Champions League
Bittere Pille: Trotz Leistungssteigerung verliert YB gegen Manchester in der Nachspielzeit und scheidet somit aus

Die Young Boys haben in der 5. Runde der Champions-League-Gruppenphase die vierte Niederlage kassiert. Damit bleibt dem Schweizer Meister auch rechnerisch keine Chance mehr auf ein Überwintern im Europacup. Auswärts bei Manchester United verlor das Team von Trainer Gerardo Seoane durch einen Treffer in der Nachspielzeit durch Marouane Fellaini 0:1.

Julien Oberholzer, Manchester (Text) und Stefan Salzmann (Liveticker)
Drucken
Teilen
Riesige Chance für Marouane Fellaini (rechts). Das Tor ist frei, er trifft dieses aber nicht.
24 Bilder
Manchesters Marcus Rashford am Boden. Er hat viele Grosschancen im Spiel gegen YB liegen gelassen.
Antonio Valencia steigt im Kopfballduell deutlich höher als YB-Stürmer Jean-Pierre Nsame.
José Mourinho sieht sein Team sehr animiert. Es fehlt aber die Genauigkeit im Abschluss, was ihn anscheinend auch stört.
Kampf um jeden Zentimeter im YB-Strafraum.
Kevin Mbabu (links) meldet in dieser Situation Anthony Martial ab.
Weiteres Laufduell: Valencia (links) setzt sich gegen Assale durch.
Solidarischer Einsatz bei den YB-Spielern: Mohamed Ali Camara (links) klärt einen Abschluss von Marcus Rashford.
Antonio Valencia (links) im Zweikampf mit YBs Roger Assale.
Nemanja Matic (vorne) spektakulär. Schlussendlich aber weiterhin nicht zielführend. Manchester kriegt gegen YB auch bis zur 60. Minute keinen Treffer hin.
Manchester United mit Marouane Fellaini dominiert die erste Hälfte, scheitert aber am eigenen Unvermögen.
Anthony Martial (links) kämpft gegen Camara um den Ball.
Champions League: YB - Manchester United (27.11.2018)
Michel Aebischer (in grau) verfolgt Marouane Fellaini.
Kevin Mbabu (links) im Duell mit Luke Shaw. Von Beginn weg hat der offensive Aussenverteidiger Mbabu viel Defensivarbeit zu verrichten.
YB-Fans machen schon vor Spielbeginn grossartige Stimmung. Rund 3000 Fans sind nach Manchester ins Old Trafford gekommen.
Die YB-Fans feuern ihre Mannschaft kräftig an.
Sandro Lauper (links) im Kampf um den Ball mit Anthony Martial.
Manchester United macht in diesem Spiel von Anfang an mächtig Druck – wie lange wird YB standhalten können?
Die Berner haben grosses Glück, dass es Manchester United bisher noch an der nötigen Präzision im Abschluss fehlt.
YB's Kevin Mbabu (links) im Gefecht mit Phil Jones.
Die beiden Trainer Jose Mourinho (links, ManUnited) und Gerardo Seoane.
Marcus Rashford (Manchester United) rauft sich die Haare nach einer vergebenen Torchance.
Einigen guten Paraden des YB-Torhüters David Von Ballmoos ist es zu verdanken, dass zur Pause immer noch Unentschieden steht.

Riesige Chance für Marouane Fellaini (rechts). Das Tor ist frei, er trifft dieses aber nicht.

Jon Super

Der Exploit, der erste in der Champions League für YB, war zum Greifen nah. Die Voraussetzungen waren ideal. Ein Gegner, der komplett glücklos agierte, zahlreiche Torchancen vergab und zunehmend Selbstvertrauen verlor auf der einen Seiten.

Und auf der anderen Seite der Aussenseiter, der sich steigerte und zwischen der 60. und 75. Minute gleich zu mehreren Torchancen kam, darunter eine exzellente. Manchester Uniteds Goalie David de Gea wehrte einen mehrfach abgelenkten Schuss spektakulär auf der Torlinie ab.

Doch noch ein Gegentor

Als dann zumindest der eine Punkt gesichert schien, fiel dann doch noch das Gegentor. In der 91. Minute lenkte Romelu Lukaku eine Flanke zum Marouane Fellaini weiter, der sich gegen die YB-Defensive durchsetzt. Das 0:0 wäre schon ein Erfolg für die Young Boys gewesen und angesichts der Leistungssteigerung nach der Pause auch nicht unbedingt ein unverdienter. Allerdings hätte bei normalem Spielverlauf schon zur Pause alles verloren sein können für den Schweizer Meister.

