Super League
Den Bock umgestossen: Der FC Basel holt sich den dritten Meisterschaftssieg

Der FC Basel findet nach zwei Niederlagen in Serie zum Siegen zurück und schlägt Lausanne im Nachholspiel mit 2:1.

Céline Feller
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Captain Valentin Stocker steht mit seinem Tor zum 1:0 am Ursprung des dritten Basler Liga-Sieges.

Captain Valentin Stocker steht mit seinem Tor zum 1:0 am Ursprung des dritten Basler Liga-Sieges.

freshfocus.ch

Ein bisschen muss er selber über seinen Spruch lachen. «Wir müssen einfach endlich einmal den Bock umstossen» – so formuliert Valentin Stocker am Samstag nach der Niederlage gegen die Young Boys die Lage des FC Basel. Und obschon die Aussage etwas flapsig ist, so scheint sich Stocker in seiner Vorbildrolle als Captain, aber auch der Rest der Mannschaft den Kern der Botschaft zu Herzen genommen zu haben. Stocker allen voran, weil er am Ursprung des erst dritten Meisterschaftssieges des FC Basel steht.

Nach zuletzt zwei Niederlagen gegen den FC Zürich und die Berner Young Boys stand der FCB und auch sein Trainer Ciriaco Sforza bereits unter Druck. Mit einem Spiel weniger als YB wiesen die Basler bereits acht Punkte Rückstand auf den Leader auf, sind in Europa schon ausgeschieden. Dazu kamen drei Niederlagen in der Liga in nur sechs Spielen. In der Summe ist das gleichbedeutend mit dem schlechtesten Saisonstart seit 19 Jahren. Ein Fakt, der eine Reaktion unabdingbar gemacht hatte. Ein Antwort, ein Zeichen, ein Umstossen des Bockes war gefragt. Kurzum: Ein Sieg gegen Aufsteiger Lausanne im Nachholspiel der fünften Runde war alternativlos.

Das Warten auf ein Spiel zu Null

Zwar dauert es nur 22 Sekunden, bis der FCB ein erstes Mal zittern muss. Aber Lausanne vergibt die frühe Chance und gibt sich danach lange nur noch als hartnäckiger Gegner, nicht aber als torgefährlicher. Die Basler ihrerseits bekunden lange Mühe vor dem Tor, weil es an der letzten Genauigkeit fehlt. Oder am letzten Willen, den Bock umzustossen? So dauert es 41 eiskalte Minuten im Joggeli, bis sich der FCB selbst erlöst. Pajtim Kasami setzt Jorge auf der linken Seite ein, dieser flankt mit sehr viel Gefühl und noch mehr Präzision an zwei Lausanne-Verteidigern vorbei zu Stocker, der zum 1:0 einschiebt. Das hartnäckig verteidigende und kompakt stehende Lausanne ist ein erstes Mal umgestossen. Der FCB führt.

Es ist ein Resultat, auf dem sich der FCB in der Folge zu sehr ausruht. Die Basler lassen die Lausanner etwas aufkommen. Es benötigt den Weckruf in Form einer Topchance von Aldin Turkes, die nur haarscharf an Heinz Lindner vorbeizischt. Lindner, der zur im Vergleich zum YB-Spiel unveränderten Basler Mannschaft gehört, hat lange nicht übermässig viel zu tun. Erst in der Schlussphase lassen die Basler mehr zu – nachdem sie ihrerseits ein zweites Mal jubeln können. In der 76. Minute schliesst Kasami eine schöne Doppelpass-Kombination mit Fabian Frei ab und erhöht mit einem Flachschuss auf 2:0. «Es klappt sehr gut zwischen uns. Wir haben beide die Erfahrung, die es dazu braucht», ordnet Kasami seinen Treffer ein. Den Treffer, der scheinbar den Schlusspunkt setzt, nachdem es für den FCB eine lange Zitterpartie ist – nicht nur aufgrund der Temperaturen.

Der Anschlusstreffer in den Schlussminuten ist ein Schönheitsfehler, aber kein gravierender. So trennen sich die beiden Teams mit demselben Resultat wie im letzten Liga-Aufeinandertreffen im April 2018. Das heisst aber auch, dass der FCB in der Meisterschaft weiter auf ein Spiel ohne Gegentreffer wartet. Wichtiger aber ist der dritte Sieg in der Liga. Damit schliessen die Basler auf fünf Punkte zu YB auf und verhindern den schlechtesten Saisonstart überhaupt.

