Fussball
Beim FCZ brennt es in den Tagen vor dem Stadt-Derby an vielen Fronten

Vor dem 230.Zürcher Derby heute gegen Tabellenführer Grasshoppers ist es beim krisengeschüttelten FC Zürich drunter und drüber gegangen. Mittlerweile steht FCZ-Präsident Ancillo Canepa ziemlich alleine da.

Markus Brütsch
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Es brennt beim FC Zürich an vielen Fronten.imago

Es brennt beim FC Zürich an vielen Fronten.imago

Feuer und Flamme. Am Donnerstagabend ist im FCZ-Museum am Letzigraben die Pyro-Problematik diskutiert worden. Das Thema im Rahmen der Sonderausstellung «Fankultur» hat vorzüglich gepasst zum Bild, das der 12-fache Meister in diesen Tagen abgibt: Es brennt.

Zwei Tage zuvor hat Präsident Ancillo Canepa am selben Ort schlecht ausgesehen, als er den Rauswurf von Trainer Rolf Fringer begründete und dann auch noch die Medienleute zum Narren hielt. Es liege keine Anfrage für Sportchef Fredy Bickel vor, sagte Canepa. Tags darauf wurde Bickel bei YB vorgestellt. Aber so ist es nun mal an manchen Orten im Schweizer Spitzenfussball. Da wird gelogen und intrigiert, was das Zeug hält. Aber oft wird der Anstand vergessen.

Graf wartete zwei Monate auf Antwort – vergeblich

Dies hat auch Ernst Graf erfahren. Der Abgang des Nachwuchsleiters des FCZ im kommenden Sommer hat zwar nicht direkt mit den Machtkämpfen von Canepa, Bickel und den zurückgetretenen Verwaltungsräten Gregor Greber und Hans Ziegler zu tun, eine Menge aber mit den Umgangsformen in diesem Klub. Vor zwei Monaten hat Graf in einer Sitzung der FCZ-Sportkommission mitgeteilt, dass er ein Angebot des FC St.Gallen habe, sein Know-how beim Nachwuchsprojekt «FutureChampsOstschweiz» einzubringen. Selber aber hatte Graf die Idee, die von ihm massgeblich gestaltete Nachwuchsabteilung (inklusive der FCZ Academy) in den nächsten zwei bis drei Jahren in andere Hände zu übergeben, um danach dem Klub weiter zur Verfügung zu stehen. Er wollte nun vom Präsidenten wissen, ob dieser einverstanden sei, und Bickel überbrachte Canepa diese Frage. Eine Antwort hat Graf nie bekommen. Und so hat er, unter Einhaltung der Kündigungsfrist, einen ab Sommer 2013 laufenden Vertrag bei den Ostschweizern unterzeichnet.

Graf macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Er gibt zu, dass sein FCZ-Herz blutet. «Ich wollte doch gar nicht weg hier», sagt Graf. Er verneint, dass die Sparübungen des FCZ ein Grund dafür seien. «Beim Nachwuchs wird nicht gespart», sagt Graf. Aus gutem Grund,
haben doch seit 2003 24 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Weg in die 1.Mannschaft gefunden. Viele sind mittlerweile im Ausland engagiert wie Almen Abdi, Blerim Dzemaili, Admir Mehmedi, Ricardo Rodriguez und Adrian Nikci, andere wie Philippe Koch, Oliver Buff und Josip Drmic sind im Super-League-Team zu Stammspielern geworden.

Grafs Abgang schmerzt den FCZ

«Der Abgang von Ernst Graf schmerzt», sagt Urs Meier. Es ist Freitagnachmittag, und auch für den Medienauftritt des Interimstrainers ist das Museum der Schauplatz. Der 51-Jährige hat wie im Frühjahr die Aufgabe gefasst, nach einer Trainerentlassung die erste Mannschaft zu betreuen. Meier ist langjähriger Weggefährte von Graf und zusammen mit vielen anderen Nachwuchstrainern ist auch er schwer getroffen vom bevorstehenden Abgang des 62-Jährigen.

Es ist indes verständlich, dass er 48 Stunden vor dem 230.Zürcher Derby den Fokus auf das Spiel lenken möchte. Er hat am Dienstag die Mannschaft übernommen, war dabei, als sich Fringer vom Team verabschiedete, und hat dann am Freitag miterlebt, wie emotional sich Bickel vor der Mannschaft erklärt hat. Meier sagt: «Ich habe an die Selbstverantwortung der Spieler appelliert.» Er hat sie aufgefordert, sich ganz auf den Fussball zu konzentrieren. Was allerdings beim Abschlusstraining gestern nicht einfach war, weil 200 FCZ-Fans den Platz betraten und eine Aussprache forderten. Nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei. Auf die Frage, ob er die Spiele gegen GC und im Cup in Köniz als Chance sehe, sich dem FCZ als definitive Trainerlösung anzubieten, mag Meier nicht eingehen. Er sagt nur: «Ich bin immer ambitioniert.»

Rizzo als Bickel-Nachfolger?

Das galt auch für Bickel, bis sie ihm den Job zur Hölle gemacht haben. So steht Canepa nun ziemlich allein da. Vielleicht ernennt er bald Massimo Rizzo zum neuen Sportchef. Der 38-Jährige ist während sechs Jahren der Assistent von Bickel gewesen. Dieser selbst hat nun vorgeschlagen, Rizzo zum Nachfolger zu machen. «Es wäre mir eine Ehre, und ich würde es mir auch zutrauen», sagt Rizzo, selber einst Profi, fast schon ein FCZ-Urgestein und aktuell Trainer des interregionalen Zweitligisten FC United Zürich. Er wäre eine Billiglösung und würde künftig statt Bickel nun einfach «Präsidentsportchef» Canepa assistieren.

GC will FCZ-Strohfeuer verhindern

Natürlich hat man bei GC mitbekommen, dass es beim Stadtrivalen drunter und drüber geht «Genau darin sehe ich die Gefahr», sagt Trainer Uli Forte am Freitag zur Mittagsstunde auf dem GC-Campus. «Beim FCZ sind alle Alibis weg. Die Spieler müssen Farbe bekennen.» Forte sagt, was mit den Trainern im Schweizer Fussball passiere, sei ein Armutszeugnis. «Ich mache mir Sorgen.» Der Leader hat die ganze Woche lang mit verschiedenen Aktivitäten die Derby-Werbetrommel gerührt und hofft auf 18000 Zuschauer im Letzigrund. Forte sagt: «Meine Spieler haben Grandioses geleistet. Wir wollen verhindern, dass der FCZ heute ein Strohfeuer anzündet.»