Bundesliga
Die Schweizer Legionäre der Fussball-Bundesliga im Formcheck

Von Schattenmännern, Neueinsteigern und Unantastbaren. Die Schweizer Bundesliga-Söldner haben im Haifischbecken Bundesliga Spuren hinterlassen. Die Protagonisten lassen sich zum Rückrundenstart in Gruppen einteilen. Wir zeigen welche.

Calvin Stettler und François Schmid-Bechtel
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Keystone
Granit Xhaka, 23, Mönchengladbach

Granit Xhaka, 23, Mönchengladbach

Uwe Speck/Witters/freshfocus

Die Unantastbaren:

Um Ansehen muss Granit Xhaka in Gladbach schon lange nicht mehr ringen. Seit 2012 spielt er bei den Fohlen – und dies äusserst formidabel. Nicht nur taktisch spielt der Ex-Basler längst eine zentrale Rolle. In dieser Hinrunde stockt die Favre’sche Offensivmaschinerie aber erstmals. Auch Xhaka wirkt gehemmt, nur die Emotionen sprudeln.

Die erste Spielsperre gibt es am dritten Spieltag. Zwei Runden später demissioniert Favre. Neo-Trainer Schubert befördert den 23-Jährigen zum Captain. Xhaka könne mit seiner emotionalen Art die Mitspieler mitreissen, aber er müsse auch diszipliniert spielen, befindet der Chef. Xhaka soll lernen, «Verantwortung zu übernehmen.»

Der Schweizer Nationalspieler nimmt die Aufgabe an, orchestriert Gladbachs Auferstehung magistral. Doch nun tritt Xhaka seine Binde an Team-Doyen Martin Stranzel ab. «Aus Respekt», wie er sagt. Vielleicht ist es aber auch ein erster Schritt in Richtung Abschied, denn die längst erweckten Begehrlichkeiten der ganz grossen Klubs (Arsenal, Bayern, Liverpool, ManU) haben in den vergangenen sechs Monaten nochmals zugenommen.

Diego Benaglio

Diego Benaglio, 32, Wolfsburg – Verpasst die ersten drei Spiele wegen Rückenproblemen, muss aber nie um seinen Stammplatz bangen.

Yann Sommer

Yann Sommer, 27, Mönchengladbach – Nicht einmal ein Nasenbeinbruch kann Sommer länger ausser Gefecht setzen, gesamthaft eine solide Hinrunde.

Marwin Hitz

Marwin Hitz, 28, Augsburg – Trotz einer zähen Hinrunde, bewährt sich der Ostschweizer als Lichtblick zwischen den Pfosten.

Ricardo Rodriguez

Ricardo Rodriguez, 23, Wolfsburg – Spielt nicht den besten Fussball in dieser Hinrunde, bleibt auf der linken Seite aber sakrosankt und für die grossen Klubs Europas ein Objekt der Begierde.

Fabian Lustenberger

Fabian Lustenberger, 27, Hertha Berlin – Als Captain geniesst Lustenberger uneingeschränktes Vertrauen, dieses zahlt er mit starken Auftritten zurück.

Nico Elvedi, 19, Mönchengladbach

Nico Elvedi, 19, Mönchengladbach

Keystone

Die Aufsteiger:

24 Einsätze in der Promotion League, 18 Super-League-Spiele und drei Auftritte im Schweizer Cup. Dieser bescheidene Leistungsausweis ist jener von Nico Elvedi, bevor er im Sommer nach Gladbach wechselte. Für vier Millionen Euro.

Eine Ablöse, die Nahrung ist für Skeptiker. Vorerst sind sie im Recht. Elvedi steigt in der zweiten Mannschaft der Fohlen ein. Gladbach-Coach Lucien Favre will nichts überstürzen. Regionalliga und Viertklassigkeit für jenen Schweizer, den Sportdirektor Max Eberl als «grosses Talent» deklariert.

Als Lucien Favre nach fünf sieglosen Spieltagen demissioniert, übernimmt André Schubert, der bisherige Chef der zweiten Gladbacher Mannschaft. Schubert kennt Elvedi und dessen Stärken, attestiert ihm bald Bundesliga-Tauglichkeit und gewährt dem 19-Jährigen Anfang November erste Schnuppereinheiten auf der grossen Bühne. Gegen Bayern München spielt Elvedi erstmals über die volle Distanz. Chef Schubert sieht in diesem Spiel keinerlei Überforderung in den Aktionen des Schweizer. Die Skeptiker staunen.

