Es war eine schwierige Saison für das Schweizer Nationalteam. Sie begann im August mit dem lauten und mit grossem medialen Echo begleiteten Rücktritt von Valon Behrami, gefolgt von der auch teaminternen Aufarbeitung der Geschehnisse rund um die Doppeladler-Affäre an der WM mit langen Gesprächen in Feusisberg sowie einem öffentlich wirksamen Auftritt des ganzen Teams anlässlich eines Medientermins im September. Danach kam beim 6:0 gegen Island zum Auftakt in die Nations League sowie beim begeisternden 5:2 gegen den WM-Dritten Belgien die Versöhnung mit dem Publikum. Dazwischen gab es aber auch drei Niederlagen in vier Länderspielen, darunter das peinliche 0:1 gegen Katar.

Es folgte der Frühling und zunächst ein standesgemässer Start in die EM-Qualifikation mit dem 2:0 in Georgien, dann aber das turbulente 3:3 gegen Dänemark, das sich nach drei Gegentoren in den letzten zehn Minuten wie eine Niederlage anfühlte. Schliesslich gab es die Niederlage am letzten Mittwoch im Halbfinal der Nations League gegen Europameister Portugal beziehungsweise den dreifachen Torschützen und Superstar Cristiano Ronaldo. Begleitet wurde die ganze Saison von der On-Off-Beziehung zwischen Nationaltrainer Vladimir Petkovic und seinem Captain Stephan Lichtsteiner.

Weniger Punkte...

Dieses Auf und Ab führte zu einer auch statistisch zwiespältigen Bilanz. Die Schweiz hat von neun Spielen vier gewonnen und vier verloren. Gibt es am Sonntag gegen England eine Niederlage, schliesst die Schweiz erstmals seit 2009/10 eine Saison mit einer negativen Bilanz ab. Siegt sie nicht, hat sie mit nur vier Erfolgen so selten gewonnen wie zuletzt 2010/11, als es sogar nur zwei Siege gab. Und nur bei einem Erfolg kann die Schweiz verhindern, dass der Punkteschnitt zum Saisonende nicht so tief ist, wie letztmals vor acht Jahren.

Man muss diese negativen Szenarien im Hinterkopf haben, weil der Gegner am Sonntag ein Grosser ist. Und sogar jener Grosse, gegen den die Schweiz länger nicht mehr gewonnen hat als gegen die anderen. 38 Jahre wartet sie mittlerweile auf einen Sieg gegen England. Solche Mannschaften also schlägt die Schweiz nur selten. Vor neun Monaten etwa unterlag sie England in einem Testspiel in Leicester 0:1, obwohl sie gut spielte und weitgehend dominierte.

Damals hat die Schweiz erstmals unter Petkovic mit einer Dreierabwehr gespielt. Es war das Signal, neue Wege zu beschreiten, mit einem neuen System, aber auch mit neuen Spielern. Je nach Lesart wurde in Leicester der sanfte Umbruch oder die Phase der Weiterentwicklung eingeläutet. Für Petkovic geht es dabei weniger um das System als um die Prinzipien der Spielphilosophie. Sein Team soll den Ballbesitz verbinden mit mehr Tempo und mehr Tiefe in den Aktionen.

...aber mehr Tore

Gegen Portugal hat dies am Mittwoch phasenweise gut geklappt. Die Schweizer stiessen oft in die gefährliche gegnerische Zone vor. In anderen Länderspielen der letzten Monate hatte dies dazu geführt, dass die Schweiz zu mehr Chancen gekommen war und mehr Treffer erzielt hatte als früher. 20 Tore in neun Spielen sind es bisher in dieser Saison. Das ist die beste Trefferquote seit 2002/03, als unter Jakob Kuhn in neun Partien 21 Tore gelangen.

Dieser Wert deutet an, dass in dieser Saison auch einiges gut war. Denn wie auch immer die definitive Bilanz am Sonntag nach dem Spiel gegen England ausfällt, Petkovic und sein Team haben eine solide Basis für die nächste Saison geschaffen.