Die Schweizer Nationalmannschaft hat geliefert. Der Sieg in Tiflis war der gewünschte, positive Auftakt in die EM-Qualifikation. Das 2:0 bringt das Team von Vladimir Petkovic in der Gruppe D auf Kurs.

Vier Schweizer Protagonisten sind bei diesem ersten Spiel auf dem Weg an die EM 2020 besonders positiv aufgefallen:

Steven Zuber: Der Mann mit dem Lauf

Steven Zuber wächst an seinen Aufgaben. Beim in der Bundesliga abstiegsbedrohten VfB Stuttgart trifft er und trifft. Die Schwaben haben ihn für die Rückrunde von Hoffenheim ausgeliehen, bald wollen alle Beteiligten zusammensitzen und die Zukunft regeln. Ein Verbleib über die Saison hinaus ist denkbar.

Der Offensivspieler wächst auch an seinen Aufgaben im Schweizer Nationalteam und mausert sich langsam zur festen Grösse in der Stammformation. Gegen Georgien steigerte er sich in der zweiten Halbzeit und stellte die Weichen mit seinem Tor auf Sieg. Zuber traf mit seinem rechten Fuss, mit dem er so wunderbare Dinge machen kann, die andere nicht können.

Aus Steven Zuber wird dann Steven Zauber. So nennt er sich auf Instagram, den Kosenamen gaben ihm bei den Junioren einst die Kollegen bei den Grasshoppers. Zuber sagte: «Die tägliche Arbeit zahlt sich aus, doch für mich soll es noch viel, viel weiter gehen. Ich stecke mir keine kleinen Ziele. Weil man sonst nur Kleines erreicht.»

Stephan Lichtsteiner:Die erfolgreiche Rückkehr

In seinem 104. Länderspiel bewies Stephan Lichtsteiner, dass er da ist, wenn es ihn braucht. Und dass mit dem Captain der Schweizer Nationalmannschaft auch weiterhin zu rechnen ist. Morgen ab 20.45 Uhr in Basel gegen Dänemark, am Final Four im Juni in Portugal – und vielleicht an der EM im Sommer 2020. Sofern sich die Schweiz wie von allen erwartet für die Endrunde qualifiziert.

Lichtsteiners Nati-Auftritte schränken Michael Lang oder Kevin Mbabu ein, die Aspiranten auf seine Position. Es ist kaum anzunehmen, dass Vladimir Petkovic weiter drei rechte Verteidiger nominieren wird. Lichtsteiner spielte in Tiflis mit Leidenschaft solid. Auf der rechten Seite hatte der 35-Jährige gute und schlechte Momente, defensiv wie offensiv. Doch das Positive überwog. Einzig das ärgerliche Lamentieren mit dem Schiedsrichter, das wird er wohl nicht mehr abstellen. Aber dann wäre Lichtsteiner auch nicht mehr Lichtsteiner.

Fabian Schär: Der Beste trotz Kopfweh

Er musste am meisten leiden und der Kopf von Fabian Schär brummte noch lange nach dem Zusammenprall in der 24. Minute mit dem Georgier Jemal Tabidze. Kurzzeitig wurde es sogar hektisch, weil die Gefahr bestand, dass Schär seine Zunge verschluckt hatte. Das war zum Glück nicht der Fall.

Der Innenverteidiger biss auf die Zähne und schwang sich zum besten Mann des Spiels empor. Mit einem weiten, raumöffnenden Pass stand der Ostschweizer am Ursprung des ersten Tors, sein Dribbling war die Initialzündung für den zweiten Schweizer Treffer. Für solche Aktionen braucht es Mut und Können.

Die Leistungen im Klub mit Newcastle tun Schär gut und geben ihm Auftrieb. Er steht damit stellvertretend und als Musterbeispiel für viele Schweizer Spieler, die im Vereinsalltag mit starken Leistungen Selbstvertrauen tanken und die positive Grundstimmung in die Nationalmannschaft tragen. Und der Kopf? «Halb so schlimm», sagt Schär.

Vladimir Petkovic: Einer mit dem Riecher

Vladimir Petkovic wollte das 2:0 nicht überbewerten – und sprach von einem ersten Schritt. Georgien stand tief und liess zu Beginn wenig zu. Doch es ist das Verdienst des Trainers, dass sich die Schweizer Spieler in Petkovics viereinhalbjährigen Amtszeit auch unter schwierigen Voraussetzungen am Ende durchsetzen. Dass sie sich in diesen nicht leichten Spielen gegen Aussenseiter eine Selbstverständlichkeit angeeignet haben, irgendwann ein Tor zu erzielen. Und dass sie am Ende immer gewinnen.

Zwar haben die Schweizer oft Mühe, in die Partie zu finden. Und es ist rätselhaft, weshalb das so ist. Doch Petkovic kann ein Spiel gut lesen, und schon oft hatte er den richtigen Einfall in seinen bereits 51 Länderspielen an der Seitenlinie.

Er wechselt dann zwischen den verschiedenen Spielsystemen, die seine Mannschaft beherrscht. Die Dreier- oder Vierer-Abwehr bringt dem Team Variabilität und Flexibilität und damit Vorteile in Tiefe wie Breite. Oder er wechselt sein Personal während des Spiels und damit manchmal auch den Sieg ein.

Gegen Georgien brachte die Hereinnahme von Albian Ajeti für Mario Gavranovic den Schweizern neuen Schwung. Zudem hat es Petkovic geschafft, den Konkurrenzkampf nach der WM zu schüren und dem Kader mit neuen, jungen Spielern mehr Breite zu geben.

Nun will er für Konstanz sorgen. Damit auch die Neuen sein Vertrauen spüren. Am Dienstag gegen Dänemark soll der nächste Schritt folgen.