Yubeljahr
#18 Ein Lob auf die verlorenen Söhne

Wird diese Saison endlich ein YuBeljahr? Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg glauben fest daran, dass YB den FC Basel entthront. Sie begleiten ihren Verein auf dem Weg zum Titel mit einer wöchentlichen Meisterkolumne. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Bernhard Giger
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Guillaume Hoarau und die Young Boys träumen vom ersten Meistertitel seit mehr als 30 Jahren.

Guillaume Hoarau und die Young Boys träumen vom ersten Meistertitel seit mehr als 30 Jahren.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Sonntagabend, nach dem vom Wind verwehten Spiel im Cornaredo-Stadion in Lugano. Guillaume Hoarau und Alexander Gerndt gehen nebeneinander her, vertraut, freundschaftlich. Hoarau legt Gerndt den Arm um die Schultern. Der Schwede hat nicht durchgespielt, er hat auch nicht getroffen, nur fast, früh im Spiel.

Alexander Gerndt ist ein verlorener Sohn. In 98 Super-League-Spielen hat er für die Young Boys 26 Tore geschossen, insgesamt 30 zwischen 2013 und 2017. Gefühlt war er aber häufiger verletzungsbedingt abwesend als auf dem Platz. Doch er gehörte dazu. Die Freude war doppelt, wenn er ein Tor machte.

Nicht alle sind verlorene Söhne

Nicht alle Ehemaligen sind verlorene Söhne. Renato Steffen ist keiner, nicht nur, weil er definitiv zum falschen Klub wechselte. Bei Michael Frey weiss man nicht so recht. Er konnte einen verblüffen, wenn er plötzlich drauflosstürzte und über den Platz baggerte wie Winkelried in Sempach.

Aber dann ist er dem Erfolg nur noch nachgerannt. Jetzt ist er, anderswo, zurück. Am Sonntag sagte er in der Pause ins TV-Mikrofon: «Wir müssen so weitermachen und probieren, ein Goal zu schiessen.» Fadengrad gesagt und getan: Er schoss den FCZ in Führung. So einen muss man einfach gern haben. Doch, auch Frey ist ein verlorener Sohn, halt ein schwieriger, aber die wachsen einem ja ganz besonders ans Herz.

Das 2:0 für den FCZ machte Alain Nef. Dem mag man das so was von gönnen. Ihm, der in italienisch-spanischen Ligen oft genug untendurch musste, einem, der weiss, was leiden heisst.

Ein Bollwerk in der Brandung war er in seinen YB-Jahren, aber manchmal auch nicht. Keiner konnte dann so traurig dreinschauen wie Alain Nef, und keinem fielen dabei die Haarsträhnen so malerisch ins Gesicht. Unvergesslich.

Der flinke Lausbub

Wie Moreno Constanzo, der flinke Lausbub, der von St. Gallen kam und mit YB den 3. Rang erreichte. Ihm hätte man gewünscht, dass er es packt. Er spielte dann bei Aarau und Vaduz, den Absteigern, und jetzt bei Thun, dem Zweitletzten. Aber vergessen, nein, vergessen ging er nicht.

Ein verlorener Sohn wie viele, die noch aufgezählt werden könnten. Milan Vilotic, der war mein Nachbar in der Berner Altstadt. Junger, unauffälliger Familienvater mit Kinderwagen und der Frau am Arm.

Sie, die vielen, die über die Jahre gekommen und wieder gegangen sind, gegangen wurden oder gut verkauft, sie haben unsere YB-Geschichten mitgeschrieben. Wir werden an sie denken müssen, wenn wir dann feiern im nächsten Mai. An die verlorenen Söhne der langen Jahre der Hoffnung.

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