Kolumne

Fussball: Privilegierte und ihre falschen Prinzipien

Céline Feller
Der Glanz der Glitzerohrringe und Glitzerjacken scheint Fussballer wie Neymar zu verblenden.

Der Glanz der Glitzerohrringe und Glitzerjacken scheint Fussballer wie Neymar zu verblenden.

Wer als Fussballer etwas auf sich hält, der streikt. Der Trotz-Trend scheint alltäglich geworden zu sein. Ein Unding, das jetzt auch in der Schweiz angekommen ist.

Neymar tut es. Pierre-Emerick Aubameyang auch. Ousmane Dembélé sowieso. Warum also sollte sich Noah Okafor kein Beispiel nehmen? Schliesslich gehört das Ertrotzen eines Transfers bei Fussballern, die etwas auf sich halten, dazu. Es ist alltäglich geworden. So alltäglich, dass der Trotz-Trend in den letzten Tagen auch in der Schweiz angekommen ist. Noah Okafor weigerte sich, letzte Woche gegen YB zu spielen. Der Grund: Er wollte das Risiko einer Verletzung vermeiden, um seinen Transfer vom FC Basel zu RB Salzburg nicht zu gefährden. Nun hat Okafor, was er will: Einen Vertrag in Salzburg bis 2024. Der FCB kriegt immerhin 12 Millionen Franken. Aber damit deutlich weniger als die 20 Millionen, auf die er bei seinem Verkauf spekulierte.

Ich finde es nachvollziehbar, dass man einen Wechsel nicht gefährden will. Dass man nicht auf die Chance verzichten mag, zu Barcelona (Dembélé), Arsenal (Aubameyang) oder Salzburg zu gehen. Und auch, dass zu geringe Wertschätzung ein zusätzlicher Antrieb ist, wie bei Okafor. Aber: Es gibt Grenzen. Sich dem Arbeitgeber zu widersetzen, hat in jedem anderen Job Konsequenzen. Die Leitplanken zu überschreiten, weil die eigenen Füsse ein paar bis ein paar sehr viele Millionen wert sind, geht nicht in Ordnung. Fussballer sind keine Leibeigenen.

Céline Feller, Sportredaktorin

Céline Feller, Sportredaktorin

Sie werden nicht zu einem Beruf gezwungen, sie erfüllen sich einen Traum. Der erst noch fürstlich entlöhnt wird, einfach so nebenbei. Ja, ein Fussballer muss auf viel verzichten. Auf sehr viel. Er ist fremdgesteuert, rund um die Uhr. Er kann nicht entscheiden, wann er frei oder gar Ferien hat. Beides sind Raritäten. Er muss genug schlafen, weil der Körper sonst nicht mag. Er kann nicht essen was er will und ja, gar der Geschlechtsverkehr wird ihm vor wichtigen Partien manchmal verboten. Er lebt unter ständiger Überwachung. Aber, und das muss diesen Jungmillionären, die ein Leben führen, von dem Abermillionen andere träumen, klar sein: Sie sind unheimlich privilegiert. Wie kaum sonst jemand. Ihr tägliches Arbeitspensum umfasst höchstens die Hälfte eines Normalsterblichen. Der Lohn dafür: Ein vielfaches mehr. Der Glanz der Kristallohrringe in den Ohren scheint aber ab und an so stark zu blenden, dass das vergessen geht. Streiken soll, wer um Grundeinkommen kämpft, um ein Dach über dem Kopf und um Menschenrechte. Aber nicht, wer der schönsten Hauptsache der Welt nachgeht.

Die Problematik des Wissens, dass es bei grossen Namen zielführend war, spornt offenbar an. Ebenso wie die Tatsache, dass der Aufschrei kleiner geworden ist, es fast schon als salonfähig betrachtet wird. Wer etwas auf sich hält, der streikt. Oder so. Ausserdem spielt Fussballern gar allzu oft in die Karten, dass ihre Vereine wirtschaftlich denken müssen. Denn was bringt einem Klub am Ende mehr? Eine hohe, reinvestierbare Millionensumme, oder ein Fussballer, der frustriert ist und sich selber grösser sieht als den Verein - und als er selber in Wirklichkeit vielleicht ist? Eben.

Dies alles auszunutzen, ist verwerflich. Dem Klub, aber vor allem der Basis gegenüber: Den Fans. In neymarschen, aubameyangschen und okaforschen Sphären agiert man kaum mehr um des Fussballs Willen. Oder welcher Amateur-Kicker hat das Gefühl, er müsse sich aus einem Klub streiken? Ich hatte es zumindest nicht. Zerwürfnis hin oder her.
Im Fussball muss es Platz haben für Anstand, für Respekt. Was die Herren Neymar und Co aber tun, ist eine Anmassung. Es ist Zeit, dass ausgestreikt ist.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1