Und auch wenn es kein Genuss ist, wie dieser dritte Vollerfolg zustande kommt, so ist es immerhin ein Zeichen des Willens. Ein Zeichen, dass die Basler den Bock umstossen können. Auch wenn dieser schwer ist. Und ein Zeichen, dass sie die kleine Negativserie stoppen können. Wie viel dieser Sieg aber effektiv wert ist, wird sich am Sonntag zeigen. Dann muss der FC Basel zum traditionell unangenehmen Auswärtsspiel gegen Lugano. Ein noch grösser Bock. Denn die Ticinesi sind in dieser Saison in der Liga noch ungeschlagen.

Das Telegramm:

Basel - Lausanne 2:1 (1:0)

0 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tore: 41. Stocker (Jorge) 1:0. 76. Kasami (Frei) 2:0. 91. Guessand (Turkes) 2:1.

Basel: Lindner; Padula, Cömert, Klose, Jorge; Frei (81. Van Wolfswinkel), Kasami; Zhegrova (90. Von Moos), Stocker (70. Marchand), Pululu (90. Petretta); Arthur.

Lausanne: Diaw; Boranijasevic, Loosli, Monteiro, Flo (80. Zohouri); Kukuruzovic (80. Bares); Geissmann (71. Schneuwly), Puertas; Da Cunha (62. Brazão), Zekhnini (62. Guessand), Turkes.

Bemerkungen: Basel ohne Xhaka, Bunjaku, Tushi (alle verletzt), Zuffi, Widmer, Van der Werff (rekonvaleszent), Nikolic (in Isolation), Campo, Kalulu, Oberlin (ohne Aufgebot).
Verwarnungen: 16. Geissmann (Foul), 54. Zekhnini (Foul), 66. Kasami (Foul), 73. Padula (Foul).

Die Noten:

Heinz Lindner: Note 4,5 Wird kurz vor Schluss doch noch bezwungen. Zuvor nicht einmal ernsthaft geprüft. Anschliessend hält er den Sieg fest.
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Andrea Padula: Note 4,5 Macht seine Sache besser als gegen YB. Vor allem defensiv hat er seine Seite im Griff.
Eray Cömert: Note 4 Blockt zwar viele Schüsse und gewinnt viele Duelle, doch gleich mehrfach sorgt er mit Fehlern im Stellungsspiel, im Aufbau oder mit einem Ausrutscher für unnötige Gefahr.
Timm Klose: Note 4,5 Ihn hört man fast so oft wie Sforza coachen. Das braucht der FCB. Verlorene Laufduelle wie vor dem Gegentor braucht er nicht.
Jorge: Note 5 Bis auf einen Fehlpass sehr gut. Seine Flanke führt zum 1:0. Sein erster Assist für Rotblau.
Fabian Frei: Note 4,5 Kaum spielt er nach der Einwechslung von Marchand eine Position weiter vorne, legt er mit einem schönen Doppelpass das 2:0 von Kasami vor.
Pajtim Kasami: Note 4,5 Nach einigen unglücklichen Vorstössen in Halbzeit 1 zeigt er seine Abschluss-Qualität in der 76.. Er stellt mit einem präzisen Flachschuss auf 2:0. Defensiv deckt er zu oft nur den Raum.
Edon Zhegrova: Note 4 Auch er hat beim 2:0 seine Füsse im Spiel. Zuvor aber oft mit Dribblings in die Lausanne-Defensive. Wirkt auch selber nicht zufrieden mit seiner Leistung.
Valentin Stocker: Note 4,5 Seinen einzigen Abschluss verwertet er zum 1:0. Dass er aussichtsreich lanciert nicht zu zwei weiteren guten Torabschlüssen kommt, liegt an der offensichtlich bescheidenen Schnelligkeit
Afimico Pululu: Note 5 Bester Mann. Die Mischung aus Körperlichkeit und Schnelligkeit macht dem Gegner Probleme.
Arthur Cabral: Note 4,5 Für einmal macht nicht er das 1:0. Das liegt daran, dass er bei selbigem knapp an der Flanke vorbeifüsselt und Stocker in seinem Rücken so profitieren kann.
Yannick Marchand: 4 Kommt nach langwierigen Rückenproblemen zum Saison-Debüt. Trainer Sforza schenkt ihm direkt das Vertrauen.
Julian von Moos: keine Note Kommt in der 88. Minute für Pululu. Für eine Bewertung ist dieser Einsatz zu kurz.
Ricky van Wolfswinkel: keine Note Kommt in der 81 Minute für Fabian Frei und ist damit zu kurz im Spiel für eine Bewertung
Raoul Petretta: keine Note Kommt in der 88. Minute für Zhegrova und ist damit zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Heinz Lindner: Note 4,5 Wird kurz vor Schluss doch noch bezwungen. Zuvor nicht einmal ernsthaft geprüft. Anschliessend hält er den Sieg fest.

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