Fussball
Petkovic: «Ich wollte eigentlich mit schwarzen Haaren hier sitzen»

National-Trainer Vladimir Petkovic geht entspannt damit um, dass Granit Xhaka und Manuel Akanji einen Coiffeur einfliegen liessen. Vor dem zweiten EM-Auftritt der Nati zeigt er Respekt vor Italien – «aber nicht zu viel».

Etienne Wuillemin
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Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Es gibt kein Thema, das in den letzten 36 Stunden die Schweiz rund um die Nati mehr bewegt hat als die Haare von Granit Xhaka und Manuel Akanji, die einen Coiffeur einfliegen liessen, um zu erblonden. Darum wird Vladimir Petkovic auch am Tag vor dem EM-Spiel gegen Italien dazu befragt.

Der Nationaltrainer setzt sein schönstes Lächeln auf. Sagt dann: «Eigentlich hätte ich ja hier mit schwarzen Haaren auftauchen wollen, so wie ich sie früher einmal hatte.» Danach fügt er ernsthaft an: «Alles war abgemacht. Es ist eine persönliche Angelegenheit, die auch persönlich bleiben soll. Ich möchte nicht allzu viele Worte darüber verlieren.» Petkovic geht entspannt mit dem Thema um. Das kann nur helfen.

Auch Xherdan Shaqiri wurde um einen Kommentar gebeten. Er sagte: «Ich habe meine Haare immer noch normal. Und das wird auch so bleiben. Aber jeder kann die Haare so färben wie er will.» Sicher ist: Die ­Aktion hat nicht geholfen, um nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Wales zum EM-Start die Stimmung im Land zu heben.

«Meine Haare bleiben, wie sie sind.» Sagt Xherdan Shaqiri (rechts).

«Meine Haare bleiben, wie sie sind.» Sagt Xherdan Shaqiri (rechts).

Alessandra Tarantino / AP

Nach dem enttäuschenden Start ist eine Reaktion gefordert

Gegen Italien ist die Nati nun bereits unter Druck. Ein Unentschieden könnte helfen, um beim letzten Spiel gegen die Türkei immerhin nicht den ­absoluten Siegeszwang zu verspüren. Drei Punkte mit drei Unentschieden reichen mit ­hoher Wahrscheinlichkeit, um sich als einer der besten Gruppendritten zu qualifizieren. Es war der Weg, den 2016 Portugal beschritt, ehe es gar noch Europameister wurde.

Ein Fakt, aus dem die Schweizer durchaus Selbstvertrauen schöpfen dürfen, ist dieser: Die Nati hat in der jüngeren Vergangenheit gegen grosse Mannschaften immer wieder gut ausgesehen. Sowohl Frankreich an der EM 2016, wie auch Brasilien an der WM 2018, wie auch Deutschland (2x) und Spanien (1x) in der Nations League gelang es nicht, die Schweiz zu besiegen.

Warum ergeht es den Italienern genau gleich? Shaqiri sagt: «Wir haben uns in den letzten Jahren tatsächlich gut gehalten gegen grosse Mannschaften. Wir sind als Team gewachsen und haben uns weiterent­wickelt. Und ja, wir werden auch jetzt versuchen, Italien zu ärgern.» Er selbst wird insbesondere einen grossen Tag brauchen.

«Respekt vor Italien? Ja. Aber nicht zu viel.» Sagt Nati-Trainer Vladimir Petkovic.

«Respekt vor Italien? Ja. Aber nicht zu viel.» Sagt Nati-Trainer Vladimir Petkovic.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Trainer Petkovic fordert: «Wir müssen unsere Chancen konsequent nützen. Und eigentlich über unseren Möglichkeiten agieren.» Und er ergänzt: «Die Italiener sind die Favoriten, nicht nur gegen uns, sie sind auch einer der Favoriten auf den Titel. Wir werden darum Respekt ­haben – aber nicht zu viel. Denn ist es möglich, sie zu überraschen.»

Das tönt nach einer Ansage.