Koller in Basel: Erst wenig, jetzt ausreichend Zeit

von Céline Feller

Es geht Schlag auf Schlag. Nachdem Marcel Koller am 2. August als neuer Cheftrainer des FC Basel vorgestellt wird, hat er gerade mal 48 Stunden bis zu seinem ersten Spiel. Wenig Zeit, um eine Mannschaft kennen zu lernen. Viel Ruhe kehrt auch danach nicht ein.

Neun Spiele in vier Wochen, jeden dritten Tag eines. Der FCB-Cheftrainer betont zu Recht, dass er wenig Möglichkeiten hat, in den Trainings der Mannschaft seine Spielidee zu implementieren. Zu sehr stehen die Einheiten im Zeichen der Regeneration.

Spieler kennen lernen und Fussball näher bringen  

Mit dem Aus im europäischen Geschäft Ende August bekommt Koller dann genau das, was er zuvor so oft reklamiert: die Möglichkeit, die Spieler kennen zu lernen, sie in Ruhe auf die Matches einzustellen und ihnen seinen Fussball näher zu bringen. Schliesslich steht für den FCB nur noch einmal wöchentlich eine Partie an.

Und doch: Koller betont weiter, dass er zu wenig Zeit hat. Dass er nicht die Möglichkeit hatte, in einer Vorbereitung intensiv zu arbeiten, Einzelgespräche zu führen, die Spieler zusammenzuhaben. Er will das nie als Ausreden verstanden wissen, ebenso wenig wie die Tatsache, dass ihm gleich sechs Spieler in der Hinrunde für längere Zeit verletzungsbedingt fehlen.

Leiden gehören der Vergangenheit an 

All diese Leiden gehören nun aber der Vergangenheit an. Mit Eray Cömert fällt beim FCB lediglich ein Spieler beim Rückrundenstart verletzungsbedingt aus. Die restlichen 24 sind allesamt einsatzbereit.

Erstmals seit seinem Amtsantritt kann Koller also mit einer Ausnahme aus dem Vollen schöpfen. Aber nicht nur das. Beklagte sich Koller im ersten Halbjahr oft über den Zeitmangel, ist dieses Argument ebenfalls zerschlagen.

Nur der FC Luzern ist früher in die Vorbereitung für die Rückrunde gestartet als der FCB. Ausserdem hat keine Mannschaft ein solch langes Trainingslager wie der FCB absolviert: Nach zwölf Tagen in Marbella reiste der FCB noch nach Berlin, um dort ein Testspiel zu bestreiten.

Kollers Philosophie auf dem Platz 

Koller hatte seine Spieler also zwei Wochen um sich. Er hat eine Vorbereitung mit ihnen bestreiten können. Ein weiteres Argument, welches er nicht mehr vorbringen kann.

Marcel Koller: «Ich hoffe, dass wir von dieser Philosophie jetzt noch mehr sehen werden.»

    

Entsprechend muss nun ein Fortschritt erkennbar sein, die Philosophie von Koller auf dem Platz ersichtlich sein. Auf die Frage, ob die Mannschaft im Vergleich zur Hinrunde nun Kollers Art und Weise, Fussball zu spielen, komplett verinnerlicht hat, sagt der FCB-Trainer:

«Wir haben natürlich auch in der Hinrunde darauf hingearbeitet. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Wir haben damals schon versucht, unseren Weg einzuschlagen und unsere Idee zu vermitteln. Ich hoffe, dass wir von dieser Philosophie jetzt noch mehr sehen werden.»

Nur ein Hoffnungsschimmer oder bereits am Ziel? 

Doch ist es nur eine Hoffnung oder sieht Koller seine Mannschaft endlich an jenem Punkt, an dem er sie haben will? «Ich habe das Gefühl, sie haben die Philosophie verinnerlicht. Entscheidend ist aber das ganze Paket: Wie wir konditionell drauf sind und wie wir die Ideen in der Offensive und der Defensive verstehen und sie auf den Platz bringen.»

In den Testspielen machte das Team den Eindruck, als hätte es den ballbesitzorientierten Fussball mit gepflegtem Spielaufbau verstanden und angenommen. Am Sonntag muss sie es erstmals in einem Ernstkampf beweisen.

Klar ist, dass wenn Sportdirektor Marco Streller von dieser Rückrunde als «Bewährungsprobe» für die aktuelle Mannschaft spricht, dies den Trainer unweigerlich mit einschliesst. Koller muss zeigen, dass er mit genügend Zeit sowie einer Vorbereitung dieses Kader weiterbringen und alles aus ihm herausholen kann. Wenn seine Handschrift und ein Fortschritt weiter nicht zu erkennen sind, ist Kollers Zukunft offen. Denn Ausreden hat er dann keine mehr.