Dass am Ende eine Niederlage resultierte, war über die gesamte Spielzeit gesehen logisch. YB war lange Zeit ungefährlich und unsicher, auch wenn ihnen der gute Wille nie abzusprechen war. Sie stürmten bei jeder Gelegenheit mit viel Personal Richtung Tor von Manchester United. Sie unternahmen immer wieder den Versuch, den Spielaufbau der Engländer zu stören. Bloss: Die guten Vorsätze wurden selten wirksam umgesetzt.

Es fehlte der ruhende Pol im Sturm

Der verletzte Guillaume Hoarau fehlte als ruhender Pol im Sturm, als Ankerpunkt im Angriff. Viel zu rasch gingen die Bälle verloren und viel zu einfach gelang es Manchester United, in gefährliche Abschlusspositionen zu kommen. Das zentrale Mittelfeld mit den jungen Michel Aebischer, Djibril Sow und Sandro Lauper, der den gesperrten Sékou Sanogo auf dessen Position ersetzte, musste meistens sehr tief in der eigenen Platzhälfte agieren und konnte kaum Impulse setzen. Erst als Manchester United begann, mehr Risiken einzugehen und Räume offenliess, kam YB besser zurecht.

Gerardo Seoane musste nicht nur mit den Ausfällen von Hoarau und Sanogo zurecht kommen, sondern zur Pause auch noch die Verletzung von Captain und Abwehrchef Steve von Bergen kompensieren. Nach der Pause bildeten deshalb Loris Benito, der in die Verteidigung zurückbeorderte Lauper und Mohamed Camara eine Dreierabwehr. Für Camara war es der erste Einsatz seit fast einem Monat. Er hielt sich wie die ganze Defensive gut, auch wenn in erster Linie Manchester United dafür verantwortlich war, dass YB so lange um einen Gegentreffer herumkam.

Ideale Voraussetzungen

Über mangelndes Wettkampfglück konnte sich der Gast nicht beklagen. Die Voraussetzungen für den ersten Champions-League-Sieg waren fast ideal. Da waren zum einen 3000 eigene Fans im Old Trafford, die eine herrliche gelbe Wand im Stadion bildeten und das Team lautstark unterstützen.

Und da war zum anderen ein Gegner, der sich im Abschluss bemerkenswert ungeschickt anstellte. Marcus Rashford schoss schon nach weniger als fünf Minuten alleine vor Goalie von Ballmoos übers Tor und erhöhte danach etwa im Viertelstunden-Takt seine Fehlschussquote. Die beste Möglichkeit der Gastgeber vor dem 1:0 vergab Fellaini, als er nach 56 Minuten aus zehn Metern das leere Tor verfehlte.

Star-Trio bezahlte für zuletzt schlechte Leistung

José Mourinho hatte seine Startaufstellung gegenüber dem letzten Match, dem 0:0 am Wochenende gegen Crystal Palace, stark umgestellt und zunächst unter anderem auf Pogba, Lukaku und Sanchez, der es nicht mal aufs Matchblatt schaffte, verzichtet. Das Trio, das zusammen auf einen Marktwert von 250 Millionen Euro kommt, bezahlte für die zuletzt schwache Leistung. Nach dieser hatte Mourinho seinen Spielern vorgeworfen, mit zu wenig Herz agiert zu haben. Allerdings kam der Portugiese nicht umhin, nach einer guten Stunde doch auf Lukaku und Pogba zurückzugreifen.

Matchtelegramm

Manchester United - Young Boys 1:0 (0:0)

73'000 Zuschauer. - SR Brych (GER). - Tor: 91. Fellaini 1:0.

Manchester United: De Gea; Valencia (72. Mata), Jones, Smalling, Shaw; Fellaini, Matic, Fred (64. Pogba); Lingard (64. Lukaku), Martial, Rashford.

Young Boys: Von Ballmoos; Mbabu, Camara, Von Bergen (46. Garcia), Benito; Assalé, Sow, Lauper, Aebischer, Sulejmani (66. Fassnacht); Nsame (82. Moumi Ngamaleu).

Bemerkungen: Manchester United ohne Rojo, Lindelöf (beide verletzt) und Alexis Sanchez (nicht im Aufgebot). YB ohne Sanogo (gesperrt), Hoarau, Wüthrich und Lotomba (alle verletzt). Verwarnungen: 22. Matic (Foul). 48. Camara (Foul). 61. Benito (Foul). 72. Valencia (Foul).

Hier lesen Sie die Partie im Liveticker nach: