Schweizer Cup

Die Berner Hoffnungen ruhen auf dem Cup

Adi Hütter soll sein Team im Cup möglichst weit bringen, sehnen sich die Berner doch nach einem Titel.

Adi Hütter soll sein Team im Cup möglichst weit bringen, sehnen sich die Berner doch nach einem Titel.

Adi Hütter gestaltete am Sonntag auch sein zweites Spiel als YB-Trainer erfolgreich und steht mit den Berner nach einem 2:0 in Chiasso im Achtelfinal.

Es läuft die 70. Minute im Riva IV, dem schmucken Stadion des Challenge-Ligisten Chiasso, als ein regelrechter Vulkan ausbricht. Chiasso-Trainer Marco Schällibaum rennt wie von der Tarantel gestochen auf YB-Mittelfeldspieler Leonardo Bertone zu, kann gerade noch von seinen Spielern zurückgehalten werden.

Doch was brachte den ehemaligen YB-Trainer zur Explosion? Bertone säbelte Chiasso-Angreifer Alessandro Ciarrocchi um – direkt vor Schällibaums Nase. Auch mehrere YB-Spieler waren in die folgenden Rudelbildungen involviert. Diese lösten sich erst auf, als YB-Trainer Adi Hütter zum Spielerknäuel hinzustiess und die Protagonisten beruhigte.

Es war eine bezeichnende Situation für den neuen Chef der Young Boys. Hütter stand schon den ganzen Nachmittag über ruhig und selbstsicher an der Seitenlinie, als wäre das Spiel gegen Chiasso eine Partie wie jede andere. Doch der Schein trügte, denn hätte das Team von Hütter gestern verloren, wäre es für sie in den folgenden acht Monaten nur noch um die goldene Ananas gegangen. Die Berner konnten sich nämlich weder für das europäische Geschäft qualifizieren, noch spielen sie in der Meisterschaft eine tragende Rolle.

YB nützte «letzte Chance»

Der Cup ist also die einzig verbliebene Titelchance. Ausgerechnet der Wettbewerb, wo sich die Berner in jüngster Zeit bis auf die Knochen blamierten. Die 0:1-Schlappe gegen die vier Ligen unter ihnen spielenden Amateure aus Buochs dürften die Spieler und Fans noch nicht vergessen haben. Dementsprechend war Adi Hütter gewarnt, nicht den gleichen Fehler wie sein Vorgänger Uli Forte zu machen, der seine Mannschaft vor der 2. Runde gegen Buochs auf sieben Positionen veränderte.

Tatsächlich hatte er bei sommerlichen 26 Grad die genau gleiche Elf aufs Feld geschickt wie schon beim Kantersieg gegen Vaduz (4:0). Gegen Chiasso, immerhin dritter der Challenge League, blieben die Berner lange Zeit blass. Doch auch das Team von Schällibaum enttäuschte und konnte offensiv keine Akzente setzen. Es brauchte eine Standard-Situation in der 38. Minute, die YB in Führung brachte. Alexander Gerndt stieg nach einem Sulejmani-Freistoss am höchsten und köpfte den Ball zur Pausenführung ins Tor. Weil der schwedische Torjäger gleich nach dem Pausentee nach einem Eckball auf 2:0 erhöhte, schien das Spiel gelaufen zu sein. Doch dann kam die 70. Minute, die dem langweiligen Cup-Spiel endlich Zündstoff gab. Ohne jeglichen Grund grätschte Bertone Chiarrocchi um. «Über diese rote Karte gibt es keine zwei Meinungen. Das wird Konsequenzen haben», kündigte Hütter nach Spielschluss an.

Das Spiel entwickelte sich nach dem Platzverweis endlich zum ersehnten Cup-Fight. Chiasso stemmte sich gegen das drohende Aus. Die YB-Ausgabe des Monats August hätte dieses Spiel wohl noch aus der Hand gegeben. Zugegeben: Es wurde auch gestern noch einmal brenzlig. Aber es war wohl das Glück des Tüchtigen, dass Maccoppis Schuss (72.) nur die Latte streifte und Contelezzi (86.) das offene Tor verfehlte.

Hütter fordert Steigerung

«Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat bis zum Schluss alles gegeben», sagte Schällibaum mit heiserer Stimme, der nach Spielschluss wieder lachen konnte. Auch Hütter attestierte den Tessinern «eine sehr gute Leistung», sie selber haben aber noch Verbesserungspotenzial. «Wir haben die Räume zu breit gemacht, dass muss am Mittwoch besser werden.» Dann spielt YB nämlich zu Hause gegen den FC Basel. Die letzte Chance, um in dieser Saison nicht gänzlich vom ungeliebten Cup-Wettbewerb abhängig zu sein.

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