag an die Anfield Road reist. Der FC Liverpool hat in seinem Stadion zwar schon grosse Handicaps wettgemacht, doch ein solcher Umsturz ist schwer vorstellbar, selbst wenn die "Reds" eigentlich viel Erbauliches in Barcelona gezeigt haben. Oft eroberten die Engländer den Ball schon im Mittelfeld und kamen diverse Male mit Tempo auf den gegnerischen Strafraum zu. Salah und Sadio Mané waren auf den Flanken wirkungsvoll, vermissten aber den angeschlagenen und erst in der Schlussphase eingesetzten Roberto Firmino.

Klopp nominierte in seinem ersten Duell mit Barcelona Georginio Wijnaldum im Sturmzentrum anstelle von Firmino. Der normalerweise defensiver eingesetzte Niederländer trug seinen Teil dazu bei, dass den Katalanen der Spielaufbau schwer gemacht wurde. Liverpool hatte beeindruckend viel Ballbesitz, agierte bemerkenswert mutig in einem Stadion, in dem die Gäste üblicherweise in erster Linie verteidigen und zittern. Liverpool zwang den FC Barcelona in eine ungewohnte Rolle.

Nach einer Stunde ersetzte Barças Trainer Ernesto Valverde mit Philippe Coutinho, dem früheren Liverpooler, sogar einen Stürmer durch den defensiveren Nelson Semedo. Ein Beweis, wie sehr Liverpool dem spanischen Meister speziell in der ersten Viertelstunde nach der Pause zusetzte. Nur konnte sich Klopps Team für die Bemühungen nicht belohnen, vergab durch Mané (35.), James Milner (47.), Salah (53.) und nochmals Milner (59.) seine besten Chancen und wurde in der Schlussphase von Messi sogar noch abgestraft.

Telegramm

Barcelona - Liverpool 3:0 (1:0)

90'000 Zuschauer. - SR Kuipers (NED). - Tore: 26. Suarez (Jordi Alba) 1:0. 75. Messi (Suarez) 2:0. 82. Messi 3:0.

Barcelona: ter Stegen; Sergi Roberto (94. Alena), Piqué, Lenglet, Jordi Alba; Rakitic, Busquets, Vidal; Messi, Suarez (93. Dembélé), Coutinho (60. Semedo).

Liverpool: Alisson; Gomez, Matip, Van Dijk, Robertson; Milner (84. Origi), Fabinho, Keita (24. Henderson); Salah, Wijnaldum (78. Firmino), Mané.

Bemerkungen: Barcelona ohne Rafinha (verletzt). Liverpool ohne Shaqiri (Ersatz) und Lallana (verletzt). Verwarnungen: 39. Lenglet (Foul), 81. Fabinho (Foul), 82. Suarez (Reklamieren), 86. Jordi Alba (Spielverzögerung).