Fussball-Regeln

Die Hands-Regeln sind theoretisch top, praktisch aber ein Flop

Handspiel oder nicht? Eine Frage, an der sich die Geister (zu) häufig scheiden.

Handspiel oder nicht? Eine Frage, an der sich die Geister (zu) häufig scheiden.

Nicht zum ersten Mal sorgte am vergangenen Wochenende in der Bundesliga die undurchsichtige Handspielregel für rote Köpfe. Trainer wie Lucien Favre zählen zu den Kritikern – auch Schiedsrichter hätten es mit klareren Regeln einfacher.

Es läuft die 30. Minute im Bundesligaspiel vom vergangenen Sonntag in Mönchengladbach, der Mainzer Flügelspieler flankt zur Mitte und Julian Korb, Gladbachs Verteidiger, wehrt den Ball mit der Hand zum Eckball ab. Ein klarer Penalty, die Experten sind sich einig. Trotzdem ist Lucien Favre nach dem Spiel wütend und gibt zu Protokoll, dass diese Regel absurd sei und sicherlich nicht von einem Fussballexperten entwickelt worden sein könne. Wieso regt sich ein Trainer so fürchterlich auf, obwohl der Schiedsrichter zweifelsfrei richtig entschieden hat?

Die offizielle Regel besagt, dass ein Berühren des Balles mit der Hand strafbar ist, wenn der Kontakt absichtlich geschieht. Dabei sollen die Schiedsrichter die Bewegung der Hand zum Ball, die Entfernung zwischen Gegner und Ball und die Position der Hand in Erwägung ziehen. Vor allem der letzte Punkt gibt oft zu reden, die Formulierung lässt viel Interpretationsspielraum.

Die Frage nach der unnatürlichen Handposition

Dieser Regelteil wird laut dem ehemaligen Spitzenschiedsrichter Urs Meier so ausgelegt, dass ein Handspiel dann zu ahnden ist, wenn eine unnatürliche Handposition vorliege oder wenn die Körperfläche vergrössert wird. «Solche Szenen werden in den Schiedsrichterschulungen analysiert und besprochen», bekräftigt auch Johannes von Mandach, Schiedsrichtertalent aus Brugg.

Offensichtlich aber nicht oft genug, denn die Diskussion nimmt kein Ende. Natürliche Bewegung oder nicht? Körper vergrössert oder nicht? Werden die Schiedsrichter schlicht überfordert? Man könnte über jede Situation ein Urteilsdossier eröffnen, so viele Aspekte müssen bei einer solchen Entscheidung berücksichtigt werden. Doch dem Schiedsrichter bleibt keine Zeit für Bürokratie. Jedes Zögern des Unparteiischen wird bereits als Unsicherheit taxiert. Schnelles Entscheiden ist gefordert.

Noch keine Lösung gefunden

Im Moment sind die Verbände bestrebt, die Schiedsrichter für diese sehr schwierige Aufgabe besser zu schulen. Doch wäre es nicht sinnvoller, die Regel zu konkretisieren und somit zu vereinfachen, um ihren Interpretationsspielraum einzudämmen? Wäre es, ist Schiedsrichter von Mandach überzeugt: «Oft ist es nur schon schwierig zu sehen, ob der Ball überhaupt mit der Hand berührt wurde oder nicht.» Und nach kurzem Überlegen fügt er an: «Wir Schiedsrichter wären vielleicht schon so gut instruiert, dass die Regel klar anwendbar wäre, jedoch ist den Spielern teilweise nicht klar, wie die Regel zu verstehen ist und das birgt leider auch Potenzial für Gehässigkeiten auf dem Platz.»

Opposition gegen radikale Regel-Vorschläge

Einem radikalen Regelvorschlag, bei dem jeder Kontakt mit der Hand automatisch zu bestrafen wäre, ausser wenn der Arm am Körper komplett angelegt ist, stehen Fussballer skeptisch gegenüber. «Es kann nicht sein, dass Abwehrspieler plötzlich mit den Händen auf dem Rücken verteidigen müssen», erklärt Sven Christ, Trainer des FC Aarau und langjähriger Innenverteidiger. Der ehemalige Bundesligaprofi Thomas Strunz ist der gleichen Ansicht: «Ein Spieler kann sich, wenn er reingrätscht, ja nicht mit dem Ohrläppchen aufstützen, um das Handspielrisiko zu minimieren.»

Dass Meier und von Mandach eine radikale Regel (immer Handspiel, ausser der Arm ist komplett am Körper angelegt) begrüssen würden, liegt auf der Hand. Denn eine solche Regel würde die Arbeit für die Unparteiischen enorm erleichtern.

Meistgesehen

Artboard 1