WM-Qualifikation
Das grosse Rätselraten um den Einsatz von Cristiano Ronaldo im WM-Quali-Spiel in Andorra

Spielt er? Diese eine Frage brennt ganz Portugal, und insbesondere der grossen lusitanischen Gemeinde in Andorra, auf den Nägeln. Wird der weltbeste Fussballer am Samstagabend im Nationalstadion zu sehen sein?

Markus Brütsch
Drucken
Teilen
Würde gerne spielen − aber darf er auch? Ronaldo beim Training mit dem portugiesischen Team.

Würde gerne spielen − aber darf er auch? Ronaldo beim Training mit dem portugiesischen Team.

Keystone

Zwei Dutzend Ronaldo-Fans stehen am Freitagmittag vor dem Fünfsternehotel Andorra Park und rufen seinen Namen. Absperrgitter und ein gut bestückter Sicherheitsdienst sorgen dafür, dass sie nicht näher als dreissig Meter herankommen.

Alle zehn Minuten kreuzt ein Polizeiauto auf; wobei nicht ersichtlich ist, ob die Polizisten die Lage kontrollieren wollen oder einfach hoffen, Ronaldo lasse sich kurz blicken. Der kleine Victor streckt ein Plakat in die Höhe: CR7, es wäre ein Traum von mir, mit Dir auf einem Foto zu sein.

Aber niemand lässt sich sehen; kein Moutinho, kein Ronaldo, niemand. Wird er am Samstag spielen? Vielleicht gibt Nationalcoach Fernando Santos am Abend an der Medienkonferenz Auskunft. Er hätte gute Gründe, seinen Captain nicht aufzustellen.

Die Andorraner, noch immer aufgeputscht von ihrem grossen Sieg im Juni gegen Ungarn, werden hart zur Sache gehen und Ronaldo nicht mit Samthandschuhen anfassen.

«Wir versuchen, den Portugiesen auf unserem Kunstrasen das Leben schwer zu machen», kündigt Ildefons Lima an, mit 109 Länderspielen und 11 Toren der Rekordspieler Andorras. «So, wie uns das gegen Ungarn und die Schweiz ganz gut gelungen ist.»

Rustikale Bergler

Natürlich weiss Santos, dass die Bergler aus den Pyrenäen rustikal zur Sache gehen. Will Portugal tatsächlich riskieren, dass sich sein Superstar vor dem alles entscheidenden Spiel am Dienstag gegen die Schweiz eine Verletzung zuzieht oder eine Verwarnung abholt und dann gesperrt ist? Wie schnell ist doch eine gelbe Karte kassiert!

Und überhaupt: Warum Ronaldo bringen, wo Portugal doch gar keinen hohen Sieg mehr braucht? Das Torverhältnis im Vergleich mit der Schweiz so viel besser ist, dass bei Punktgleichheit Portugal die Nase vorne hat. «Wir brauchen drei Punkte, mehr nicht», sagt Santos, «wir müssen also nicht mehr möglichst viele Tore anstreben.»

Ist dies vielleicht ein versteckter Hinweis darauf, dass Ronaldo geschont wird?
Für einen Europameister müsste doch auch ohne seinen Besten ein Sieg gegen eine Mannschaft drinliegen, die 94 von 99 WM- und EM-Qualifikationsspielen verloren hat. Kunstrasen hin oder her.

Wobei: Im Normalfall ist es natürlich schon ein Unterschied, ob Ronaldo mitspielt oder nicht. Ob die Schweiz beim Start der WM-Qualifikation auch gewonnen hätte, wäre Ronaldo dabei gewesen, lässt sich nicht sagen.

Er will immer gewinnen

Fakt ist: Bezogen auf die letzten fünf Jahre, in denen der Stürmer von 67 Länderspielen deren 18 verpasst hat, ist der Punkteschnitt mit Ronaldo (2,19) klar höher als ohne ihn (1,78). Santos sagt: «Ich habe Ronaldo noch nie unmotiviert gesehen. Er will immer gewinnen und sich verbessern. Er ist ein Arbeitstier, er ist verrückt.»

Vielleicht ist nun genau dies die Krux, falls der Trainer gegen Andorra auf Ronaldo verzichten will. Dieser möchte gewiss nicht Gefahr laufen, den Titel eines Torschützenkönigs der WM-Qualifikation und den Rekord an Robert Lewandowski zu verlieren. Der Pole hat in dieser Woche mit seinen drei Toren in Armenien Ronaldo überholt. Stand: 15:14.

Was soll Santos tun? Ronaldo von Anfang an spielen lassen und auswechseln, wenn Portugal 2:0 führt? Ihn auf die Bank setzen und wenn nötig als Joker bringen? Was wäre aber los, wenn es dann nur zu einem Unentschieden reichen würde und die direkte WM-Qualifikation im Eimer wäre? Dann wäre Santos der grosse Depp.

Allerdings auch, wenn er Ronaldo aufstellte, dieser sich verletzte oder die gelbe Karte abholte und gegen die Schweiz nicht zur Verfügung stünde. Es ist eine verzwickte Situation. Am Abend sagt Santos: «Wir werden am Samstag sehen, wie ich mich entscheide.» Später trainiert Ronaldo mit dem Team auf dem Kunstrasen. Unzählige Objektive sind auf ihn gerichtet. «Er wird spielen. Ganz sicher», sagt ein Journalist aus Lissabon.

Aktuelle Nachrichten