Roman Bürki

Roman Bürki, 25, Borussia Dortmund – Brillierte noch nicht vollends, doch die grosse Bühne hat der Ex-GC-Goalie mit eindrücklichem Tempo erklommen.

Admir Mehmedi

Admir Mehmedi, 24, Leverkusen – Trotz langem Schatten von Stürmerstar Chicharito, spielt er regelmässig und trifft – vor allem in der Champions League.

Ulisses Garcia

Ulisses Garcia, 20, Werder Bremen – Kommt aus dem Nichts und überzeugt auf der linken Seite. Zwei kleinere Verletzungen vereiteln eine perfekte Hinrunde.

Haris Seferovic, 23, Eintracht Frankfurt

Haris Seferovic, 23, Eintracht Frankfurt

KEYSTONE/AP/JOERG SARBACH

Die Absteiger:

«Ich will nach oben», sagte Stürmer vor der Saison. Da war keiner, der ihn bremste. Warum auch? Schliesslich ist Seferovic in Frankfurt durchgestartet, hat in seiner ersten Bundesliga-Saison zehn Treffer erzielt. Ausserdem hat er nach Jahren der Irrwege durch Südeuropa (Florenz, Lecce, Novarra, San Sebastian) in der hessischen Bankenmetropole eine Art Heimathafen gefunden und gleichzeitig sein Flegelimage ablegen können.

Allein, dass im Sommer das Werben einiger englischer Klubs relativ geräuschlos über die Bühne gegangen ist, spricht für die neue Professionalität von Seferovic. Also alle Ampeln auf Grün für die grosse Seferovic-Show? Ja, nur ohne den Innerschweizer in der Rolle des Showmasters. Seferovic war nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut und blieb insgesamt weit hinter den eigenen Erwartungen (nur 3 Tore).

Denn es sollte seine Saison werden. Die Qualitäten dazu hat er, die Einstellung mittlerweile auch. Deshalb ist es nicht gewagt, im Zusammenhang mit Seferovic nur von einem Zwischentief zu sprechen.

Josip Drmic

Josip Drmic, 23, Mönchengladbach – Aus Gladbachs Königstransfer wurde ein Teilzeitarbeiter ohne Fortune. Deshalb wird bereits wieder über einen Wechsel des Stürmers zu Hannover spekuliert.

Fabian Schär

Fabian Schär, 24, Hoffenheim – Stammspieler nur in den ersten fünf und den letzten vier Spielen der Hinrunde. Dazu der Absturz ans Tabellenende. Kann sich der Beckenbauer im Hosentaschenformat an die Intensität und den Rhythmus der Bundesliga anpassen?

Valentin Stocker, 26, Hertha Berlin

Valentin Stocker, 26, Hertha Berlin

KEYSTONE/EPA dpa/OLIVER MEHLIS

Die Schattenmänner:

Berlin erlebt ein Märchen, das an jene Zeit mahnt, als Lucien Favre noch im Olympiastadion dirigierte. Die Hertha spielt vorne mit, nach 17 Spieltagen liegt sie auf Rang drei und mit Pal Dardai steht ein Trainer-Novize an der Seitenlinie. Mittendrin: Valentin Stocker, 26, der viertteuerster Einkauf der Hertha-Geschichte.

Seit Sommer 2014 weilt er in der Bundeshauptstadt. Im ersten Jahr bleibt der Exploit aus, die portionierten Lichtblicke in der Rückrunde entschädigen ein wenig. Als kreativer Impulsgeber wurde er einst angekündigt, heute warten sie in Berlin noch immer auf Valentins Tag. Nicht nur taktisch ist Stocker längst zur Randerscheinung verkommen.

In 645-Bundesliga-Minuten steht in dieser Spielzeit ein einziger Treffer zu Buche. Mit Mitchell Weiser und Vladimir Darida im Sommer sowie nun Sinan Kurt hat die Hertha auf Stockers bevorzugten Positionen zusätzlich Qualität erworben. Die Stocker-Aktien sinken und sinken.

Djibril Sow

Djibril Sow, 18, Mönchengladbach – Die Profis sind kein Thema. Bei Gladbachs zweiter Mannschaft spielt der Offensivspieler, wird dann aber durch eine Verletzung lahmgelegt.