GC-Trainer Fink im Sprachkurs

Von Markus Brütsch 

Thorsten Fink gibt gerne eine Kostprobe seines Könnens. «Oui, je parle français», sagt der Trainer der Grasshoppers, «mais c’est difficile.»

Gleich zu Beginn der Winterpause hatte der Deutsche im Ausland einen Sprachkurs absolviert. Um noch besser auf seine frankophonen Spieler eingehen zu können. Schade bloss, haben mit Doumbia und Lavanchy nun ausgerechnet zwei aus dieser Gruppe den Verein verlassen.

«Das macht nichts. Die beiden Neuen (Mersim Asllani von Lausanne und der im Wallis aufgewachsene Euclides Cabral von Sporting Lissabon; die Red.) sprechen ja auch französisch», sagt Fink.

Der 51-Jährige ist gut drauf zwei Tage vor dem Rückrundenstart. Die Grasshoppers empfangen am Sonntag den FC Basel. «Wahrscheinlich werden wir nicht in der Lage sein, die Basler vorzuführen», schmunzelt Fink. «Aber wir verkennen unsere Lage im Abstiegskampf nicht. Deshalb werden wir um jeden Millimeter des Letzigrundrasens kämpfen.»

Sieben Siegen, fünfzehn Niederlagen

Und er selber um seinen Ruf als Trainer, der seit seiner Ankunft im April letzten Jahres etwas gelitten hat. Was nach 25 Pflichtspielen und einem Punkteschnitt von 0,96 ja auch nicht erstaunen kann. Noch nie in seiner Trainerkarriere lag dieser so tief wie nun in Zürich. Sieben Siegen stehen fünfzehn Niederlagen gegenüber. Fern sind die Zeiten, als er mit dem FC Basel im Schnitt 2,08 Punkte eroberte.

Aber wie es seinem Naturell entspricht, ist Fink weit davon entfernt, deswegen Trübsal zu blasen. Sein Selbstvertrauen hat nicht gelitten. Er ist überzeugt davon, mit GC den Turnaround zu schaffen. Er ist erfreut, wie reibungslos die Vorbereitungsphase verlaufen ist. Und dass mit Djuricin, Holzhauser und Rhyner drei verletzt gewesene Spieler wieder zurückkehren sowie bald auch Nathan. «Die Stimmung im Team ist bestens», sagt Fink.

Thorsten Fink: «Die Stimmung im Team ist bestens»

Thorsten Fink: «Die Stimmung im Team ist bestens»

Tatsächlich? Nach all den düsteren Berichten, die in den beiden letzten Tagen über die Grasshoppers publiziert worden waren? Dass nach dem Ausstieg von Mitbesitzer und Geldgeber Spross grosse Gefahr bestünde, erneut in finanzielle Schieflage zu geraten. Vielleicht sogar der Konkurs drohe. «Nein, ganz ehrlich. Diese Geschichten haben uns in der Konzentration überhaupt nicht gestört», sagt Fink.

Lizenz so früh wie noch nie 

«Wir wissen ja aus erster Hand, wie es um GC bestellt ist. Der Klub hat die Lizenz so früh erhalten wie noch nie. Das bedeutet doch, dass die Liquidität gewährleistet ist.» Und Fink setzt noch einen drauf: «Mit dem Abgang von Spross ist die Zeit der Querelen vorbei. Jetzt kann das Duo Stephan Anliker und Peter Stüber in Ruhe arbeiten. Ich sehe diese Entwicklung richtig positiv.»

Das tut auch Anliker. Am Freitagnachmittag gibt er im Zürcher Marriott-Hotel Auskunft darüber, wie es denn wirklich um GC bestellt ist. Der GC-Präsident nennt es Habakuk, was in dieser Woche alles an Falschmeldungen verbreitet worden sei. «GC ist in keiner Art finanziell gefährdet. Wir sind weder nahe an einem Konkurs noch überschuldet», sagt Anliker.

Jetzt herrscht Einigkeit 

Dem Unternehmer aus Langenthal hat es nicht gefallen, welch düsteres Szenario nach Spross’ Ausstieg in den Medien gemalt wurde. Anliker ist bereit, zusammen mit Peter Stüber einzuschiessen, was nötig ist, um das GC-Schiff bis zum Bezug des neuen Stadions in einigen Jahren sicher durch die Gewässer zu steuern.

Der 62-Jährige betont, dass er sich mit Spross nicht verkracht habe, sondern am Sonntag im Stadion wohl sogar neben ihm sitzen werde. «Es gab Meinungsverschiedenheiten, ja. Spross wollte einfach nicht mehr länger Verantwortung für GC übernehmen», sagte Anliker. «Ich habe Freude an der neuen Situation. Jetzt haben wir Einigkeit und können GC anders führen.»