Steven Zuber

Steven Zuber, 24, Hoffenheim – Startet gleich mit einem Tor in die neue Bundesliga-Saison, doch der positive Eindruck verflüchtigt, findet mehrmals keinen Platz im Kader

Andreas Hirzel

Andreas Hirzel, 22, Hamburger SV – Die Verkündung, dass ein kaum wahrgenommener Schweizer zum HSV wechselt, war spektakulär. Dass der dritte Goalie gar zu 50 Einsatzminuten kommt, ebenso.

Fabian Frei, 27, Mainz

Fabian Frei, 27, Mainz

imago/Martin Hoffmann

Der Pechvogel:

Mainz ist nicht die ganz grosse Nummer. Aber für einen Spieler wie Fabian Frei, der nicht mehr ganz jung und kein Stammgast in der Nationalmannschaft ist, die perfekte Anlaufstelle. Erfolgsdruck, mediale Aufmerksamkeit und Ungeduld sind bei anderen Bundesliga-Klubs um ein vielfaches grösser als in Mainz. Frei wurde als Chefstratege im Mittelfeld geholt.

Aber bereits im dritten Spiel zog er sich einen Sehnenteilriss am hinteren Oberschenkel zu – Out bis zur Winterpause. Weil das Team des Schweizer Trainers Martin Schmidt eine überraschend starke Vorrunde gespielt hat und nur drei Punkte Rückstand auf einen Europa-League-Platz hat, muss der 27-Jährige nun um seinen Platz kämpfen.

Trainer Schmidt sagt: «Frei ist fit und bereit.» Aber Schmidt sagt auch: «Fabian ist in der Rolle des Herausforderers.» Das war er letztmals, als er 2011 von St. Gallen zum FC Basel zurückgekehrt ist.

Timm Klose, 27, von Wolfsburg zu Norwich

Timm Klose, 27, von Wolfsburg zu Norwich

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Die Aussteiger:

Sommer 2011. Timm Klose, lange Zeit ein wenig beachteter Spieler, wechselt vom FC Thun nach Nürnberg. Nur zwei Jahre später der Transfer zu Wolfsburg. Die nächste Überraschung. Denn in der VW-Stadt wird eine Mannschaft designt, die sich dauerhaft in den Top-4 festsetzen soll.

Klose steht nur fünfmal in der Startformation. Statt den Klub zu wechseln, beisst sich der Basler durch und wird in der formidablen letzten Saison (Platz 2) zum Fixstarter. Trotzdem holt Wolfsburg den bei Bayern München ausrangierten Stolperer Dante und setzt diesen Klose gar vor die Nase. Klose hat in Wolfsburg seine Schuldigkeit getan. Mehr noch: Sein Transfer zu Norwich City spült 11 Millionen Euro in die Kasse.

Francisco Rodriguez

Francisco Rodriguez, 20, Wolfsburg – Der Offensivspieler kam nur zu einem Einsatz. Er soll ausgeliehen werden. Bielefeld und Celtic Glasgow stehen zur Debatte.

Albian Ajeti, 18, von Basel zu Augsburg

Albian Ajeti, 18, von Basel zu Augsburg

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Der Einsteiger:

Es zeichnete sich ab, dass diese Momentaufnahme ein kurzes Ablaufdatum haben würde. Der FC Basel beorderte Jungstürmer Albian Ajeti Anfang Jahr ins U21-Team der Basler. «Um die Situation etwas zu beruhigen», so Sportchef Georg Heitz. Wer mit Ajetis bornierten Zügen vertraut ist, wusste aber, dass dies keine langfristige Lösung sein kann.

So auch FCB-Sportchef Heitz, der einen möglichen Abgang als «denkbar» kommentierte. Denn Ajeti schlug eine Vertragsverlängerung aus. Er strebte nach Grossem. 311 Minuten hat er in der Super League erst absolviert, Dauergast war er nur in der Promotion League. Nun wechselt Ajeti zu Augsburg.

So gesehen erinnert dessen Einstieg an jenen von Gladbachs Nico Elvedi. Nur: Ajeti unterstreicht, dass Augsburg ihn als Verstärkung betrachtet. Möglicherweise verschweigt der 18-Jährige die drei entscheidenden Wörter am Ende dieses Statements: für die Zukunft.